Wachsende Zahl von Asylbewerbern lässt sich taufen

Flüchtlinge nehmen christlichen Glauben an

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Hannover - Der verstärkte Flüchtlingszuzug beschert den Kirchen einen ungewohnten Andrang: Eine wachsende Zahl von Asylbewerbern zumeist aus muslimischen Ländern möchte den christlichen Glauben annehmen und sich taufen lassen. Die evangelische und katholische Kirche in Niedersachsen reagiert mit Erstinformationen in arabischer und persischer Sprache über das Christentum auf das Interesse und organisiert Taufkurse.

Der bloße Wechsel der Religion auf dem Papier erhöht indes nicht die Chance, als Asylbewerber anerkannt zu werden, betont die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). "Es gibt im Moment ein großes Interesse", sagt Pastor Michel Youssif von der arabisch-deutschen evangelischen Gemeinde in Hannover. "Sieben Muslime haben sich gerade taufen lassen", sagt der gebürtige Ägypter, der sich seit 2002 in der Freikirche um die Seelsorge für Migranten kümmert. "Die Flüchtlinge sind interessiert, sie profitieren von der Freiheit und wollen gucken, was glauben die Christen."

Telefonisch oder per SMS stellten etliche den ersten Kontakt zu der Gemeinde her. Dort werden Taufkurse organisiert. Manche Interessenten werden auch an andere Gemeinden in ihrer Nähe vermittelt. Von einem verstärkten Interesse unter Flüchtlingen aus islamischen Ländern am Christentum berichtet auch Oberlandeskirchenrat Rainer Kiefer von der evangelischen Landeskirche in Hannover. Es gebe Flüchtlinge, die schon in ihrer Heimat mit dem Christentum in Berührung gekommen seien und den Glauben jetzt hier leben wollten. Andererseits gebe es auch viele Anfragen nach einer Religion, die mit der Erfahrung von Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft verbunden werde.

Einzelne Gemeinden böten inzwischen Taufvorbereitungskurse an. Die Anfragen nach arabischen und persischen Bibeln sowie nach Material zur Taufe in den beiden Sprachen nähmen nach wie vor zu. Wichtig sei, dass die Entscheidung zur Taufe oder zum Übertritt zum Christentum gut bedacht und von Seelsorgern gut betreut werde, meint Kiefer. Außerdem sollte das Motiv für die Taufe nicht die Hoffnung auf eine Erhöhung der Chancen für Asyl sein.

Die Iranerseelsorge der hannoverschen Landeskirche kümmert sich bereits seit 1979 um Christen aus dem Iran, die Zahl der Taufen ist inzwischen mit dem Anstieg des Flüchtlingszuzugs auf 300 im Jahr angestiegen, berichtet Pastor Günther Oborski. "Es gibt mehr Taufen, nicht nur in Hannover, sondern auch in den Dörfern, in denen die Flüchtlinge bleiben und Anschluss an die Ortsgemeinden finden." Schon im Iran organisierten sich Christen in Hausgemeinden oder ständen über das Internet im Kontakt zu Kirchengemeinden anderswo.

dpa

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