Regelungen von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich

Hitzefrei - aber nur für die Mittelstufe?

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Hannover - "Hitzefrei" - ein Zauberwort für Schüler, doch mitten im September mehr als ungewöhnlich. Am Mittwoch war es wieder soweit: Schon nach der vierten Stunde war vorzeitig Schluss für Annika (13), Julius (14) und ihre Mitschüler aus der Gesamtschule Mellendorf nördlich von Hannover.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und anderswo gab es diese Woche schon Hitzefrei. Hitzefrei in Schulen im September - gab es das schon mal? Ja, zum Beispiel vor fast 30 Jahren in Baden-Württemberg. Dort hatten Tausende Schüler bei Temperaturen um die 30 Grad sogar noch später im Jahr Hitzefrei, nämlich am 18. September 1987. Dagegen sagt Swantje Klapper, Direktorin des Gymnasiums in der Wedemark bei Hannover: „Das ist erstmalig, dass wir im Herbst Hitzefrei geben."

Das Thermometer zeigt 32 Grad im Schatten, muss es jetzt für Schüler hitzefrei geben? 

Nein, einen Anspruch darauf hat kein Kind. Die Regelungen sind von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich, die Schulleitungen haben großen Spielraum. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise heißt es im Gesetz: „Anhaltspunkt ist eine Raumtemperatur von mehr als 27 Grad Celsius, bei weniger als 25 Grad ist Hitzefrei nicht zulässig." Das Kultusministerium in Bayern betont, die Entscheidung liege in der Verantwortung der Schulleitungen. Die Schülerbeförderung nach Hause dürfe aber durch einen früheres Unterrichtsende nicht gefährdet sein. 

Müssen alle Kinder einer Schule gleich behandelt werden?

Oft bekommen nur die jüngeren Schüler frei, die älteren müssen weiter schwitzen, weil sie als belastbarer gelten und außerdem schon mal lernen sollen, dass es im Arbeitsleben auch kaum Hitzefrei gibt. Die Teenies machen ihrem Ärger derzeit viel in sozialen Netzwerken Luft: "Dieser Moment, wenn durchgesagt wird, dass für alle Mittelstufenschüler hitzefrei ist, aber du seit dreieinhalb Wochen Oberstufenschüler bist ...". 

Wenn die Schulen schon früher dicht machen, müsste es dann nicht auch Hitzefrei in Kitas geben? 

Aus medizinischer Sicht nicht unbedingt, meint Kai-Peter Schubert, Oberarzt im Kinder- und Jugendkrankenhaus Auf der Bult in Hannover. Für Eltern wäre das auch noch schwerer abzupuffern als bei einem Schulkind. Mediziner Schubert meint: „Kitas haben viel mehr die Möglichkeit, mit den Kindern Ort und Aktivitäten zu variieren." 

Macht Hitzefrei aus medizinischer Sicht überhaupt Sinn für Kinder? 

„Das hängt von dem Umständen vor Ort ab", sagt Mediziner Schubert. „Es sollte dafür gesorgt werden, dass die Schüler genügend trinken und die Klassenräume dauerhaft gut gelüftet werden. Beim Sport sollten nicht Belastungstests in praller Sonne gemacht werden." 

Hitzefrei im September - hat das etwas mit dem Klimawandel zu tun?

Darüber wird diskutiert. Global gesehen war es von Juni bis August 2016 so warm wie nie zuvor in diesem Zeitraum seit Beginn der Aufzeichnungen. „Wir stecken mitten im Klimawandel", sagt der Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes, Paul Becker. In Deutschland seien die Temperaturen in diesem Jahr allerdings nicht besonders auffällig gewesen. 

Und was machen Schüler bei Hitzefrei?

Früher ging die Clique direkt ins Freibad, heute chillt die liegende Generation mit Smartphone daheim auf dem Sofa. Und schreibt bei Twitter: „Kann heute ein zusätzliches Video auf YouTube raushauen, weil ich heut hitzefrei in der Schule bekommen habe."

dpa

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