Harald Schmidt lästert / „Go Sick“ nicht zulässig

Tuifly: Landesregierung organisiert „Runden Tisch“

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Tuifly will am Freitag zehn Flüge stattfinden lassen

Hannover - Nach massiven Flugausfällen beim Ferienflieger Tuifly und zum Teil auch seinem Partner Air Berlin schaltet sich nun die Politik ein. Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies hat alle Beteiligten für Freitagabend zu einem „Runden Tisch" geladen, so eine Sprecherin.

Mit Blick auf die Neuordnung der Tuifly hatte er bereits eine „unbefriedigende Informationspolitik gegenüber der Belegschaft“ kritisiert und betont: „Viele Tausend Urlauberinnen und Urlauber werden in Mithaftung genommen, weil die Geschäftsführung die Mitarbeiter im Ungewissen belässt.“ 

Vor einer Woche war bekanntgeworden, dass Tuifly in eine neue Dachholding mit Etihad integriert werden soll. Arbeitnehmervertreter befürchten Job-Verluste. Seitdem führen kollektive Krankmeldungen der Besatzungen zu zahlreichen Flugausfällen und massiven Verspätungen.

Aktuelle Infos zu Tuifly-Flügen finden Sie hier.

Tuifly wird im Internet zur Zielscheibe des Spotts 

Der Ferienflieger Tuifly bekommt wegen fehlender Crews kaum noch Flugzeuge in die Luft - und die Internet-Gemeinde reagiert mit Spott. „Schenken Sie doch dieser Tage der verhassten Schwiegermutter einen Urlaub mit Flug von #TuiFly", schreibt ein Beobachter mit dem Namen des deutschen Kabarettisten Harald Schmidt im Kurznachrichtendienst Twitter.

Bildlich kurz und knapp bringt es dort die Tagesschau auf den Punkt, indem sie das "fly" (deutsch: fliegen) im Namen des Ferienfliegers Tuifly streicht. Die Airline selbst informiert auf Twitter nur mit dem Aufruf, rechtzeitig zum Flughafen zu kommen und sich über aktuelle Flugzeiten zu informieren. Auf sonnengelbem Grund steht dort die alles entscheidende Frage: "Flywillig?"

Tuifly bei Twitter

„Go sick" - kein zulässiger Arbeitskampf

Massenhafte Krankmeldungen von Arbeitnehmern als Druckmittel auf den Arbeitgeber sind als Streitfälle vor Gericht eher die Ausnahme. In der jüngsten Vergangenheit hatte kein Arbeitsgericht über eine derartige Auseinandersetzung zu entscheiden. „Es ist völlig unumstritten, dass eine vorgetäuschte Erkrankung eine erhebliche Pflichtverletzung im Arbeitsverhältnis darstellt“, sagt der Sprecher des Bundesarbeitsgerichts in Erfurt, Waldemar Reinfelder. 

Dabei sei es egal, ob es sich um einen Einzelfall handelt oder sich Arbeitnehmer dazu verabreden. Die letzten höchstrichterlichen Entscheidungen zu dem Phänomen Massenerkrankungen stammen aus den 1970er Jahren. 1973 wollten die damals noch verbeamteten Fluglotsen durch verabredetes langsames Arbeiten ("go slow") und haufenweise Krankmeldungen ("go sick") Verbesserungen ihrer Arbeitsbedingungen und höhere Gehälter erzwingen. 

Beamte dürfen nicht streiken. Das Bundesverwaltungsgericht erklärte ein solches Verhalten 1977 für rechtswidrig (I DB 12.77). Und auch der Bundesgerichtshof hielt 1979 die streikähnliche Aktion der Fluglotsen für sittenwidrig (VI ZR 32/77). Damit würden die Regeln eines fairen Arbeitskampfs verletzt, urteilten die Karlsruher Richter damals.

dpa

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