Armutsrisiko auf höchstem Stand seit 2005

Landesarmutskonferenz fordert Reform der Arbeitsmarktpolitik

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Besonders hohe Armutsrisiken trugen in Niedersachsen Alleinerziehende mit 46,6 Prozent.

Hannover - Angesichts des Flüchtlingszuzugs und der gestiegenen Armutsquote fordern soziale Verbände und Gewerkschaften eine Reform der Arbeitsmarktpolitik.

„Wir haben immer mehr Flüchtlinge, die Arbeit suchen. Aber es gibt nicht genug Arbeitsplätze, und die Politik reagiert darauf nicht angemessen", warnte Lars Niggemeier vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Er ist einer der Sprecher der Landesarmutskonferenz, die am Montag in Hannover tagt.

Bereits jetzt seien viele Menschen vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen. Zudem sei jeder vierte Arbeitnehmer prekär beschäftigt, sagte Niggemeier. Flüchtlinge seien besonders häufig von Niedriglohn betroffen. Abhilfe schaffen könnten staatliche Programme wie Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM). Doch diese seien in der Vergangenheit zurückgefahren worden. „Wir brauchen mehr normale tarifliche Arbeitsverträge, die öffentlich gefördert werden." Gute Arbeit sei der beste Weg aus der Armut.

Schon seit längerem warnen Sozialverbände vor der Gefahr, dass sozial benachteiligte Gruppen gegeneinander ausgespielt werden. „Die Wahlergebnisse zeigen, dass die AfD vor allem von den Gruppen gewählt wird, die sich von Arbeitslosigkeit bedroht fühlen", sagte Niggemeier.

Nach Angaben des Statistischen Landesamtes lag die Armutsgefährdungsquote im Jahr 2015 in Niedersachsen bei 15,6 Prozent. Dies war der höchste Wert seit der ersten bundesweit vergleichbaren Berechnung im Jahr 2005. Besonders hohe Armutsrisiken trugen in Niedersachsen Arbeitslose (58,5 Prozent), Alleinerziehende (46,6 Prozent) und Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit (40,5 Prozent).

Als armutsgefährdet gilt, wer mit einem monatlichen Nettoeinkommen von weniger als 60 Prozent des regionalen Durchschnitts auskommen muss. In Niedersachsen liegt die Schwelle derzeit bei 930 Euro für einen Einpersonenhaushalt und bei 1.952 Euro für eine Familie mit zwei Kindern.

dpa

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