Rettungswagen beschäftigt die Öffentlichkeit

Viele Fragen, wenig Antworten

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Polizeifahrzeuge stehen nach der Absage des Fußball-Länderspiels Deutschland gegen Niederlande am Vorabend an der HDI-Arena in Hannover (Niedersachsen).

Hannover - Der Rettungswagen, über den die Kreiszeitung im Zusammenhang mit der Absage des Fußball-Länderspiels Deutschland gegen die Niederlande am Dienstagabend berichtet hat, beschäftigt weiterhin die Öffentlichkeit.

Jetzt steht es offensichtlich schwarz auf weiß in einem geheimen Dokument: Terroristen wollten in einem Rettungswagen Sprengsätze in die HDI-Arena von Hannover schmuggeln und sie während des Fußball-Länderspiels Deutschland gegen die Niederlande am Dienstagabend an mehreren Orten zur Explosion bringen. Das geht aus einem Papier des Verfassungsschutzes hervor, aus dem die „Bild“ gestern Abend in ihrer Online-Ausgabe berichtete. Die Informationen stimmen mit den Angaben einer seriösen Quelle überein, von der diese Zeitung gestern berichtet hatte. Danach soll ein solcher Rettungswagen „mit Sprengstoff bestückt“ gewesen sein. Auch in einem zweiten Gespräch am Dienstagabend rückte diese Quelle nicht von ihrer Darstellung ab.

Dagegen stand gestern den ganzen Tag lang die offizielle Version: „Es gab keine Festnahmen und keinen Sprengstoff“, sagte eine Polizeisprecherin gestern in Hannover.

Mehrere Zeugen bestätigten gestern gegenüber dieser Zeitung, dass sich die Polizeiaktionen im Stadion auf Rettungswagen konzentrierten. Zu den Beobachtern gehörte auch Hans-Joachim Zwingmann, 1. Vizepräsident des Deutschen Sportjournalisten-Verbandes: „Nach meinen Informationen hat ein Schnüffelhund bei der Untersuchung eines Krankenwagens angeschlagen. Es soll aber angeblich keine Auffälligkeiten gegeben haben. Das ist alles schon ein bisschen dubios. Kurz nach 19 Uhr standen mehrere Krankenwagen direkt vor dem Haupteingang des Stadions und sind rein- und rausgefahren. Warum, weiß ich nicht.“

Auch die „Welt“ berichtete gestern in ihrer Online-Ausgabe unter Berufung auf Sicherheitskreise, „womöglich sei ein Attentat mit einem mit Sprengstoff beladenen Fahrzeug geplant, das eine ‚Zugangsberechtigung für den Stadionbereich‘ hat. Damit gemeint sein könnten Rettungswagen, TV-Übertragungswagen und Wagen der Sicherheitsdienste (Ordner)“. Schon am Vorabend hatte TV-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein im ZDF von Hinweisen berichtet, „es gäbe wohl eine konkrete Gefahrensituation was Einsatzkräfte betrifft, sprich Polizeiwagen, sprich Krankenwagen“.

Von offizieller Seite gab es dazu auch gestern keine zufriedenstellende Auskunft. Am Vorabend hatte Hannovers Polizeipräsident Volker Kluwe noch berichtet: „Wir haben konkrete Hinweise gehabt, dass jemand im Stadion einen Sprengsatz zünden wollte.“ Doch tags darauf pfiff ihn sein Dienstherr zurück. Die Worte seien im Eifer des Gefechts gefallen, meinte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) gestern. „Es ist auch durch nichts belegt gewesen, es gab keine entsprechenden Informationen.“ Warum sagte Kluwe es dann?

Laut Pistorius erfolgte die Spielabsage wegen „konkreter Hinweise auf konkrete Gefahren“. Zur Einordnung der Terminologie: Konkret bedeutet weitaus mehr als vage. Und die Antworten darauf blieben gestern weitaus weniger als konkret: Um welche Hinweise und welche Gefahren es sich handelte, sagte Pistorius nämlich nicht. Die Fragen bleiben. Und die Antworten ergeben sich wieder erst scheibchenweise.

krz

Lesen Sie auch: Polizei ermittelt wegen Vorbereitung eines Sprengstoffanschlags

Rettungswagen sollten Bomben schmuggeln / „Bild“: Verfassungsschutz-Dokument bestätigt Terrorpläne von Hannover

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