Lauenau: Gericht tagt an Ort von blutigem Verbrechen

Hat Zeugin die Tat sehen können?

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Lauenau - Der Fußboden des Werkstattraums, in dem die 42-Jährige in einer riesigen Blutlache erschlagen aufgefunden wurde, ist neu zementiert. Ansonsten sieht es in dem Handwerkerhaus in Lauenau genauso aus wie am 17. Mai vergangenen Jahres. Beamte der nahen Wache sind damals schnell am Tatort dessen, was zunächst wie ein Raubmord aussieht. Dann aber wird der 45-jährige Ofenbauer unter Mordverdacht festgenommen, seit März muss er sich vor Gericht verantworten.

Nun stehen Richter, Verteidiger und der Staatsanwalt in den Räumen, in denen sich die Bluttat abgespielt hat. Bei dem Ortstermin soll das mögliche Tatgeschehen rekonstruiert werden.

Auf einer Werkbank liegt eine Aktenmappe der Justiz mit Fotos, die den blutigen Tatort zeigen, eine Holzlatte, die als Tatwaffe diente, eine Seite vorher ist die erschlagene Frau zu sehen. Was mangels Zeugen als Indizienprozess begann, nahm eine überraschende Wendung, als die 43-jährige Ex-Geliebte des Angeklagten ihre Aussage revidierte und erklärte, sie habe mitbekommen, wie der Angeklagte seine Frau erschlagen habe. Nach widersprüchlichen Schilderungen der Frau zieht die Verteidigung auch diese Darstellung in Zweifel. Dort, wo sie gestanden habe, habe sie unmöglich die von ihr beschriebene Tat sehen können, lautet der Einwand.

In Fußfesseln und eng bewacht von drei Justizbeamten wird der Angeklagte in sein Haus geführt. Und da bei dem ungewöhnlichen Ortstermin auch Zuschauer in kleiner Zahl zugelassen sind, stehen ihm auch einige Dorfbewohner gegenüber. Die Richter des Schwurgerichts bücken und strecken sich, vermessen die Räumlichkeiten - wie ist der Lichteinfall, was kann man von der Türe aus sehen, was behindert den Blick - das sind Dinge, die penibel nachgestellt und protokolliert werden.

Dann kommt als Zeugin geladen die 43-Jährige Ex-Geliebte hinzu, sie ist sichtbar nervös. Um mit ihr ein neues Leben zu beginnen, so die Anklage, soll der Ehemann seine Frau erschlagen haben. Jetzt würdigen sich beide keines Blickes. Die Zeugin dirigiert Richter und Anwalt in die Position, in der sie Ehemann und Frau beobachtet haben will. Einen lautstarken Schmerzensschrei habe sie gehört, dann sei die Frau zu Boden gegangen. „Ich habe noch die Füße und ein Stück der Jeanshose gesehen.“ Aggressiv sei der 45-Jährige gewesen, habe noch eine Mülltüte geholt, die der Niedergeschlagenen über den Kopf gezogen wurde, und habe sie dann weggeschickt. Warum sie nicht einschritt oder Hilfe holte, blieb zunächst offen.

Vor dem von Justizbeamten abgesperrten Haus stoppen unterdessen immer wieder Anwohner und diskutieren. Die Tat hatte in dem kleinen Ort im Schaumburger Land für Erschütterung gesorgt. Der allseits bekannte Handwerksmeister hatte zur Tatzeit noch die siebenjährige Tochter von der Schule abgeholt, war zum Eissalon gegangen. Seine Festnahme Wochen später auf einem Supermarktparkplatz hatte für Wirbel gesorgt. War er es, oder nicht? Diese Frage ist auch nach dem Ortstermin für viele wohl noch offen.

dpa

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