Flüchtlinge gegen Nachwuchsmangel

Dieser neue Feuerwehrmann kommt aus dem Sudan

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Jalal Daoud aus dem Sudan hilft bei der Feuerwehr in Flechtorf.

Flechtorf - Das Visier seines Helms hat Jalal Daoud ins Gesicht gezogen. Schnell breitet er eine große gelbe Plastikplane auf der Wiese aus, holt Schere und Rettungsspreizer aus dem Wagen. Hand in Hand arbeitet er bei der Übung mit den anderen Feuerwehrleuten zusammen. Dass Daoud bis vor Kurzem keine Feuermelder kannte und dass er manchmal die deutschen Wörter nicht versteht - all das merkt niemand, der dem 31-Jährigen bei der Arbeit zuschaut.

Daoud lebt im westlichen Sudan, bis sein Vater von der Polizei erschossen wird. Danach tritt er die Flucht in Richtung Europa an. „In Darfur herrscht Willkür, man kann jederzeit erschossen werden, gibt er bei seiner Ankunft in Deutschland zu Protokoll. Zu Fuß macht er sich auf den Weg nach Libyen, läuft 800 Kilometer weit. Zuerst arbeitet er als Schafhirte, dann als Koch. Weil er keinen Pass hat, muss er für acht Monate ins Gefängnis. Als er anschließend das Geld für die Überfahrt nach Italien zusammengespart hat, steigt er in ein Schlauchboot. Drei Tage später erreicht das Boot Lampedusa, vier seiner Mitreisenden haben die Überfahrt nicht überlebt.

Jalal Daoud arbeitete auf seinem Weg fort aus dem Sudan auch als Schafhirte und Koch.

Doch Daoud hat Glück. Über weitere Umwege kommt er fast acht Jahre nach Beginn seiner Flucht in Deutschland an und landet bei einer Gastfamilie in Flechtorf bei Wolfsburg. Die Feuerwehrleute fallen ihm hier in der 3000-Einwohner-Gemeinde schnell auf. Mit Hilfe seiner Gastmutter nimmt er Kontakt auf. Im Februar beginnt Daoud mit der Grundausbildung, im Mai fährt er bereits seinen ersten Einsatz bei einem Verkehrsunfall. „Ich war nervös, aber es hat gut geklappt“, erzählt er.

Die Sprache fällt ihm manchmal noch schwer. Bei der theoretischen Prüfung der Grundausbildung saß jemand neben ihm, der ihm half, die Fragen zu verstehen. Was ihm dagegen leicht fällt, ist die Arbeit. „Arbeit ist gut. Da ist nichts schwer dran“, sagt er fast ein wenig verständnislos.

Zwei Jahre nach seiner Ankunft zählt der 31-Jährige zu den 30 aktiven Feuerwehrmitglieder in Flechtorf. Die Jugendabteilung hier gilt mit 40 Nachwuchskräften als die größte im Landkreis. Personalmangel kennt aber auch Ortsbrandmeister Ralf Sprang. Die Mitgliederzahlen bei der Feuerwehr sinken in ganz Niedersachsen kontinuierlich. Knapp 125 000 Mitglieder gibt es noch. Gerade tagsüber, wenn viele zur Arbeit ins nahegelegene Wolfsburg pendeln, gibt es in Flechtorf zu wenige Einsatzkräfte. Für Sprang ein Grund mehr, es mit Daoud zu versuchen und so ein neues Mitglied zu gewinnen. Heute sagt er: „Das würde ich jederzeit wieder so machen. Da sehe ich für uns keine Obergrenze.“

Mindestens 50 Feuerwehren profitieren von Flüchtlingen

Und Sprang ist nicht der einzige. Der Deutsche Feuerwehrverband kennt etwa 50 Feuerwehren wie die Flechtorfer, bei denen Flüchtlinge im Löschzug sitzen. „Das löst nicht von heute auf morgen alle Nachwuchsprobleme“, sagt Verbandssprecherin Silvia Darmstädter. „Aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung.“ Auch für die Integration der Flüchtlinge. „Die Feuerwehr ist mehr als Gefahrenabwehr“, meint Darmstädter. „Sie ist Team, Kameradschaft - und etwas sehr deutsches.“

Was dieses „Deutsche“ ausmacht, hat auch Daoud schon kennengelernt. Noch bevor er bereit war, seinen ersten Einsatz zu fahren, half er beim Osterfeuer und war dabei, als im Dorf der Maibaum aufgestellt wurde. „Es ist, als wäre er schon immer Teil des Ganzen“, sagt Sprang. „Berührungsängste gibt es nicht - auf beiden Seiten.“

dpa

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