Lühesand: Campen umgeben von Wasser

Elbinsel bietet Kontrastprogramm zur Großstadt

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Axel Burmeister sucht auf der Insel das Kontrastprogramm zur Großstadt.

Lühesand  - Jeden Tag auf die Elbe blicken und die dicken Pötte auf ihrem Weg von oder in den Hamburger Hafen beobachten: Die Dauercamper auf der niedersächsischen Elbinsel Lühesand im Alten Land lieben die Ruhe und die Einsamkeit.

So wie Axel Burmeister. Seit vier Jahren verbringt der Rentner sieben Monate in seinem kleinen Wohnwagen auf der Elbinsel. Er habe sich bewusst ein ruhiges Grundstück ausgesucht, erzählt der 62-Jährige. Ein- bis zweimal im Monat fahre er in seine Wohnung in Hamburg. "Dort genieße ich das Kontrastprogramm Großstadt." 

Holger Blohm, Betreiber des Campingplatz auf der Elbinsel Lühesand.

In der Tat ist es ein Kontrastprogramm: Denn auf der Insel, die als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist, gibt es außer den geschützten Vögeln nur die wenigen Dauercamper, die hier den Sommer verbringen. Viele der 60 Wohnwagenbesitzer kommen nur am Wochenende. Strom gibt es nicht und auch keine Autos. Viele behelfen sich mit kleinen Solaranlagen und Gas als Energiequelle. Die Camper werden vom Betreiber des Campingplatzes, Holger Blohm, mit einer kleinen Personenfähre ans Festland zurückgebracht. Die Fahrt dauert keine fünf Minuten. Das 124 Hektar große Eiland gehört dem Land Niedersachsen.

Etwa die Hälfte der Fläche ist ein geschütztes Vogelrast- und Brutgebiet. Seltene Arten wie die Schwarzkopfmöwe brüten hier. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) Stade betreut das Areal und informiert auch die Besucher der Insel. Camper und Natur leben auf der Insel in friedlicher Koexistenz - und das seit 1933. Das war das Gründungsjahr des Campingplatzes. Heinrich Blohm, der Großvater des heutigen Betreibers, gründete damals die Anlage. Seitdem pachtet die Familie das etwa 20 Hektar große Areal vom landeseigenen Domänenamt in Stade.

Auf einem anderen Gelände verpachtet das Amt Parzellen direkt an Nutzer. Sie haben dort Holzhäuser gebaut, die im Gegensatz zu den Wohnwagen fest auf der Insel stehen. Die mobilen Campingwagen werden im Winter abgebaut und mit einer kleinen Autofähre von Blohm aufs Festland gebracht. Seit seiner Kindheit kennt Ulrich Korth die Insel. 1950 hatten die Eltern des 72-jährigen Hamburgers das Areal gepachtet und eine der insgesamt 16 Hütten der Insel gebaut. Der Sohn hat sie später übernommen und verbringt den Sommer auf Lühesand. 

Im 14-Tage-Rhythmus wechseln Ulrich Cord und seine Frau Doris zwischen dem Hamburger Reihenhaus und dem Sommersitz.

Im 14-Tage-Rhythmus wechselt das Ehepaar zwischen seinem Hamburger Reihenhaus und dem Sommersitz. "Es ist vor allem das Wasser, was mich reizt", sagt der Ingenieur. Von seiner Terrasse schaut er direkt auf das Fahrwasser der Elbe. Im großen Strom geht er Schwimmen und Surfen. Früher habe es noch einen weißen Sandstrand gegeben, erzählt Korth: "Da war das hier wie an der Ostsee." Diese Idylle ist fast für jedermann bezahlbar: 510 Euro kassiert Blohm für den Dauerplatz in der Saison. Doch nur rund 60 Camper haben sich hier eingemietet. Dazu kommen Kurzzeitcamper mit Zelten. Die Insel biete noch so viel Platz, dass er locker 20 weitere Dauerplätze anbieten könne, sagt der 57 Jahre alte Campingplatzbetreiber. "Idylle und Blick aufs Wasser allein reichten wohl nicht." 

Dabei liegt Campen nach Angaben des Bundesverbandes der Campingwirtschaft in Deutschland im Trend. Bundesweit legt die Branche jedes Jahr zu. "Der Urlaub in der Natur erfährt mehr Popularität", sagt Verbandspräsident Gunter Riechey. 

Mit Abstand die ältesten Sommerbewohner der Insel sind Ilse (86) und Werner Rathjens (91) aus der nahen Kreisstadt Stade. Ihr Sohn hat auch eine Parzelle von Blohm gepachtet, verbringt aber nur das eine oder andere Wochenende auf Lühesand. Sie seien zwar nicht mehr so mobil, sagen die beiden: "Aber solange es geht, werden wir auf die Insel kommen."

dpa

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