Ländliche Entwicklung als Herausforderung

Mit etwas positivem Druck zum gelungenen Dorfleben

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Heckenbeck liegt idyllisch im Landkreis Northeim.

Heckenbeck/Vechta - Von Marvin Köhnken. Wirtschaftlich schwachen Regionen laufen die Einwohner weg. Ländlichen Kommunen fehlt es an Attraktivität, um junge Leute und Familien für sich zu begeistern. Das zeigt der kürzlich veröffentlichte Zukunfstatlas 2016. Auswege zu finden ist nicht leicht – aber auch nicht unmöglich.

Als ein von Wissenschaftlern oft zitiertes Beispiel gilt das Dorf Heckenbeck, ein florierender Stadtteil vor Bad Gandersheim im Süden Niedersachsens.

Schon in den 80er-Jahren haben die Menschen in Heckenbeck begonnen, den Vorzeichen des demografischen Wandels und schlechter wirtschaftlicher Bedingungen entgegenzutreten. Auslöser war ein einzelner Neubürger. Ein Arzt, der bewusst nach Heckenbeck gekommen ist. Wissenschaftler und Kommunalpolitiker stellen sich nun die Frage, wie sich dieser Erfolg auf andere Regionen übertragen lässt.

Seit einiger Zeit besitzt Heckenbeck ein Mediatationshaus.

„Dorfpioniere“ nennt Karl Martin Born von der Universität Vechta Zugezogene, die neuen Wind in althergebrachte Gemeinschaften tragen und ihnen neues Leben einhauchen. Der promovierte Privatdozent am Institut für Strukturforschung und Planung in agrarischen Intensivgebieten sieht seine Forschung als Vermittler von erfolgreichen Strukturwandel-Projekten in ganz Deutschland – unter anderem in sogenannten Dorfsymposien, zuletzt im Juni im thüringischen Luisenthal. „Vernetzung ist lebenswichtig“, ist Born überzeugt.

Nicht zerstören, sondern erweitern

Marit Schröder erforscht Dorfentwicklung unter schwierigen Voraussetzungen.

Worauf es konkret ankommt, um erfolgreich Lebensqualität und Zukunftsfähigkeit einer Ortschaft zu verbessern, hat Marit Schröder für ihre Hochschul-Abschlussarbeit in Göttingen über Heckenbeck erforscht. Die Doktorandin hat den Wandel im südniedersächsischen Dorf genau untersucht und Schlüsse für eine mögliche Übertragbarkeit auf andere Ortschaften entwickelt. Ihre Erkenntnisse setzt sie derzeit in Kirchdorf nahe Sulingen bei der Erarbeitung ihrer Doktorarbeit zum Thema Daseinsvorsorge ein.

In Heckenbeck hat die junge Schleswig-Holsteinerin erlebt, wie zugezogene „Ökos“ die vorhandenen Strukturen mit neuen Ideen nachhaltig bereichert haben. „Es gab bereits lebendige Vereine, hinzu kamen zum Beispiel eine freie Schule, ein Theater und ein Meditationshaus“, berichtet Schröder. „Die Hinzugezogenen trafen auf eine sehr offene Atmosphäre, sie haben das Vorhandene nicht zerstört, sondern erweitert.“

Gegenseitige Toleranz und jemand, der eine solche Entwicklung vorantreibt bilden für die Doktorandin die Basis für eine gelungene Dorfentwicklung. Auf Initiative des Arztes kamen weitere Menschen in den Ort. Sogar über Zeitungsannoncen seien neue Mitstreiter dazugekommen, die seine Ideen teilten.

„Planen kann man Entwicklung nicht“

Karl Martin Born nennt das eine positive Akteurskonstellation. „Planen kann man solch ein Entwicklung nicht.“ In Heckenbeck habe es keine aktive Suche der Einwohner gegeben, das Dorf bildete allerdings den fruchtbaren Boden für das Engagement der „Dorfpioniere“.

Die evangelische Kirche von Heckenbeck.

Sabine Gehrke, Dorfvorsteherin in Heckenbeck, lebt seit 1997 in dem Ort. Damals zog sie mit ihrem dort bestens bekannten Mann zusammen. „Alle haben mich sofort geduzt, ich wurde ohne zu fragen ein Teil der Gemeinschaft.“ Wer heute nach Heckenbeck komme, bereite sich bewusst auf diese Atmosphäre vor, erzählt Gehrke. Heute gebe es eine organisierte Willkommenskultur. „Für mich ist dieses Miteinander völlig normal.“ Nur von außen betrachtet sei das alles schwer verständlich.

„Wer länger hier wohnt, lebt die Gemeinschaft vor. Da kommt keiner dran vorbei. Beim Fußball sind alle gemeinsam am Spielfeldrand, bei Osterfeuer haben alle um 21 Uhr auf dem Platz zu sein“, sagt die Vorsteherin. Positiver Druck – so lässt sich diese Eigenart wohl am besten zusammenfassen.

Jeweilige Situation vor Ort entscheidet über Erfolg

Dass das Beispiel Heckenbeck vielfach Schule macht, hält Karl Martin Born für wahrscheinlich – und fördert als Vorsitzender des Arbeitskreises Dorfentwicklung den Austausch zwischen Politikern, Bürgern und Wissenschaftlern.

Heckenbeck ist ein Stadtteil von Bad Gandersheim.

Marit Schröder nennt wichtige Voraussetzungen: „Der Blick auf die jeweilige Situation vor Ort ist unabdingbar.“ Ein Initiator mit Visionen wiederum könne den Ausschlag geben, ob alle Beteiligten den Mut aufbringen können, mit viel Eigeninitiative das Dorf voranzubringen. Auch Sabine Gehrke hat keine Patenlösung: „Es liegt an Einzelnen und daran, dass alle die Gemeinschaft mittragen“, ist sie überzeugt.

Links:

Heckenbeck im Netz

Arbeitskreis Dorfentwicklung

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