Starker Zeitdruck

DGB: Auszubildende im Gastronomiegewerbe besonders belastet

Hannover - Überstunden, kein Ausbildungsplan und starker Zeitdruck - der Deutsche Gewerkschaftsbund fordert bessere Bedingungen für Auszubildende, vor allem im Hotel- und Gastrogewerbe.

Fast die Hälfte der Auszubildenden in Niedersachsen und Bremen ist wegen schlechter Bedingungen am Ausbildungsplatz stark belastet. Dies ergab eine Befragung des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), die am Montag in Hannover und Bremen vorgestellt wurde.

Zu den höchsten Belastungsfaktoren zählen lange Fahrtzeiten, Leistungs- und Zeitdruck und wenig Pausen. Ein Drittel der Befragten macht regelmäßig im Schnitt 4,5 Überstunden pro Woche. Für den Ausbildungsreport wurden 1635 Auszubildende aus 16 häufigen Ausbildungsberufen sowie Restaurantfachleute im Zeitraum von September 2015 bis April 2016 befragt.

"Jeder fünfte Azubi im Hotel- und Gaststättengewerbe muss über 45 Stunden in der Woche arbeiten. Dass da die Zufriedenheit unterdurchschnittlich ist, ist kein Wunder", sagte Ruben Eick, Leiter der Abteilung Jugend beim DGB-Bezirk Niedersachsen-Bremen-Sachsen-Anhalt.

Im Hotel- und Gaststättengewerbe sei die Lage besonders dramatisch: Angehende Köche oder Hotelkauffrauen seien mit ihrer Ausbildung deutlich unzufriedener als Azubis in anderen Branchen. Ein Fünftel von ihnen bekommt für Überstunden keinen Ausgleich, also weder mehr Geld, noch Freizeit dafür.

Vielfach könne man nicht von einer hochwertigen Ausbildung sprechen, kritisierte Harmut Tölle, der Vorsitzende des DGB-Bezirks: "Oft werden Auszubildende als billige Arbeitskräfte missbraucht. Das sind klare rechtliche Verstöße, wenn es zum Beispiel keine Ausbildungsordnung gibt." Ohne Ausbildungsplan könne nicht überprüft werden, welche Inhalte vermittelt wurden.

Insgesamt hat ungefähr ein Drittel der Befragten den Angaben zufolge keinen solchen Ausbildungsplan. Der DGB sieht hier auch die Kammern gefragt, die Ausbildung besser zu überwachen. "Die Branche muss mehr Energie aufwenden, um sich von schwarzen Schafen abzugrenzen", forderte Tölle. Niedersachsen stehe als Urlaubsziel in Konkurrenz mit anderen Bundesländern. Eine schlechte Qualität sei nicht hinnehmbar.

Die besten Bewertungen vergaben Auszubildende der Industriemechanik, Elektronik und im Bankwesen. Zu den Berufen mit den schlechtesten Bewertungen gehören Koch, Metallbauer sowie Hotel- und Restaurantfachkraft.

Rubriklistenbild: © dpa-avis

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