Täter gilt als alkoholkrank

Acht Jahre Haft für Mord nach Kneipentour

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Der Angeklagte verdeckt sein Gesicht mit einem Hefter.

Hildesheim - Nach einem Kennenlernen in der Kneipe gehen ein Mann und eine Frau nach einem letzten Glas nachts noch durch Holzminden - am nächsten Morgen findet ein Angler die übel zugerichtete Leiche der 33-Jährigen an der Weser. Jetzt ist dieser Fall juristisch aufgearbeitet.

Weil er die Frau nach eigenem Geständnis gewürgt und erstochen hat, hat das Landgericht Hildesheim den alkoholkranken Mann am Donnerstag zu acht Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt. Der Richter attestierte dem 31-Jährigen in der Urteilsbegründung eine Persönlichkeitsstörung und eine verminderte Schuldfähigkeit. Die Frage nach dem Motiv für die brutale Tat beantwortete der Angeklagte vor Gericht nicht.

Der Angeklagte, der nach einer zerrütteten Kindheit mit Alkohol und Drogen gerade eine Ausbildung im Zierpflanzenbau begonnen hatte, hatte die Frau kurz vor dem Jahreswechsel in einer Kneipe kennengelernt. Nach der Weihnachtsfeier ihres Dartclubs hatte die 33-Jährige da noch mit Bekannten Station gemacht. Beide kamen ins Gespräch, tranken zusammen und wechselten noch das Lokal. Später auf der Straße muss es dann zu dem Konflikt mit tödlichem Ausgang gekommen sein. Minutenlang und mit aller Kraft würgte der Mann nach eigener Aussage die Frau, bis sie nicht mehr atmete. Vier Mal rammte er ihr danach eine Astschere in den Hals.

Gericht spricht von Borderline-Syndrom

„Die Kammer geht davon aus, dass es da zu einem Streit gekommen ist“, sagte der Vorsitzende Richter Peter Peschka. „Die Frau muss etwas gesagt oder getan haben, was ihn gekränkt hat, was ihn erregt hat.“ Mit dieser subjektiv empfundenen Kränkung habe der zurückgezogen lebende Einzelgänger aufgrund seiner Persönlichkeitsstörung - von einem Borderline-Syndrom ist die Sprache - nicht umgehen können. Im Affekt und unter dem Einfluss von viel Alkohol habe der Angeklagte sich zur Tötung der Frau entschlossen. „Was da durch den Kopf des Angeklagten gegangen ist, ließ sich nicht klären.“

Fest steht zumindest für das Gericht: Der Angeklagte hat wohl nicht versucht, sich der Frau sexuell zu nähern, auch dafür, dass die Frau ihn schlimm beleidigt haben könnte, gibt es keine Anhaltspunkte. Für eine Einweisung in die Psychiatrie sah das Gericht wegen fehlender Wiederholungsgefahr keine Handhabe, eine Alkoholtherapie wurde wegen fehlender Erfolgsaussichten verworfen.

dpa

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