Die Anfänge des Stemweder Open Air

Die ersten Bands spielten auf einem Anhänger

+
Wilhelm Lindemann (rechts) und Klaus Riechmann gönnen sich während der Aufräumarbeiten nach dem Festival 2013 eine kleine Pause.  

Wehdem - Als eines der ältesten „Umsonst und Draußen“-Festivals in Norddeutschland zieht das Stemweder Open Air alljährlich tausende Festival-Fans in die Kommune am Stemweder Berg. Organisiert wird es seit 40 Jahren komplett auf ehrenamtlicher Basis. Manches hat sich seit 1976 verändert, vieles ist aber auch gleich geblieben. Die friedliche und entspannte Atmosphäre zum Beispiel. Wilhelm Lindemann ist (fast) seit der ersten Stunde dabei. Im Interview mit unserer Redakteurin Melanie Russ spricht er über die Anfänge des Festivals und wie es sich zu einer 40-jährigen Erfolgsgeschichte entwickelt hat.

Wilhelm Lindemann beobachtet 1983 den Auftritt von „Die 3 Tornados“ mit Arnulf Rating (rechts), der heute ein Kabarettist ist und am 1. Oktober im Wehdemer Life House auftritt. - Foto: JFK

Herr Lindemann, Sie sind fast von Anfang an dabei. Was fällt Ihnen spontan ein, wenn Sie an das erste Festival denken?

Wilhelm Lindemann: Dass alles klein und überschaubar war. Aber es waren alle mit dem gleichen Enthusiasmus dabei wie heute noch. Es waren eben nur deutlich weniger Leute.

Wie sind Sie Teil des Organisationsteam geworden?

Lindemann: Das Festival war ja damals am Jugendzentrum am Sportplatz in Oppendorf. Als ich in den Verein kam, hatte es das erste Festival schon gegeben, dann war ein Jahr Pause. Wir haben dann gesagt, Mensch, wir müssen sowas nochmal organisieren. Das war doch ganz toll. Ich habe gesagt, ich will mich mit drum kümmern, und schon war ich dabei.

Und dann hat es Sie nicht mehr losgelassen...

Lindemann: Dann hat es mich nicht mehr losgelassen bis zum 40.

Waren Sie seither in jedem Jahr dabei?

Lindemann: 1979 hab ich alles geplant, aber beim Festival selbst war ist nicht da. Das ließ sich urlaubstechnisch nicht miteinander vereinbaren. Das ist mir aber auch schwer gefallen. Heute wird das definitiv nicht mehr passieren.

Da wird der Urlaub nach dem Festival ausgerichtet?

Lindemann: Genau.

Welche Aufgaben habe Sie beim Festival?

Lindemann: Meine Aufgaben sind vielfältiger Art. Wir sind in Teams organisiert. Das Team, in dem ich tätig bin, ist schwerpunktmäßig für Campingplatz, Parkplatz, Verkehrsführung, die ganze Infrastruktur eben, zuständig. Seit ein paar Jahren kümmere ich mich auch schwerpunktmäßig um Themen wie das Sicherheitskonzept. Und natürlich um die Pressearbeit.

Ist die Organisation des Festival im Hinblick auf Sicherheit aufwendiger geworden seit dem Loveparade-Unglück in Duisburg und den daraus resultierenden schärferen Vorschriften?

Lindenmann: Es ist auf jeden Fall aufwendiger geworden, weil die Anforderungen an Sicherheit deutlich höher sind, das heißt, der Einsatz an Sicherheitskräften und Sanitätsdienst ist schon deutlich angestiegen.

Überall im Land geht die Angst vor Anschlägen um. Treffen Sie in dieser Hinsicht beim Open Air besondere Vorkehrungen?

Lindemann: Im Prinzip gehen wir davon aus, dass nichts passiert, aber wir haben natürlich im Moment eine erhöhte Sicherheitslage. Darauf werden wir auch reagieren und auf dem Veranstaltungsgelände intensiver nach Taschen und Rucksäcken schauen.

Nochmal zurück zu den Anfängen. Wie viele Helfer waren es damals?

Lindemann: 15 bis 30 Leute, ich weiß es gar nicht mehr so genau. Es war ja auch nur ein Tag und ein landwirtschaftlicher Anhänger mit einer Überdachung drüber. Es haben, glaube ich, drei oder vier Bands gespielt. Das war natürlich alles einfacher. Es kamen vielleicht 300, 400 Besucher. Und dann ist es beständig gewachsen.

Wie viele Helfer sind heute dabei?

Lindemann: Heute sind es etwa 350. Aber die brauchen wir auch. Wir könnten durchaus noch mehr gebrauchen. Es gibt einfach vielfältige Aufgaben in den ganz verschiedenen Bereichen, die abgedeckt werden müssen – und dass über zweieinhalb komplette Tage.

Heute ist alles relativ generalstabsmäßig geplant...

Lindemann: Es ist natürlich gut durchstrukturiert. Wir haben das so organisiert, dass wir verschiedene Teams haben, die die einzelnen Bühnen bestücken und sich um Verkehr, Campingplatz, Strom, Wasser und die Küche für die interne Versorgung kümmern.

War die Organisation am Anfang auch schon so perfekt oder gab es kleine Katastrophen?

Lindemann: Katastrophen gab es nie, weil die Leute immer relativ motiviert waren. Wenn doch mal irgendwas schief lief – und irgendwas läuft immer schief – dann ist irgendjemand eingesprungen. Und das passiert heute auch noch. Es finden sich immer Leute, die sich kümmern. Von daher ist es eine richtig tolle Sache. Über die Jahre hat man natürlich auch Leute, die sich in bestimmten Gebieten eingearbeitet haben. Wenn sich jemand 10, 20 oder gar 30 Jahre mit einem Thema auseinandergesetzt hat, dann ist er professionell.

Wann fangen die Vorbereitungen fürs Festival an?

Lindemann: Direkt nach dem Festival. Was das Booking der Bands betrifft, gibt es dann schon die ersten Kontakte, wer im nächsten Jahr spielen könnte. Nach dem Festival treffen sich die Helfer, um Revue passieren zu lassen, was gut und was schlecht gelaufen ist und was man besser machen kann. Die Verantwortlichen der Teams treffen sich dann alle vier bis sechs Wochen das ganze Jahr über. Je näher das Festival rückt, umso konkreter wird es natürlich. Damit ist man gut beschäftigt, das ist nicht mal eben nebenbei getan. Und dann kommt natürlich die Hochphase, wenn das Festival stattfindet, wo man dann doch einige Stunden da ist.

Gibt es ein Festivaljahr, das für Sie persönlich besonders herausgeragt?

Lindemann: Nein. Jedes Festival war irgendwie anders, aber irgendwie waren sie auch alle sehr gleich – zumindest von Jahr zu Jahr betrachtet. Das liegt aber auch daran, dass wir nicht so sehr versuchen, irgendwelche Highlights zu machen. Wir wollen ein breites Angebot schaffen. Die Grundidee ist ja „umsonst und draußen“, dass jeder die Möglichkeit hat, gute Musik im breiten Rahmen zu hören. Klar guckt man immer, dass man was hat, was auch ein bisschen zieht, aber im Prinzip geht es in die Breite. Unser Ziel ist es, alle Musikrichtungen abzudecken, die die Rockmusik bietet.

Wie sieht es mit den Bands aus? Gab es da Highlights?

Lindemann: Wir hatten einige Bands, die später groß rausgekommen sind. Die Sportfreunde Stiller sind ein Beispiel, die Beatsteaks sind mittlerweile recht bekannt, Jupiter Jones hat auch irgendwann mal bei uns gespielt, und im Moment ist ja AnnenMayKantareit ganz populär. Die haben als Singer/Songwriter vor drei Jahren noch auf dem Sonnensystem vor 100 Leuten gespielt, und jetzt waren sie beim Hurricane Headliner. Die Leute, die bei uns die Musik aussuchen, haben ein gutes Händchen dafür zu sehen, was gute Musik ist.

Ist für das 40. Open Air etwas Besonderes geplant?

Lindemann: Nein, eigentlich nicht. Wir wollen vor allem darauf hinweisen, dass das Ganze ehrenamtlich gemacht wird, dass es 40 Jahre lang von Leuten getragen ist, die diese spezielle Atmosphäre erhalten wollen, und nicht von einem Organisator, dessen einziges Interesse darin besteht, Geld zu verdienen.

Sponsorenlauf am Sottrumer Gymnasium 

Sponsorenlauf am Sottrumer Gymnasium 

Der neue Mercedes AMG GT C Roadster

Der neue Mercedes AMG GT C Roadster

Viele Spitzenpolitiker bei Trauerfeier für Shimon Peres

Viele Spitzenpolitiker bei Trauerfeier für Shimon Peres

In Paris beginnt die Zukunft des Autos

In Paris beginnt die Zukunft des Autos

Meistgelesene Artikel

Feuerwehrmännern wird im Container ganz schön heiß

Feuerwehrmännern wird im Container ganz schön heiß

26-Jähriger stürzt samt Rad und Kind zu Boden

26-Jähriger stürzt samt Rad und Kind zu Boden

Aufmerksame Frau bringt betrunkenen Autofahrer zur Polizei

Aufmerksame Frau bringt betrunkenen Autofahrer zur Polizei

Brennende Pfanne in verlassener Wohnung

Brennende Pfanne in verlassener Wohnung

Kommentare