Mieter und Vermieter treffen sich vor Gericht

Zwei Ansichten zu einem Streit

Das Rahdener Amtsgericht beschäftigte sich jetzt mit einem Streit zwischen Mieter und Vermieter. - Symbolbild: dpa

Rahden / Stemwede - Ein Streit zwischen einem Vermieter und einem Mieterpärchen ist im Oktober vergangenen Jahres eskaliert. Am Mittwoch beschäftigte sich das Rahdener Amtsgericht mit dem Vorwurf gegen einen 32-Jährigen Lübbecker. Dem dreifachen Vater wurde vorgeworfen, seinen Vermieter in Stemwede angegriffen und körperlich misshandelt zu haben.

Inzwischen sind der Angeklagte und seine Lebensgefährtin weggezogen. Als sie noch zur Miete in Stemwede lebten, fühlten sich der 32-Jährige und und seine 25-jährige Partnerin eigenen Angaben zufolge „massiv vom Vermieter und seinem Sohn bedroht“. Vor Gericht schilderte der Angeklagte, dass der 76-jährige Vermieter häufig zu dem Grundstück gekommen sei und der Familie mit dem Stock gedroht habe. „Die wollen mich fertig machen und mein Leben zerstören“, war sich der Angeklagte sicher.

Am Anfang sei das Verhältnis gut gewesen, berichtete der Vermieter, der als Opfer und Zeuge aussagte. Doch im Sommer 2015 sei die Stimmung gekippt. So habe der Vermieter das Paar aufgefordert, sich um den Rasen zu kümmern. Andererseits will der Angeklagte den Vermieter aufgefordert haben, etwas gegen Ratten im Flur zu unternehmen. „Seitdem ließ er nicht mehr mit sich reden“, erklärte der Rentner.

„Der Vermieter hat uns nicht unterstützt“, meinte der Angeklagte. Ihm zufolge, habe sich der Streit immer weiter aufgeschaukelt, bis er in dem Vorfall gipfelte, der zur Anzeige führte. Zu diesem Zeitpunkt sei bereits klar gewesen, dass die Mieter zum 1. November wegziehen wollten. „Wir wollten die letzten Tage dort einfach nur noch unsere Ruhe haben“, sagte der Mann.

Dem 32-Jährigen wurde zur Last gelegt, dass er den Vermieter im Verlauf der Auseinandersetzung im Oktober im Garten der Mietwohnung Tritte in Gesäß und Rücken verpasst habe, bis dieser das Bewusstsein verlor. „Aus Reflex habe ich ihn weggeschubst“, schilderte der Familienvater die Situation.

Zuvor soll der 72-Jährige ums Haus geschlichen sein. „Ich habe ihn des Grundstücks verwiesen“, so der Angeklagte. Daraufhin sei der Vermieter aufbrausend geworden, habe sich einen Spielzeuganhänger aus Hartplastik genommen und diesen nach dem Mieter werfen wollen. Nach dem Schubs habe der 72-Jährige dann nach Luft gerungen und nach einem Arzt gerufen, gab der Angeklagte zu Protokoll. Seine Partnerin habe daraufhin den Notarzt verständigt.

Die als Zeugin geladene Freundin wies den Vorwurf aus der Anklageschrift wie ihr Freund zurück und berichtete, dass der Vermieter plötzlich wieder aufgestanden und zum Auto gegangen sei. „Bevor er weggefahren ist, hat er den Stinkefinger gezeigt“, so die 25-Jährige. Dabei soll der Vermieter gerufen haben: „Das werdet ihr bereuen.“ Diesen Punkt gab das Opfer zu. Jedoch begründete er: „Ich wollte da weg.“

Der Mieter habe den Hund auf ihn gehetzt, ihm starke Schmerzen zugefügt, gewütet und gerufen, dass er den Vermieter „fertig machen“ werde, berichtete der Rentner. „Ich bin ruhig geblieben, habe mich nicht provozieren lassen“, so der 72-Jährige.

Der von der Zeugin alarmierte Rettungswagen war am Tattag zum Haus des Vermieters gefahren, um den 72-Jährigen ins Krankenhaus zu bringen. Das ärztliche Attest führte laut Richterin Schürhoff Hämatome und ein Schock auf, die einen stationären Aufenthalt nötig machten. „Nur aus einem Schubser lassen sich solche Verletzungen nicht erklären“, führte die Richterin dem Angeklagten vor Augen.

Der 48-jährige Sohn des Opfers war ebenfalls als Zeuge geladen. Der Stemweder erinnerte sich, dass seine Mutter ihn telefonisch über den Vorfall informiert habe. Später sei dann auch er von dem Mieter bedroht worden, sagte der Sohn.

Da die Angaben zur Tat voneinander abwichen, gestaltete sich die Urteilsfindung schwierig. Da die Staatsanwältin die Aussagen des Angeklagten und dessen Partnerin für falsch hielt, plädierte sie für eine elfmonatige Freiheitsstrafe sowie eine hohe Arbeitsauflage. Zudem kündigte sie ein neues Verfahren gegen die 25-jährige Zeugin an, da diese der Ansicht der Juristin nach falsch ausgesagt hatte. Mit Blick auf die Vorstrafen des Angeklagten – von sechs Einträgen im Bundeszentralregister bezogen sich fünf auf den Vorwurf der Körperverletzung – sah die Staatsanwältin die jüngste Anklage zusätzlich bestätigt.

Der Verteidiger des Angeklagten kritisierte die „einseitige Argumentation“ der Staatsanwaltschaft und forderte Freispruch. Er äußerte zudem „große Zweifel an der Darstellung des Opfers“ und sprach von „vorgeschobenen Argumenten“. Zwar wiesen die Vorstrafen auf den „raubeinigen Charakter“ seines Mandanten hin, aber diese seien schon einige Jahre her, sein Mandant inzwischen zur Ruhe gekommen.

Richterin Schürhoff verurteilte den 32-Jährigen zu einer achtmonatigen Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf drei Jahre Bewährung. Diese beinhaltet einen Bewährungshelfer sowie 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit. - abo

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