Hospizwoche: Frauen tauschen sich aus

„Trauer ist keine Krankheit“

Die Teilnehmerinnen des Workshops saßen in einen Stuhlkreis, in dessen Mitte Organza-Stoff, Blumen, Kerzen und Schlüssel lagen. Die Schlüssels symbolisieren laut der Organisatorin Sabine Wüppenhorst (l.), dass der Umgang mit Trauernden kein unknackbares Schloss ist. - Foto: Schmidt

Wehdem - Von Katharina Schmidt. Der Tod gehört zum Leben – und doch schmerzt nichts so sehr wie der Verlust eines geliebten Menschen. Der Wunsch, Trauernden zu helfen, ist oft groß. Doch ebenso groß lastet manchmal die Angst, etwas Falsches zu sagen oder zu tun. Mit der Frage „Wie kann ich Trauernden begegnen?“ beschäftigten sich am Montagabend 16 Frauen im Life House. Der Workshop war Teil der Hospizwoche von Hospizgruppen und -initiativen der Region.

Sabine Wüppenhorst moderierte die Veranstaltung. Sie ist Koordinatorin für Hospizarbeit und Trauerbegleiterin bei der Parisozial Minden-Lübbecke/Herford. „Ich habe wirklich nicht mit so vielen Teilnehmern gerechnet“, sagte Wüppenhorst zur Begrüßung und blickte zufrieden in die Runde. In einem Stuhlkreis saßen Frauen, die in der Hospizarbeit arbeiten oder privat Trauernde begleiten. Viele hatten selbst herbe Verluste erlitten.

In den nächsten zweieinhalb Stunden folgte ein offener und herzlicher Austausch, geprägt von emotionalen Erlebnissen und Denkanstößen. Ein Aspekt der dabei kritisiert wurde, war die Trennung von Hospiz- und Trauerarbeit. Denn Hospizarbeit können Einrichtungen aus öffentlichen Mitteln refinanzieren, Trauerarbeit nicht. Das führt laut den Anwesenden dazu, dass oft zuerst an der Trauerarbeit gespart werde. „An dieser Stelle muss politisch war passieren“, forderte Wüppenhorst.

„Trauer ist ein Prozess, den wir brauchen, um Verluste jeglicher Art zu verarbeiten“, erklärte die Trauerbegleiterin. „Es ist keine Krankheit“, betonte sie. Leider habe Trauer in der heutigen Gesellschaft kaum Platz.

Wüppenhorst stellte die Trauerphasen nach Verena Knast vor: Die Zeit des Nicht-Wahrhaben-Wollens, die Zeit der aufbrechenden Gefühle, die Zeit des Suchens und des Trennens sowie die Zeit des neuen Selbst- und Weltbezugs.

Die Hospizarbeit-Koordinatorin erklärte, dass Trauernde diese Phasen nie strikt hintereinander durchlaufen würden. Mal gebe es Höhen, mal Phasen voller Wut und Traurigkeit. Letztlich bleibe Trauer ein Leben lang – aber sie verändere sich. „Man wird irgendwann damit umgehen können“, so Wüppenhorsts zuversichtliche Worte.

Um Wege zu finden, Trauernden zu helfen, überlegten die Teilnehmerinnen zunächst, was ihnen selbst in schweren Zeiten gut tut. Die Ergebnisse waren zum Teil widersprüchlich. Manche brauchen Ruhe, andere Ablenkung. Manche bevorzugen Sport, andere Schokolade. Und was in Maßen hilft, kann im Übermaß das Gegenteil bewirken.

Wüppenhorst überraschten die Ergebnisse nicht. „Jeder hat seine eigene Art zu trauern“, verdeutlichte sie. Daher sei im Umgang mit Trauernden Feingefühl wichtig. Bei Unsicherheit hilft ihr zufolge nur eins: Den Betroffenen fragen, was er möchte – und die Antwort akzeptieren. Auch, wenn jemand einfach nur Schweigen will. „Die Trauer einfach nur auszuhalten, ist Schwerstarbeit“, weiß Wüppenhorst. Dennoch sei es in solchen Situationen wichtig, einfach nur für jemanden da zu sein und nicht wegzuschauen.

Die Kunst: Stets den Kontakt suchen, ohne dabei aufdringlich zu sein – nicht nur in den ersten Wochen nach dem Todesfall, sondern auch nach längerer Trauerzeit. Ein weiterer Tipp: Bei Sprachlosigkeit einfach sagen, dass man nicht weiß, was man sagen soll. „Das ist ehrlich“, meint Wüppenhorst. Wenn tröstende Worte nicht über die Lippen kommen, sei Schreiben eine Alternative.

Bei der Begleitung eines Trauernden ist es Wüppenhorst zufolge nicht zuletzt wichtig, auf sich selber zu achten. Außerdem müsse der Betroffene respektiert werden, samt seiner Veränderungen. Denn Menschen ändern sich durch Schicksalsschläge. Eine der Teilnehmerinnen mit Erfahrungen in der Hospizarbeit bezeugte dies: „Für viele fängt mit dem Tod eines geliebten Menschen eine neue Zeitrechnung an.“

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