Infonachmittag für Flüchtlinge zu Regeln des Schulalltags / Schwimmunterricht erweitert

Schulpflicht, Pünktlichkeit und aktive Beteiligung

Ulrich Nimbs (vorn) erklärte Flüchtlingen das Stemweder Schulsystem. Dabei unterstützten ihn Waltraud Holtkamp (r.) sowie Übersetzerin Emina Mustafi. - Foto: Bokelmann

Wehdem - Morgens pünktlich in der Klasse sein, sich aktiv am Unterricht beteiligen und im Krankheitsfall dem Sekretariat bescheid geben. Die Verhaltensweisen für einen geregelten Schulalltag sind bekannt und stellen in der Regel keine Probleme dar. Aber mit der Beschulung von Flüchtlingskindern hat sich die Situation geändert.

Flüchtlinge kennen das deutsche Schulsystem nicht und müssen erst damit vertraut werden. Daher hatte die Stemweder-Berg-Schule in Zusammenarbeit mit der Stemweder Flüchtlingshilfe am Dienstagnachmittag alle Flüchtlingseltern zusammen mit ihren schulpflichtigen Kindern zu einer Infoveranstaltung eingeladen, damit einem reibungslosen Start nichts im Wege steht.

„Kinder und Eltern sollen auf dem gleichen Stand sein“, erklärt Waltraud Holtkamp den Hintergrund des Infonachmittags in der Begegnungsstätte. Würde man nur den Kindern das Schulsystem erklären, meint die Flüchtlingsbetreuerin, würden sie möglicherweise nicht alle Infos weitergeben. Am Dienstag boten die Organisatoren zunächst albanisch-stämmigen Flüchtlingen die Möglichkeit, sich zu informieren. Rund zehn Flüchtlinge kamen zusammen. Bei einer zweiten Runde, die sich an Eltern und Kinder mit arabischen Wurzeln richtete, wurde es mit rund 40 Flüchtlingen deutlich voller.

„Alle auf einmal einzuladen, wäre organisatorisch nicht möglich gewesen“, sagt Holtkamp und verweist auf die Sprachbarrieren und den Fahrdienst, den weitere Flüchtlingshelfer aus Stemwede übernahmen. Gemeinsam mit Übersetzerin Emina Mustafi erklärte Ulrich Nimbs den Teilnehmern dann rund eine Stunde, wie der Unterricht in Stemwede abläuft und was sowohl Kinder als auch Eltern zu beachten haben. Denn „die Schulausbildung ist eine Grundvor-aussetzung für Integration“, stellte Nimbs seinen Ausführungen voran. Der didaktische Leiter der Sekundarschule betonte: „Wir möchten eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, damit die Kinder später ihr Leben selbst gestalten können.“

Im vergangenen Schuljahr hatte die Stemweder-Berg-Schule rund 15 Flüchtlinge aufgenommen. Da diese aber nicht gebündelt, sondern nach und nach zum Unterricht dazustießen, habe die Unterbringung zunächst Vorrang gehabt, erinnerte Ulrich Nimbs. Der Lehrer stellte am Dienstag mehrfach heraus: „Die Flüchtlingskinder gehören zu unserer Schule wie alle anderen auch.“

Gleiche Vorschriften für alle

Daher müssten sie sich an dieselben Regeln halten. „Die Eltern sind für die Einhaltung der Schulpflicht verantwortlich“, verwies Nimbs auf die grundlegenden Vorschriften in Sachen Pünktlichkeit und regelmäßigen Schulbesuch. Im weiteren Verlauf der Infoveranstaltung beschäftigte sich Nimbs mit den Themen Verhalten im Krankheitsfall und den Pflichten der Schüler. „Ihr müsst nicht nur euer Unterrichtsmaterial mitbringen, sondern euch aktiv beteiligen“, wandte sich Nimbs an die Flüchtlingskinder, denen der Schulalltag, der gerade wieder begonnen hat, nicht mehr vollkommen fremd sein dürfte.

Den Sexualkunde- sowie den Religionsunterricht erwähnte Nimbs gesondert. „Das gehört in unserer Gesellschaft dazu“, merkte er an und die Flüchtlinge signalisierten, dass sie mit den Themen keine Probleme hätten. Für den Religionsunterricht gilt an der Sekundarschule: „Alle nehmen gemeinsam daran teil. Wer eine andere Religion hat, kann in der Zeit aber Hausaufgaben machen“, erklärte Nimbs.

Ab diesem Schuljahr wird an der Stemweder Schule erstmals der Schwimmunterricht nicht mehr ausschließlich in den fünften Klassen angeboten, da sich die Lehrer mit einem entsprechenden Nachweis über die Schwimmfähigkeit absichern wollen.

Das Zeugnis der Flüchtlingskinder kann laut Nimbs je nach den Deutschkenntnissen unterschiedlich aussehen. Erst nach und nach würden Noten für die Fächer vergeben, aber spätestens nach zwei Jahren sei das normale Zeugnis erreicht.

Ferner erfuhren die Flüchtlingseltern, dass sie für Material wie Bücher und Stifte vom Sozialamt einen Zuschuss von 70 Euro pro Kind beantragen können. Außerdem gibt die Gemeinde einen Beitrag für das Mittagessen. Die Flüchtlinge müssen dann noch einen Euro pro Mahlzeit im Life House zahlen, so Holtkamp, die auch darauf hinwies, dass Handys auf dem Schulgelände verboten sind.

Abschließend stellte sich Schulsozialarbeiterin Stefanie Beckers vor und ermutigte Kinder und Eltern, bei Problemen das Gespräch mit ihr zu suchen. - abo

Mehr zum Thema:

Im Herbst mit dem Hausboot durch Ostdeutschland

Im Herbst mit dem Hausboot durch Ostdeutschland

220 Kinder entdecken den Wald

220 Kinder entdecken den Wald

Raketenstart in Rotenburg

Raketenstart in Rotenburg

Shimon Peres tot, Bilder aus dem Leben des Friedensnobelpreisträgers

Shimon Peres tot, Bilder aus dem Leben des Friedensnobelpreisträgers

Meistgelesene Artikel

Bus brennt komplett aus

Bus brennt komplett aus

Feuerwehrmännern wird im Container ganz schön heiß

Feuerwehrmännern wird im Container ganz schön heiß

26-Jähriger stürzt samt Rad und Kind zu Boden

26-Jähriger stürzt samt Rad und Kind zu Boden

Aufmerksame Frau bringt betrunkenen Autofahrer zur Polizei

Aufmerksame Frau bringt betrunkenen Autofahrer zur Polizei

Kommentare