"Flüchtlinge stehen nicht unter Generalverdacht"

Polizei durchsucht Asylbewerberheim bei Razzia in Wehdem

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Mit rund 80 Einsatzkräften war die Polizei vor Ort.

Wehdem - Von Anika Bokelmann. Bei einer groß angelegten Razzia haben 80 Einsatzkräfte am Mittwochmorgen die Asylbewerberunterkunft in Wehdem durchsucht. Die Polizei überprüfte dabei die Identitäten der Flüchtlinge und setzte einen gerichtlichen Durchsuchungsbefehl um, da es einen Verdacht auf Diebesgut in dem Zimmer eines Mannes gegeben hatte.

Große Aufmerksamkeit zog gegen kurz vor 7 Uhr eine Kolonne von neun Polizeibussen und diversen weiteren Autos auf dem Weg nach Wehdem auf sich. Die Einheit fuhr beim DRK-Heim an der Straße Steinkamp vor, wo Polizisten der Kreispolizeibehörde, unterstützt von der Bereitschaftspolizei Bielefeld sowie zwei Hundeführern aus Paderborn, zunächst das Gebäude umstellten. „Wir wollten sichergehen, dass kein Bewohner flüchtet“, erklärte Polizeisprecher Ralf Steinmeyer. Doch es sei alles ruhig verlaufen. Nachdem die Polizisten das Gebäude und die einzelnen Zimmer betreten hatten, stellten sie die Identitäten der Anwesenden fest.

Bei einigen Flüchtlingen konnte diese vor Ort nicht eindeutig geklärt werden. Daher nahmen die Beamten die Bewohner mit zur Dienststelle nach Minden. Mitarbeiter der Ausländerbehörde des Kreises Minden-Lübbecke halfen der Polizei bei der Ermittlungen des Aufenthaltsstatus. Eine Dolmetscherin half bei der Überwindung der sprachlichen Barrieren. Nach einer guten Stunde zogen die Einsatzkräfte wieder ab.

Zum Hintergrund der Razzia, die die Polizei unter Geheimhaltung langfristig geplant hatte, nannte Steinmeyer die Feststellung der Personalien. „Irgendwie hat man ja den Eindruck, dass sich die Flüchtlinge stets hin und her bewegen“, sagte der Polizeisprecher. Dem sollte mit der Razzia auf den Grund gegangen werden. Von den 55 in der Wehdemer Unterkunft am Steinkamp gemeldeten Flüchtlingen trafen die Polizisten lediglich 18 Männer und eine Frau an. Ein weiteres Motiv für die Razzia war die Bekämpfung von Eigentumskriminalität. „Ein Zimmer wurde aufgrund eines Gerichtsbeschlusses durchsucht“, so Steinmeyer. Bei einem 31-jährigen Mann vermuteten die Beamten Diebesgut aus Vorfällen im Kreisgebiet, was jedoch nicht aufgefunden wurde. Die Überprüfung eines 56-jährigen Bewohners ergab, dass die Staatsanwaltschaft Oldenburg aufgrund einer Aufenthaltsermittlung nach ihm fahndete. Bei einem anderen Mann wurde eine abgelaufene Duldung festgestellt. Gegen ihn wurde ein Strafverfahren wegen Verstoßes gegen das Aufenthaltsgesetz eingeleitet.

 „Es geht nicht darum, Zuwanderer unter Generalverdacht zu stellen“, betonte Steinmeyer. Vielmehr habe es für die Durchsuchung in Wehdem konkrete Anlässe und Gründe gegeben.

Razzia am Morgen in Wehdem

„Eine Polizeikontrolle bei den Flüchtlingen ist nichts Außergewöhnliches“, erklärte auch Werner Bahnemann. Auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigte der Ordnungsamtleiter der Gemeinde Stemwede, dass die Verwaltung informiert worden sei und ein Mitarbeiter am Morgen am Steinkamp war, damit die Polizisten mit einem Schlüssel in das Gebäude konnten. Aktuell sind in Stemwede laut Bahnemann 333 Flüchtlinge (darunter 64 Minderjährige und 26 Familien) in 38 Wohnungen sowie der Asylbewerberunterkunft in Wehdem untergebracht. Im Februar sei mit keinen weiteren Zuweisungen zu rechnen, sagte Bahnemann. Zunächst müsse der Fehlbedarf in den Ballungszentren auf Anordnung der Bezirksregierung Arnsberg ausgeglichen werden.

Die Nationalitäten in Stemwede sind bunt gemischt. „Die meisten Flüchtlinge kommen aus Syrien. Aber es sind auch Personen aus Eritrea und Afghanistan dabei“, zählte Bahnemann auf. Die Situation bei der Unterbringung ist Stemwedes Ordnungsamtleiter zufolge entspannt. „Aus den Nachbarschaften gab es bislang keine Beschwerden.“ Dies führt Bahnemann auf die Begleitung durch den Hausmeisterdienst sowie die Betreuer zurück. „Vernünftige Verhältnisse sorgen für Akzeptanz und Verständnis“, betonte Bahnemann. Für die Zukunft sieht er die Gemeinde zunächst gut aufgestellt. Im März sollen weitere Wohnung angemietet werden und „wir werden die Angebote kontinuierlich sichten, um den Zuweisungen gerecht zu werden“, sagte Bahnemann. Für 2016 rechnet er mit ungefähr der gleichen Anzahl von Flüchtlingen wie im Vorjahr. Zeitgleich werden ihm zufolge auch einige Flüchtlinge die Gemeinde wieder verlassen.

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