Ausschuss diskutiert über Bürgerradwege und Alternativrouten an Landesstraßen

Radfahrer leben gefährlich

Für Radfahrer sind einige Straßen in Stemwede Gefahrenquellen. Doch Radwege sind derzeit nicht absehbar.

Stemwede - Ein Umweg von 300 Metern ist für Birgit von Lochow in Relation zur massiven Gefährdung für Radfahrer auf einer viel befahrenen Straße in Kauf zu nehmen. Das betonte die Bauamtsleiterin der Gemeinde am Donnerstag im Betriebsausschuss für den Stemweder Wirtschaftsbetrieb zum Vorhaben eines Radwegebaus entlang der L 767 zwischen dem Sportplatz und dem Ortskern Leverns. In der Sitzung waren auch die Radweg-Lückenschlüsse an der L 766 und L 769 Thema.

Der Umfahrung der Gefahrenstelle in Levern standen einige Ausschussmitglieder skeptisch gegenüber. Der Vorschlag der Verwaltung, über die Wirtschaftswege „In der Horst“ und „Hörster Moor“ zu fahren, werde vermutlich nicht angenommen. Sie wünschten sich daher einen Radweg an der Landesstraße.

Der sei unrealistisch, so von Lochow. Ihre Begründung: Die Straße sei zu schmal und kurz nach der Ortseinfahrt erschwere eine Engstelle den Bau eines Radwegs. „Das sieht zwar idyllisch aus, ist aber gefährlich“, merkte von Lochow an. Dort könne man hinter den als Naturdenkmale eingestuften Bäumen einen Weg umsetzen, meinten Jürgen Gläscher und Paul Lahrmann (beide SPD). „Wenn ich will, ist da Platz“, so Lahrmann. „Man muss nur mit den Eigentümern sprechen“, erwiderte er auf den Einwand, dass Teile der Grundstücke für einen Radweg benötigt würden.

Im Rahmen des Ortsteilgesprächs war das Problem angesprochen worden. Der Verwaltung hatte ein Bürger daraufhin die 1,83 Kilometer lange Alternativroute abseits der Landesstraße vorgeschlagen. Für diese Maßnahme, die Bürgermeister Kai Abruszat als einzige „realisierbare Lösung“ ansieht, muss der Bauamtsleiterin zufolge ein Grasweg befestigt werden, damit dieser ganzjährig befahrbar ist. Zudem werden Schotter und eine feste Fahrbahndecke benötigt. Die Verwaltung rechnet mit einer Investition von 30.000 Euro.

Die Maschstraße in Levern ist sehr schmal. Für Radfahrer ist der Weg vom Ortskern in Richtung Sportplatz daher gefährlich, aber ein Radweg ist an der Landesstraße schwierig umzusetzen. Daher schlägt die Verwaltung eine alternative Wegführung vor. - Fotos: Bokelmann

„An der direkten Gefahrenstelle ändert sich dadurch nichts“, kritisierte Gläscher und erinnerte an den Verkehrsunfall im vergangenen Jahr, bei dem ein Junge ums Leben gekommen war. Er sehe den Vorschlag nicht als optimale Lösung, so Gläscher. Zwar gab Bürgermeister Abruszat ihm soweit recht, als dass es sich „nicht um die Königslösung handelt“. „Aber der Vorschlag ist besser als der Status Quo“, meinte Abruszat, der darauf hinwies, dass es sich um eine Landesstraße handelt. „Der Landesbetrieb Straßen wird einen Radweg an dieser Stelle nicht umsetzen“, unterstrich er.

Bis zur nächsten Betriebsausschuss-Sitzung wollen sich die Politiker jetzt in Levern umhören und ein Meinungsbild einholen. Abruszat gab noch zu bedenken, dass ein Bürgerradweg deutlich teurer werde, als die Nutzung der vorhandenen Wege. Zudem unterstrich er: „Wir müssen zügig zu einer kostengünstigen Lösung kommen, die mit geringem Aufwand umsetzbar ist.“

Schnelle Lösungen wünscht sich der Bürgermeister auch für die Radweg-Lückenschlüsse an der L766 zwischen Destel und Levern sowie an der L769 zwischen Westrup und Arrenkamp. Diese waren bislang an der Nicht-Verfügbarkeit von Grundstücken gescheitert. Die Gespräche, die bereits vor vier Jahren geführt worden waren, wurden eingestellt. Jetzt will die Verwaltung einen neuen Versuch unternehmen und schlägt für beide Straßen Alternativradwege vor. In erster Linie soll mit den Maßnahmen die Verkehrssicherheit erhöht werden.

Da vom Landesbetrieb Straßen NRW als zuständigem Träger signalisiert wird, dass dort in den nächsten Jahren keine Radwege geplant sind, plädiert Bürgermeister Kai Abruszat für Bürgerradwege, die von der Landesregierung über ein entsprechendes Programm bezuschusst werden. Pro Quadratmeter Radweg würde die Gemeinde eine Pauschale von 50 Euro erhalten. Kosten, die durch mögliche Rohrverlegungen und Ähnliches entstehen, muss die Gemeinde übernehmen. Bedingung: Der Radweg muss mindestens 2,25 Meter breit sein und beidseitig 0,5 Meter breite Seitenränder haben.

Der Vorschlag einer Umfahrung des fehlenden Radwegs über eine landwirtschaftliche Fläche und die Straße Imlage, um von Destel nach Levern zu gelangen, fand im Betriebsausschuss Zustimmung. Dennoch soll die Verwaltung prüfen, ob die Grundstückseigentümer inzwischen bereit wären, ihre Flächen für einen Bürgerradweg zur Verfügung zu stellen.

Eine längere Diskussion gab es hingegen um den Vorschlag für die Stemweder-Berg-Straße zwischen Arrenkamp und Westrup. Dort hatte die Verwaltung überlegt, eine Alternativroute über die Straßen Barlage und Raidehnsweg zu bauen. „Rein aus touristischen Gesichtspunkten“ stellte sich Bürgermeister Abruszat hinter diesen.

„Das ist nicht nur ein Umweg. Es geht auch noch bergauf und bergab“, widersprachen die ortskundigen Ausschussmitglieder dem Vorschlag. „Den Weg wird niemand nutzen“, war sich Wilhelm Riesmeier (SPD) sicher. „Wir brauchen kein Geld für etwas ausgeben, das keiner nutzt“, ergänzte er. Zudem sei gerade die durch die Verkehrsführung nötige Querung der Landesstraße besonders gefährlich, so Riesmeier.

Paul Lahrmann schlug daher vor, einen Bürgerradweg entlang der L 769 zu bauen. Zwar blieben zwei Stellen frei, weil die Grundstücke nicht verkauft werden, „aber 70 Prozent der Strecke sind dann immerhin sicher“, meinte Lahrmann. Bürgermeister Abruszat bezweifelte, dass eine Stückelung für eine Förderung als Bürgerradweg zulässig ist.

„Wir müssen den Einwohnern ehrlich sagen, dass ohne Alternative sich in den nächsten Jahren keine Lösung abzeichnen wird“, stellte der Verwaltungschef klar. Am Ende einigten sich die Ausschussmitglieder darauf, dass erneut geprüft werden soll, welche Flächen entlang der Landesstraße verfügbar sind. Das Ergebnis soll in der Sitzung am 21. September diskutiert werden. - abo

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