60 Veteranen bei ADAC Westfalen-Lippe-Fahrt

Opas erstes Motorrad ist Liebhaber-Stück des Enkels

Hobbyschrauber Werner Stockmann aus Dielingen beherbergt 15 historische Zweiräder, darunter diese Progress 3HP Baujahr 1905. - Fotos: Mattlage

Haldem - „Dass ich angefangen habe, die Maschine wieder fertig zu machen, hat Opa noch erlebt. Dass wir mit ihr an den Start gehen leider nicht mehr. Aber es hätte ihn sicher sehr gefreut“, erzählt Christian Frobieter aus Pr. Oldendorf mit Blick auf die babyblaue DKW RT 175 VS aus dem Baujahr 1957. Als kleiner Junge habe er „hinten bei Opa mit drauf gesessen“. Heute ist der Enkel 31 Jahre alt. Zusammen mit seiner Freundin, der 25-jährigen Marina Schwarze aus Rahden, gehörte er zu den jüngsten der insgesamt 60 Teilnehmer der ADAC Westfalen-Lippe-Fahrt für Motorrad-Veteranen, die am Samstagvormittag bei Rosengarten in Haldem begann.

Hobbyschrauber Werner Stockmann aus Dielingen beherbergt 15 historische Zweiräder, darunter diese Progress 3HP Baujahr 1905. - Fotos: Mattlage

Mit dieser Teilnehmerzahl hat sich die beliebte Oldtimerveranstaltung im Vergleich zum Vorjahr um einige Maschinen gesteigert. Auch der Nachwuchs scheint gesichert. Und wen wundert’s? Die Faszination ist schlichtweg zeitlos. Wer vor einem historischen Motorrad oder Wagen steht, der spürt sofort: Das ist nicht bloß ein Haufen Blech, hier sind emotionale Erinnerungen und Geschichten im Gepäck. Wie im Falle von Christian Frobieter, der den Gedanken nicht ertragen konnte, dass die DKW RT, die seit Jahren zerlegt im Keller herumstand, verkauft werden sollte. Sie war eines der ersten Motorräder, das sein Großvater besessen hatte: „Jetzt möchten wir ausprobieren und erleben, wie sich das Fahren mit der Maschine anfühlt und dabei die Natur genießen.“

Christian Frobieter hat die DKW RT 175 VS seines Großvaters wieder zum Laufen gebracht. Zusammen mit seiner Freundin Marina Schwarze aus Rahden gehörte er am Sonnabend zu den jüngsten Startern.

Ein weiterer Teilnehmer, Harald Zawadzki aus Essen, hatte ähnliche Ansprüche an die Tour durch den Altkreis Lübbecke: „Es geht mir um den Spaß an der Maschine und der Strecke. Ich brauche keine 200 km/h zu fahren. 80 oder 100 reichen auch.“ Er war mit einer olivgrünen Hercules K125 BW Militär aus dem Baujahr 1970 angetreten, die bis zum Jahr 1995 bei der Bundeswehr im Einsatz gewesen war. Seine „Mili“ gefunden und gekauft hat Harald Zawadzki vor zehn Jahren über das Internet. Mit ausgetauschtem Motor fährt sie heute bis zu 100 Stundenkilometer. Sie ist eine von vier fahrtüchtigen Maschinen, die der passionierte Tüftler wahlweise bei Oldtimerveranstaltungen einsetzt. An der ADAC Westfalen-Lippe-Fahrt, die in diesem Jahr zum 66. Mal stattfand, nimmt Harald Zawadzki seit 2007 regelmäßig teil. Es sei immer alles gut gelaufen, nur einmal habe er „einen Plattfuß“ gehabt, berichtet er.

Zugegeben: Kleine Malheure wie diese können bei einem Oldtimertreffen schon mal vorkommen. Auch am Samstag musste hier und da Starthilfe gegeben oder mit vereinten Kräften angeschoben werden, bis vereinzelte Maschinen schließlich losknattern konnten und die Luft mit dem typischen Benzingeruch erfüllten. Aber Herausforderungen dieser Art gehören eben dazu. „Die Freude an historischer Technik steht im Vordergrund, das Genießen der Strecke ist die Hauptsache“, formulierte es auch Willi Weingärtner vom organisierenden AMC Stemweder Berg bei der Einweisung der Teilnehmer.

Harald Zawadzki (r.) braucht keine hohen Geschwindigkeiten, um Spaß am Fahren zu haben.

Die Motorradveranstaltung wird vom Verein AMC Stemweder Berg im ADAC durchgeführt und vom Regionalclub Ostwestfalen-Lippe ausgeschrieben. Begrüßt wurden Fahrerinnen und Fahrer vom hohen Norden aus Kiel bis aus der Mainmetropole Frankfurt. Auch der Altkreis war mit zehn Teilnehmern stark vertreten. Darunter auch Werner Stockmann aus Dielingen. Mit seiner Progress 3HP Baujahr 1905 ging der 82-jährige Rentner als Erster an den Start. Als leidenschaftlicher Hobbyschrauber beherbergt Stockmann um die 15 historische Zweiräder aus den Jahren 1905 bis 1961 und darf als Urgestein der regionalen Motorrad-Szene betitelt werden.

Auf einer Strecke von 100 Kilometern stellten die Fahrer mit ihren Maschinen Gleichmäßigkeit und Zuverlässigkeit unter Beweis. Nach dem Start bei Rosengarten ging es weiter zur Gleichmäßigkeitsprüfung im Minutenabstand bei der Stadtsparkasse in Rahden. Nach einer Mittagspause im Schloss Benkhausen in Espelkamp folgten ein Re-Start mit Fahrervorstellung und eine Durchfahrtskontrolle an der Kart-Bahn in Pr. Oldendorf. Dabei gab es immer mal wieder auch geheime Zeitkontrollen.

Neu in diesem Jahr: Erstmals waren auch 14 Oldtimer-Automobile nach Stemwede gekommen. Mit dem Oldtimerwandern wurde eine Ausfahrt auf ausgeschilderter Strecke der Motorradveteranen und für die Zuschauer zusätzlich etwas fürs Auge geboten. 

Ergebnisse

Motorräder: Bei den Motorradfahrern siegte in der Gesamtwertung Hans-Wilhelm Steer aus Böhme mit seiner DKW RT 175 GS, gefolgt von Karl-Gustav Sander aus Dortmund (Vesper P 200E) und Jens Stammerjohann aus Hohenfelde (DKW NZ350). Automobile: Bei den Autos belegt Thomas Hochhaus aus Bielefeld mit seinem Beifahrer Hartwig Rietz und einem Opel Admiral A den ersten Platz. Auf Platz zwei folgten Carola und Dieter Bäuerle aus Herford (Porsche 924), auf Platz drei Hans-Günter und Ursula Adrian aus Bückeburg (Mercedes-Benz 380 SL).

mama

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