Nachtperformance an der Desteler Tannenschmiede 

Kunst aus Feuer, Klopapier und Beton

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Stephan Reimer und Thomas Lepki möchten mit ihrem Kunstwerk „Qube“ die Verbindung von Menschen zur digitalen Technik thematisieren. In dem beleuchteten Würfel sind unter anderem knapp 10 000 Toilettenpapier-Rollen verarbeitet. 

Destel - Von Katharina Schmidt. Die Sonne ist schon seit einer Weile untergegangen, es ist Samstag, kurz vor Mitternacht. Bunte Lichtpunkte tanzen durch die Baum-Kronen auf dem Gelände des Keramik-Ateliers Tannenschmiede in Destel. Illuminierte Skulpturen fügen sich in die Umgebung ein, aus dem Hintergrund ertönt sphärische Musik. Es herrscht eine fast schon mystische Atmosphäre bei der Nachtperformance im Skulpturenwald, zu der Udo Neikes und Britta Brinkmann als Inhaber der Tannenschmiede zum zehnten Mal eingeladen haben.

Die Nachtperformance bietet ein Podium für Künstler. An diesem Abend stellen Stephan Reimer und Thomas Lepki Licht-Installationen aus. Außerdem treten die Tanztheater-Gruppe Kadisha und die Band „Groove Gipfel“ aus Münster auf, es gibt eine Feuer-Show und Udo Neikes präsentiert seine Skulpturen.

Neikes erzählt am Rande des Geschehens, dass er Künstler mag, die experimentell arbeiten. Deren Werke zum Nachdenken anregen. Solche Künstler sind Stephan Reimer und Thomas Lepki aus Spenge, einer Kleinstadt im Kreis Herford.

Für den „Qube“ klebten die Künstler rund 10 .000 Klopapier-Rollen zusammen.

Reimer und Lepki stehen an einem beleuchteten Würfel, etwa zwei Meter hoch, mit vier verschieden gestalteten Seiten. Die Wirkung des Werkes namens „Qube“ lässt sich schwer in Worte fassen – im Gegensatz zu dessen Intention. „Es geht um das Verhältnis zwischen Mensch und digitaler Technik“, erläutert Reimer. „Wir haben den Eindruck, dass sich der Takt, nach dem Menschen leben, verändert“, sagt er. Die Technik habe viel Potenzial – keine Frage. Aber man brauche einen viel bewussteren Umgang damit. „Muss alles so schnell sein? Überall und immer?“, gibt Reimer zu Bedenken.

Für den „Qube“ klebten die Künstler rund 10 .000 Klopapier-Rollen zusammen. Außerdem verwendeten sie eine Disco-Kugel, Lampen, Pappmaché, Holz und Rettungsdecken-Folie. Letztere sorgt für faszinierende Lichteffekte. Etwa zwei Monate haben sie für die Zusammenstellung benötigt, erinnert sich Thomas Lepki.

Lepki kennt Udo Neikes gut, die beiden Männer musizieren gemeinsam. Der Inhaber der Tannenschmiede spielt eigenen Angaben zufolge 30 Instrumente. Seine Kompositionen erklingen im Skulpturenwald immer wieder. Die Tanztheater-Gruppe „Kadisha“ unter der Leitung von Britta Brinkmann nimmt die Musik als Grundlage für einen Tanz. Mit Masken im Gesicht und weißen Tüchern in den Händen, die durch die bunten Strahler die verschiedensten Farben annehmen, ziehen sie die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf sich.

Brennende Seile und Fackeln

Die Feuershow war für viele Zuschauer

Ein weiterer Höhepunkt: Eine Feuershow mit brennenden Seilen und Fackeln. Mit dem Element hantieren Britta Brinkmann, ihr Sohn Lukas Brinkmann und dessen Frau Lea. Im Hintergrund der Darstellungen bilden die Skulpturen von Udo Neikes stets eine passende Kulisse. Viele von ihnen hat der Künstler aus Beton gefertigt. Besonders stolz ist er auf eine Figur, die er als „den Fragenden“ beschreibt. Einen festen Namen gibt er seinen Werken jedoch nicht – das überlässt er den Betrachtern.

Viele Menschen streifen durch den Garten, betrachten Skulpturen und Licht-Installationen. Zum Essen, Trinken und Reden treffen sie sich im Zentrum des Skulpturenwaldes. Dort gibt es Bänke, Live-Musik und Buden. Auch hier tauchen bunte Scheinwerfer das Geschehen in ein mystisches Licht. Dieser zentrale Treffpunkt mutet dadurch selbst ein bisschen wie ein lebendiges Kunstwerk an.

Bislang lockte die Nachtperformance einmal jährlich Besucher in den Skulpturenwald. Neikes und Brinkmann planen, die Veranstaltungen künftig enger zu takten. Drei bis vier Mal im Jahr sollen Künstlern die Möglichkeit bekommen, ihre Werke zu präsentieren. Das nächste Event, eine Musikveranstaltung, ist für Oktober anvisiert. Interessierte Künstler können sich über die Internetseite der Tannenschmiede an Udo Neikes und Britta Brinkmann wenden.

www.tannenschmiede.de

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