Feier ohne Gäste

20 Flüchtlinge beenden Sprachkurs mit Fest

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Diese Stemweder Flüchtlinge haben in den vergangenen acht Wochen fleißig gelernt und nun ihren ersten Sprachkursus beendet. Viele wollen mit einem Integrationskursus weitermachen und noch mehr lernen.

Wehdem - Mit einem festen Knoten hatten die Flüchtlinge die kurdische und deutsche Flagge verbunden, um so zu zeigen, wie dankbar sie über ihre neue Heimat sind. Ausgelassen tanzten die Männer und Frauen, die in Stemwede Zuflucht gefunden haben, am Freitag mit den Flaggen im Kreis und freuten sich über den Abschluss ihres ersten Sprachkurses.

Zu diesem Anlass hatten sie alle Stemweder in die ehemalige Hauptschule in Wehdem eingeladen. Doch nach zahlreichen Stunden, die die Flüchtlinge in der Küche der Sekundarschule verbracht und ein Büfett vorbereitet hatten, stellte sich Enttäuschung ein: Lediglich ein Gast hatte den Weg zum Schulzentrum gefunden – bei der Abschlussfeier blieben die 20 Kursteilnehmer sowie die Dozenten vom Profilingbüro Glaser aus Minden unter sich.

In den vergangenen zwei Monaten trafen sich die Flüchtlinge aus Syrien, Eritrea, Somalia und dem Irak in den Räumen der Volkshochschule und lernten die deutsche Sprache und wichtige Gesetze sowie die Grundlagen des Arbeitsmarktes kennen. „Der Unterricht dauerte an jedem Tag acht Stunden“, sagt Monia Jelassi über die Vollzeitbeschäftigung, der sich die Flüchtlinge im Alter von drei bis 45 Jahren gestellt haben. Für einige sei es überhaupt der erste Kontakt mit einer Schule gewesen, so die Dozentin, die arabisch, englisch und französisch spricht und ihren Schülern zum A1-Sprachniveau in deutsch verholfen hat. Davon zeugen entsprechende Urkunden, die zum Abschluss an die Flüchtlinge verteilt wurden.

Die Deutsch-Dozentin und Übersetzerin freut sich über den Fleiß ihrer Kursteilnehmer. Sie weiß, wie schwer es ist, die Sprache zu lernen. Monia Jelassi ist mit 19 Jahren aus Tunesien geflüchtet und lebt inzwischen seit 1980 in der Bundesrepublik, heute im Landkreis Nienburg. „Es gibt in vielen arabischen Ländern leider immer noch viele Barrieren“, bedauert sie, dass die Kursteilnehmer schon viele schlimme Erlebnisse hinter sich haben.

Da die Männer und Frauen in dem Seminar des Profilingbüros, das von der Bundesagentur für Arbeit gefördert wird, häufig erstmalig die neue Sprache lernen, sei dies besonders wichtig, unterstreicht Jelassi. „Die Teilnehmer freuen sich, sich endlich im Alltag mit den wichtigsten Worten verständigen zu können“, weiß die Dozentin. Mit ihrem neu erworbenen Wissen, hätten sie den Stemwedern gerne ihre Kultur näher gebracht – mit dem reichlich vorhandenen Essen boten die Flüchtlinge zudem Spezialitäten aus dem Orient.

Neben der Sprache lernten die Flüchtlinge in den vergangenen Wochen auch die Infrastruktur des ländlichen Raums kennen. „Am Anfang konnten die Teilnehmer den Schulbus nehmen“, sagt Jelassi. Aber mit den Sommerferien wurde der Weg zum Sprach- und Bewerbungsunterricht schwierig, denn neben Flüchtlingen aus Wehdem waren auch Teilnehmer aus Oppenwehe, Oppendorf und wenige aus Dielingen dabei. Der Taxibus sorgte schließlich dafür, dass die Teilnahme weiter möglich war. „Aber erstmal haben wir uns zwei Tage damit beschäftigt, wie das Fahrzeug bestellt werden muss“, so Jelassi.

Der abgeschlossene Kursus war ihr zufolge auf 20 Teilnehmer begrenzt. „Wir hatten aber mehr Anfragen und immer mal wieder Gastzuhörer“, berichtet sie. Jetzt wünscht sich die Dozentin einen weiteren Kursus in Dielingen. „Dort leben auch viele Flüchtlinge, die aufgrund der Entfernung nicht nach Wehdem kommen konnten“, sagt sie. Für die Flüchtlinge sei es nach wie vor schwierig, den begehrten Aufenthaltstatus zu bekommen. „Die Wartezeiten sind lang. Junge Leute, die arbeiten oder lernen wollen, können nichts machen“, kritisiert Jelassi. - abo

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