Werner Lohaus-Möhlfeld ist seit 60 Jahren Vorsitzender der Dümmerreisetaube Marl

Faszination für Brieftauben: Hobby erfordert Geduld

Werner Lohaus-Möhlfeld leitet seit 60 Jahren den Verein Dümmerreisetaube Marl.

Oppendorf / Marl - Von Anika Bokelmann. Zehn aktive Mitglieder hat der Verein Dümmerreisetaube Marl noch und die setzen sich mit Herzblut – und noch mehr Zeit – für ihr Hobby ein. Jetzt kamen die Vereinsmitglieder und deren Freunde im Gasthaus Cordes-Engelbrecht in Oppendorf zusammen und feierten das 60-jährige Bestehen des Vereins, an dessen Spitze von Beginn an Werner Lohaus-Möhlfeld steht.

„Das gibt es wohl sonst nicht“, sagt Lohaus-Möhlfed stolz über sein langjähriges ehrenamtliches Engagement. Als der heute 77-Jährige aus Marl (Landkreis Diepholz) im Jahr 1956 die Dümmerreisetaube gemeinsam mit Wilfried Schale, Walter Dufner, Erich Pieper, Lothar Finger, Fritz Sowade und Friedrich Möhlenpage ins Leben rief, musste er sich zunächst in die Arbeit eines solchen Vereins einfinden. „Ich wusste ja gar nicht, wie man so eine Gruppe leitet“, erinnert sich Lohaus-Möhlfeld nun im Gespräch mit unserer Zeitung an die Ursprünge des Vereins, die in der Gaststätte Lücke-meyer liegen. Am 1. März 1956 wurde die Dümmerreisetaube offiziell im Vereinsregister im Verband der Deutschen Brieftaubenzüchter in Essen aufgenommen.

Nach einigen Unklarheiten zu Beginn, hat sich Taubenfreund Lohaus-Möhlfeld dann eingearbeitet – nicht nur in die Zucht und Pflege seiner Reisetauben, die im Volksmund als Brieftauben bezeichnet werden, sondern auch in die Aufgaben des Vereinsvorsitzenden. So übernahm er später auch die Leitung der Reisevereinigung Dümmer See. Lückenlos sind die Protokolle aller Jahreshauptversammlungen noch vorhanden – anfangs in handschriftlicher Form, später dann mit der Schreibmaschine verfasst und heute im E-Mail-Schriftverkehr.

Auch die Ehrentafel mit den Vereinsmeistern wird seit 1983 regelmäßig fortgeschrieben, um die Erfolge der Tiere und somit auch deren Besitzer festzuhalten. In der Taubenhalle am Schützenhaus in Marl treffen sich die Mitglieder der Dümmerreisetaube regelmäßig zum Austausch und Einsetzen der Tauben. Dass es die Taubenhalle überhaupt gibt, ist Werner Lohaus-Möhlfeld zu verdanken: „Als stellvertretender Bürgermeister habe ich mich für den Bau eingesetzt und bis heute bin ich mit dem Verein Pächter“, unterstreicht Lohaus-Möhlfeld.

Zuvor war sogar eine Trennung in zwei Vereine nötig, um eine zweite Einsatzstelle genehmigt zu bekommen. Aus diesem Akt ging dann der Verein Luftbote in Lemförde hervor, der ebenfalls bis heute besteht.

Zu Beginn habe es noch viele Ausstellungen gegeben, sagt der Vereinsvorsitzende des Marler Vereins. Doch inzwischen seien die Auflagen immer weiter gestiegen und es sei nicht mehr so einfach, einen geeigneten Ausstellungsort zu finden. Daher beschränken sich die Aktivitäten des Vereins Dümmerreisetaube Marl auf die Flüge.

Was mit den sieben Gründungsmitgliedern, von denen lediglich noch zwei Männer leben, begann, wuchs mit den Jahren auf eine Gruppe mit bis zu 35 Mitglieder. Inzwischen sinkt die Zahl der Hobbyzüchter aber wieder – Lohaus-Möhlfeld spricht von Nachwuchssorgen. „Für die Tauben braucht es viel Zeit und Geduld. Das ganze Jahr über muss man die Tiere pflegen und füttern, die Schläge reinigen“, so der 77-Jährige. Dazu hätten die jungen Leute meistens keine Lust und auch mangelnder Platz für Taubenschläge sei ein Problem.

Doch damit bleibe ihnen auch die Faszination des Hobbys Brieftaubensport verwehrt. Nachdem die Tauben auf die Reise geschickt werden, warten die Besitzer gespannt auf Antworten. Diese kommen zum Teil aus Orten, die zwischen 200 und 1 000 Kilometer entfernt sind, erklärt Lohaus-Möhlfeld. Durch das angeborene und durch Training verbesserte Heimfindevermögen finden die Tauben schließlich in ihre Heimat zurück.

Allerdings komme es auch schonmal vor, dass ein Tier die weite Reise nicht schaffe, so Lohaus-Möhlfeld. Da die Züchter aber vor dem Start auf den Gesundheitszustand der Vögel achten, sei das eher eine Ausnahme. Da Tauben besonders sensibel auf äußere Einflüsse reagieren, sei es wichtig, das Vertrauen der Vögel zu gewinnen, beschreibt der Taubenfreund einen wichtigen Punkt seines Hobbys. Eine Katze oder ein Greifvögel könnten da für Unruhe sorgen – und schließlich den Züchter im Training zurückwerfen.

Für besonders weite Flüge gibt es Preise und ein Mal im Jahr beteiligen sich die Mitglieder der Dümmerreisetaube, die aus Lemförde, Marl, Dielingen und Haldem kommen, an einem großen Derby. „Das ist das Highlight des Jahres“, weiß der Vereinsvorsitzende und berichtet von den Grillabenden, die der jeweils Beste des Vereins ausrichtet. „Das stärkt die Kameradschaft und den Zusammenhalt“, so Lohaus-Möhlfeld.

Überhaupt ist für die Taubenzüchter die Geselligkeit wichtig und so kommen Taubenfreunde an den Wochenenden regelmäßig mit Mitgliedern benachbarter Vereine aus Lemförde, Diepholz und Damme zusammen.

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