Kai Abruszat ist seit einem Jahr Bürgermeister 

Beharrlichkeit und Humor helfen im Alltag

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Seit einem Jahr hat Kai Abruszat seinen Arbeitsplatz im Rathaus in Levern. Doch der Bürgermeister verschanzt sich nicht hinter seinem Schreibtisch, sondern sucht vor Ort das Gespräch mit den Bürgern und ist Ansprechpartner in vielen Fragen. 

Stemwede - Von Anika Bokelmann. „Es gibt große und kleine politische Herausforderungen. Aber am Ende erfordern alle die richtige Kommunikation“, sagt Kai Abruszat. So habe es keine große Umstellung für ihn bedeutet, dass er Bürgermeister der Gemeinde Stemwede wurde und dem Landtag in Düsseldorf den Rücken kehrte. Seit einem Jahr ist Abruszat nun Verwaltungschef der Flächengemeinde und blickt im Gespräch mit unserer Zeitung auf die vergangenen zwölf Monate zurück.

„Die Zeit ist wie im Flug vergangen, weil ich so viele neue Eindrücke gewonnen habe“, so Abruszat in seiner Bilanz. Ende Oktober vergangenen Jahres hat der 47-Jährige das Amt von seinem Vorgänger Gerd Rybak übernommen – und sich schnell mit der Gemeinde vertraut gemacht. „Meine kommunalpolitischen Erfahrungen haben mir sicher geholfen, mich so schnell zurecht zu finden.“ Zudem seien die Menschen in Stemwede sehr aufgeschlossen: „Ich hatte viele Begegnungen und für die Anliegen der Bürger immer ein offenes Ohr“, beschreibt Abruszat seinen Arbeitsstil, mit dem er bislang gut gefahren ist und den er daher auch in Zukunft beibehalten will.

„Die viele Präsenz macht meinen Job natürlich zu einem sehr zeitintensiven“, weiß Abruszat. Doch mit seiner offenen und direkten Art komme er bei den Bürgern gut an, meint Stemwedes Verwaltungschef, der weiß, dass er es nicht immer allen recht machen kann. „Den Respekt muss ich mir immer wieder neu erarbeiten. Eine gute Basis dafür sind Dialoge“, sagt Abruszat, dem es wichtig ist, hinter dem Schreibtisch hervorzukommen und in die Ortsteile zu gehen.

Das ist mit den Ortsteilgesprächen geschehen. „Auf kleinem Dienstweg können wir dort unbürokratisch über Probleme sprechen und Lösungen entwickeln“, fasst Abruszat seine Besuche in bislang zwölf Ortsteilen zusammen – in Twiehausen wird der Bürgermeister am 8. November das Gespräch suchen.

Stemwede sei in seiner Struktur – 13 Ortschaften ohne explizites Zentrum – einzigartig. „Wir haben sehr selbstbewusste Ortsteile“, sagt der Bürgermeister, der in seinem Art eine Klammerfunktion sieht. „Ich muss für alle Ortsteile sensibel sein und diese als Flächengemeinde zusammenhalten“, erläutert Abruszat. Als weitere Besonderheiten Stemwedes sieht er die Lage zu Niedersachsen, „vor dem wir uns sicher nicht verstecken brauchen“, ergänzt er mit Blick auf die wirtschaftliche Wertschöpfung in Stemwede.

Eine weitere Stärke der Gemeinde, die Abruszat vor Ort, aber auch von seinem Büro in Levern aus führt, besteht für den Verwaltungschef in dem „enormen sozialen Zusammenhalt“. So bezeichnet er das aktive Vereinsleben – von Sportvereinen über Schützen und Rassegeflügelzüchtern bis hin zum Sozialverband und mehr – als einzigartig. „Das macht den Charme Stemwedes aus“, so Abruszat nicht ohne Stolz.

Zudem habe er festgestellt, dass sich die Stemweder mit ihren Ortsteilen identifizieren und sich für ihre Heimat einsetzen. „Der Bürger hier ist sehr sensibel“, merkt Abruszat an und ist begeistert, dass man gegenseitig aufeinander Rücksicht nehme.

Doch es gibt Abruszat zufolge auch eine andere Seite der Medaille: „Es wird genau beobachtet, was in welchem Ortsteil passiert und ob nicht eine Gruppe bevorzugt wird“, so die Erfahrung des Bürgermeisters. „Die Bürger fühlen sich nunmal für ihren Ort verantwortlich. Nur so ist es möglich, dass hier auch so viel ohne behördliche Hilfe passiert“, so Kai Abruszat.

Ein Vorteil für ihn sei es, dass er als Portaner sach- und nicht ortsbezogen Entscheidungen treffe. „So lässt sich das vermeintliche Kirchturm-Denken umdrehen und ein gesamtgemeindlicher Ansatz finden“, erklärt Abruszat seine Arbeit.

Positive Beispiele der Gemeindeentwicklung

Die größte Herausforderung besteht ihm zufolge darin, Stemwede als Ganzes zu entwickeln. Als positive Beispiele in Sachen Gemeindeentwicklung sieht Abruszat den Brandschutzbedarfsplan, den Feuerwehr und Verwaltung im Schulterschluss verabschiedet haben. „Wenn in der Sondersitzung im November die Standortfrage für die Löschgruppe Haldem-Arrenkamp geklärt ist, dann ist die Planungsschwelle überschritten“, sagt Abruszat zum Fahrplan in Sachen Feuerwehrfusion und Neubau der Gerätehäuser.

Eine weitere wichtige Botschaft des Bürgermeisters: „Unsere Haushaltslage ist erstaunlich stabil. Das ist ein Ergebnis der Kreativität und des Engagements der heimischen Unternehmen“, lobt er die wirtschaftliche Wertschöpfung in Stemwede. Doch „die Luft nach oben“, so Abruszat, sei für die geplanten Investitionen dringend nötig. Allein für den Breitband-Ausbau seien bereits viele Mittel gebunden.

„Wir wollen uns nicht mit großen Projekten und Ideen überheben“, betont Abruszat. Vielmehr sei es wichtig, den Ist-Zustand der Infrastruktur der Flächengemeinde aufrechtzuerhalten und an einigen Stellen auszubauen. „Die Stemweder haben einen hohen Anspruch, was Straßenunterhaltung, Kindergärten und Co. angeht“, hat der Bürgermeister in seinem ersten Amtsjahr in der Flächengemeinde gelernt.

Nach zwölf Monaten im Amt ist Kai Abruszat noch motiviert. Dem 47-Jährigen macht die Arbeit Spaß. Doch was braucht ein Bürgermeister, um im Alltag bestehen zu können? „Man muss ein dickes Fell haben, auf Menschen zugehen können und beharrlich sein“, zählt Abruszat auf und ergänzt: „Eine Prise Humor kann aber auch auf keinen Fall schaden.“

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