Tierschutzverein wünscht sich mehr Anerkennung

Zeit, Platz und Liebe für vernachlässigte Hunde

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„Jenny“ wurde damals von ihrem Besitzer in Ungarn gequält und vergewaltigt. Es hat viele Jahre gedauert, bis die Hündin Menschen wieder vertrauen konnte. Sie steht nicht mehr zur Vermittlung.

Rahden/Wagenfeld - Von Katharina Schmidt. Winzige Jack-Russell-Welpen flitzen über den Rasen. Munter beschnuppern die schwarz-weiß gescheckten Tierbabys die Welt um sich herum. Sie sind noch keine zehn Wochen alt – doch sollten eigentlich längst tot sein. Der Tierschutzverein Rahden und Umgebung rettete sie vor dem Tod durch Vergasung auf Malta.

„Klara“ sollte eigentlich in Malta getötet werden. Dank des Tierschutzvereins Rahden und Umgebung ist sie nun wohlbehalten in Deutschland und hat fünf Welpen zur Welt gebracht. Wer einem der kleinen Tieren ein neues Zuhause geben will, kann sich beim Tierschutzverein melden.

Der Verein wurde im Jahr 2003 in Sielhorst gegründet. 2005 zog die erste Vorsitzende Heike Stüwe an die Mindener Straße 205 nach Wagenfeld-Ströhen – und mit ihr ein Tierheim für vernachlässigte, verletzte oder bedrohte Tiere wie die Jack-Russell-Welpen. Der Tierschutzverein nimmt laut Stüwe 50 bis 100 Hunde im Jahr auf und versucht, neue Besitzer für sie zu finden. Die meisten Tiere kommen aus Deutschland und werden von überforderten Haltern abgegeben oder ausgesetzt. Etwa 30 Prozent stammen aus Malta. Der Tierschutzverein arbeitet mit einem auf der Insel ansässigen Verein zusammen.

Derzeit zählt der Tierschutzverein Rahden und Umgebung 20 Mitglieder – und die kommen längst nicht nur aus dem Rahdener Umland. Vertreten sind Mindener, Bielefelder oder sogar Paderborner. Übrigens: Um Verwechslungen mit einem Tierschutzhof mit Sitz in Rahden auszuschließen, ist eine Umbenennung in Tierschutzverein Wagenfeld geplant.

„Jenny“ wurde damals von ihrem Besitzer in Ungarn gequält und vergewaltigt. Es hat viele Jahre gedauert, bis die Hündin Menschen wieder vertrauen konnte. Sie steht nicht mehr zur Vermittlung.

Die meiste Arbeit übernehmen Heike Stüwe und ihre Familie. Es gibt eigentlich immer was zu tun – Zwinger säubern, die Hunde beschäftigen, Vor- und Nachkontrollen bei neuen Besitzern durchführen oder das Vertrauen von Tieren gewinnen, die schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht haben. Für Letzteres bedarf es laut der ersten Vorsitzenden viel Liebe, Zuneigung und Streicheleinheiten. Einer der Hunde, die schlechte Erfahrung gemacht haben, ist „Jenny“. „Sie ist von ihrem damaligen Besitzer vergewaltigt worden“, erklärt Stüwe. Es habe fünf Jahre gedauert, das Vertrauen der Hündin, ein Mix aus Labrador und Golden Retriever, zu gewinnen.

Der Verein vermittelt Hunde gegen eine Schutzgebühr – allerdings nicht an jeden. „Wir sind da richtig pingelig“, so Stüwe. Für Hunde bräuchten Halter ihr zufolge Zeit, Platz und Liebe. Wer acht bis zwölf Stunden am Tag arbeite, bekomme keinen Hund von ihr, erklärt die Vorsitzende. „Da vegetieren die Tiere nur so vor sich hin“, verurteilt sie eine solche Art der Hundehaltung.

Ein Leben ohne Hunde ist für Heike Stüwe unvorstellbar – auch wenn sie schon oft gebissen wurde. „Wenn man den Job macht, muss man damit rechnen“, sagt sie und lacht. Blicke man hinter die Fassade, entdecke man oft Erklärungen für aggressives Verhalten bei Hunden.

Stüwe kommt ursprünglich aus Gladbeck und ist im Espelkamper Raum aufgewachsen. Ihren ersten Welpen hat die mittlerweile 50-Jährige mit vier Jahren erhalten. Derzeit hat sie privat zwei deutsche Doggen, eine Yorkshire-Hündin und einen Spitzwelpen.

„Spike“ ist seit acht Jahren beim Tierschutzverein. Seine Besitzer waren überfordert mit ihm. Heike Stüwe hofft nach wie vor, ein neues Zuhause für den sehr dominanten, aber liebenswürdigen Hund zu finden.

Ihr ist wichtig, dass ihre eigenen Tiere nicht anders behandelt werden als jene, die in dem Tierheim ein Zuhause auf Zeit haben. Alle dürfen sich frei in Haus und Garten bewegen und auch mal mit auf die Couch. Stüwes Tochter Ricarda (26) ist dadurch mit Hunden aufgewachsen. Auch sie engagiert sich im Verein. „Den Hunden hier, den könnte es gar nicht besser gehen“, ist sie überzeugt. „Ich möchte den Tieren helfen“, erklärt Heike Stüwe ihr ehrenamtliches Engagement. Sie ist mit viel Herz bei der Sache. „Manchmal mit zu viel Herz. Manchmal mit vielen Tränen“, erzählt sie. Oft falle der Abschied von Tieren schwer. Insbesondere dann, wenn Tiere sterben würden, zum Beispiel an Infektionen.

Um alle Tiere vor Krankheiten zu schützen, kommen Neuankömmlinge für vierzehn Tage zur Quarantäne in einen Zwinger. Dort werden sie beobachtet und kontrolliert, auch vom Tierarzt. „Wenn sie dann keimfrei sind, können sie im Rudel mit herumlaufen“, so Stüwe.

Kein Bewohner wird vergessen

Der Verein finanziert sich ausschließlich durch die Schutzgebühren und Spenden. Laut Sandra Roloff, ein aktives Mitglied des Tierschutzvereins, kommt dabei allerdings zu wenig zusammen. Es fehle an Geld- und Sachspenden. „Um jeden Sack Futter müssen wir betteln“, bedauert sie. Auch Heike Stüwe wünscht sich mehr Anerkennung. „Man fühlt sich nicht akzeptiert und respektiert“, erklärt sie und verweist unter anderem darauf, dass der Verein nicht als gemeinnützig anerkannt wurde. Außerdem seien ihre Hunde schon mal vergiftet worden, sagt sie.

Es sind schon viele Tiere beim Verein gekommen und gegangen. Vergessen wird aber keins: Die Wänden in Stüwes Haus zieren zahlreiche Fotos von Hunden. Eines von jedem, der einmal dort war. Wer sich bei dem Verein einbringen will, ist willkommen. Auch wer einem Tier ein neues Zuhause geben will, kann sich melden unter Telefon 05774/997365.

www.tierschutzverein-rahden.de

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