Besonderes Angebot: Kurse im Spinnen 

Wolle mit persönlicher Note

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Karin Kelting und ihr Mann Steffen halten in Rahden vier ostfriesische Milchschafe in ihrem Garten und verwerten deren Wolle. Die Tiere sind allesamt sehr zutraulich, sind zum Teil sogar mit der Flasche aufgezogen.

Rahden - Mit dem Winter, sinkenden Temperaturen und zunehmender Dunkelheit steigt die Nachfrage bei den Kursen von Karin Kelting. Denn Handarbeiten erfreuen sich gerade wieder großer Beliebtheit. Die Rahdenerin zeigt Interessierten sowohl die richtige Näh- als auch Spinntechnik. Und dabei weiß Kelting auch noch, von welchem Schaf die Wolle stammt, mit der sie gerade arbeitet.

Gemeinsam mit ihrem Mann Steffen Kelting hält sie vier ostfriesische Milchschafe in ihrem Garten – „Flocke“, „Floh“, „Helen“ und „Ruth“. Anfangs hat Karin Kelting Käse aus der Schafsmilch hergestellt, doch weil sie es am Ende nicht mehr übers Herz brachte, die Lämmer wegzugeben, fiel die Entscheidung auf die Wollverarbeitung. „So veredeln wir ein Abfallprodukt“, beschreibt Kelting ihre Leidenschaft.

Als die Familie, zu der auch die erwachsenen Kinder Hannah und Frederik gehören, vor elf Jahren nach Rahden zog, ging für Karin Kelting ein Traum in Erfüllung. „Ich wollte schon immer Schäferin werden“, sagt die studierte Agrarfachfrau und erinnert sich an ihr Praktikum in der Lüneburger Heide, bei dem sie viel über die Schafzucht gelernt hat. Daher weiß sie auch um die Vorteile des ostfriesischen Milchschafs, das sich Kelting zufolge auch gut in einer kleinen Gruppe halten lässt.

Scheren in Handarbeit

Doch die Schafhaltung nimmt noch die geringste Zeit der 54-Jährigen in Anspruch. Regelmäßig müssen die Schafe geschoren werden – das macht sie mit ihrem Mann in Handarbeit. „Es ist schön, den Tieren so nah zu sein“, schwärmt Kelting.

Anschließend muss die Wolle gewaschen werden. Danach übernimmt eine Kämmerei das sogenannte Kardieren. Dabei entsteht das Vlies, das bei Karin Kelting auf die Spinnräder kommt. Denn die passionierte Handarbeiterin gibt ihr Wissen gerne weiter und bietet Spinnkurse. 

„Jeder kennt zwar noch das Spinnen, aber die richtige Technik beherrscht kaum noch jemand“, bedauert Kelting. Dadurch könnte das „faszinierende alte Handwerk“, so Kelting, verloren gehen. In ihren Lehrgängen in dem großen Haus am Grenzweg in Rahden zeigt sie den Kursteilnehmern daher verschiedene Arbeitsweisen – von der Handspindel bis zu unterschiedlichen Arten von Spinnrädern.

„So lange ausprobiert, bis ich es richtig beherrschte.“

Sie selber hat sich das Spinnen autodidaktisch beigebracht, berichtet Kelting: „Ich habe es so lange ausprobiert, bis ich es richtig beherrschte.“ Zudem müsse jeder seine individuelle Technik entwickeln, um sich am Spinnrad wohlzufühlen. Besonders ergonomisch ist Kelting zufolge ein Spinnradtyp, der sich mit beiden Füßen bedienen lässt, um ohne Verspannungen die Fäden zu verzwirnen.

Auf den Spinnrädern entstehen bei der Rahdenerin in der Regel Wollknäuel von bis zu 100 Gramm. Erst nach dem Spinnen macht sich Karin Kelting ans Färben. „Andersherum würde es noch mehr Arbeit machen“, so die zweifache Mutter aus Erfahrung. Da Familie Kelting eine ökologische Lebenseinstellung verfolgt, ist es kaum verwunderlich, dass auch beim Färben ausschließlich natürliche Stoffe verwendet werden. Mit Dahlienblüten, Rotem Salbei, Färberknöterich und Goldrute aus dem eigenen Garten wird die weiße Wolle in farbige verwandelt.

Dazu müssen die Blumen zunächst aufgekocht und anschließend abgeseiht werden. Dann wird Wasser aufgefüllt, bevor es in die Vorbeize geht. Dabei wird die Farbe mit der Wolle auf 90 Grad Celsius erhitzt. Zum Abschluss wird das Garn nochmal mit Essig gespült. „Dadurch verschließen sich die Schuppen und die Farbe hält länger“, so Kelting.

„Mit den Händen zu wirken ist eine heilsame Quelle“, lobt Karin Kelting ihre Arbeit. An den Ruhestand sei daher noch lange nicht zu denken, unterstreicht die 54-Jährige und freut sich auf zahlreiche Kurse mit Erwachsenen und Kindern. „Ich versuche immer wieder, neue Interessen aufzuspüren und Entwicklungen mitzugehen“, erklärt Kelting, die festgestellt hat, dass „Kreativität gerade wieder in Mode ist“.

Nähere Infos zu dem Angebot finden Interessierte auf der Internetseite der Rahdenerin. 

abo

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