Arbeitskreis Asyl hilft Flüchtlingen bei schwieriger Integration in den Arbeitsmarkt

„Wir sind auf einem guten Weg“

Rahden - „Wir sind auf dem Weg, aber noch weit vom Ziel entfernt“, sagt Wolfgang Filbert vom Arbeitskreis Asyl/Integration des Rahdener Präventionsrates über die aktuelle Situation in der Auestadt. Nachdem im vergangenen Jahr die Unterbringung und Ausstattung mit dem Nötigsten im Fokus gestanden hatte, kümmern sich die Ehrenamtlichen inzwischen verstärkt darum, die Asylbewerber mit Bleibeperspektive in Ausbildung und Arbeit zu bringen.

75 der rund 350 Rahdener Asylbewerber hat der Arbeitskreis inzwischen beim Integration Point der Agentur für Arbeit vorgestellt. Dessen Ziel ist es, die Kenntnisse und Fähigkeiten von Asylbewerbern zu ermitteln und sie auf dieser Grundlage möglichst schnell in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zu integrieren. Der Besuch beim Integration Point sei für manch einen Flüchtling sehr frustrierend, weiß Filbert. Denn Beruf und Ausbildung in ihrem Heimatland werden in Deutschland häufig nicht anerkannt, weil sie den hiesigen Anforderungen nicht genügen. Etwa 80 Prozent der beim Ingetration Point vorgestellten Asylbewerber aus Rahden sind laut Filbert junge Männer. Die Rollenverteilung sei in deren Herkunftsländern – vorwiegend Syrien, Irak, Iran und Eritrea – sehr traditionell. Daher nähmen kaum Frauen an solchen Maßnahmen teil.

Nach der Ermittlung ihrer Fähigkeiten und Interessen werden die Flüchtlinge in Ausbildungsprogrammen beispielsweise durch das Förderzentrum für Flüchtlinge in Lübbecke in Service-, Handels- oder Handwerksberufen ausgebildet. Die Ausbildung erfolgt zweigeteilt. Einen halben Tag lang erhalten sie speziell auf das Vokabular des Ausbildungsberufs zugeschnittenen Deutschunterricht, der Rest des Tages ist der praktischen Ausbildung gewidmet. Am Ende erhalten die Asylbewerber eine Empfehlung, inwieweit sie für den Arbeitsmarkt geeignet sind. Nach ihrer Ausbildung werden die Flüchtlinge sechs Monate lang von einem Coach begleitet, der beispielsweise bei Bewerbungen Unterstützung leistet.

Filbert ist „ein bisschen stolz“, dass die Flüchtlinge aus Rahden mit 20 Personen die größte Gruppe im Förderzentrum für Flüchtlinge bilden, denn es ist auch ein Indiz dafür, wie engagiert sich die Ehrenamtlichen in Rahden um ihre ausländischen Mitbürger kümmern. Dabei geht es nicht nur darum, den Kontakt zum Integration Point herzustellen und dafür zu sorgen, dass die Asylbewerber nach Lübbecke kommen. „Man muss den Leuten erklären, dass die Handwerkerausbildung einen hohen Wert hat und eine gute Basis ist, um eine Familie zu ernähren“, so Filbert. Das sei nicht immer ganz einfach, weil in den Herkunftsländern quasi jeder als Handwerker gelte, der mal Fliesen verlegt habe.

Etwa 20 Flüchtlinge aus Rahden haben laut Filbert Interesse an einem Hochschulstudium. Auch hier kümmert sich der Präventionsrat um entsprechende Kontakte.

Neben der Integration in den Arbeitsmarkt spielt die Vermittlung der deutschen Sprache die wichtigste Rolle. Bei der Verfügbarkeit von Sprach- und Integrationskursen sieht Filbert im Vergleich zum vergangenen Jahr eine leichte Entspannung. „Es ist noch nicht ganz ausreichend, aber es ist besser geworden.“ Asylbewerber mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Bleiberecht haben eine gute Chance, in einen Kurs zu kommen, für alle anderen bietet der Präventionsrat etwa acht Kurse für je acht bis zehn Schüler an.

„Insgesamt sind wir auf einem guten Weg“, blickt Filbert zuversichtlich in die Zukunft. „Ganz wichtig ist die gute Zusammenarbeit mit dem Rathaus und den Fraktionen.“ Letztere seien unabhängig von jeder Parteipolitik sehr interessiert an der Arbeit des Präventionsrates und helfen, wo es geht.

Von Melanie Russ

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