Die Varlheiderin Angelika Sassenberg züchtet Podhalaner-Hunde und spricht über ihre Besonderheiten und deren Faszination

Weiße Bodyguards mit eigenem Kopf

Die fünfjährige Podhalaner-Hündin „Ludmila z poldery Holenderski“ ist der ganze Stolz von Angelika Sassenberg. - Foto: Bokelmann

Varlheide - Von Anika Bokelmann. Eigentlich sind Podhalaner – die korrekte Bezeichnung lautet Polski Owczarek Podhalanski – Hunde, die Fremden gegenüber zurückhaltend sind. Doch die fünfjährige „Lulu“ macht da des öfteren eine Ausnahme und begrüßt die Gäste von Angelika Sassenberg mit einem freundlichem Schwanzwedeln an der Haustür. Im Flur des großen Hauses in Varlheide sieht man anhand von Urkunden und Schleifen sofort die Erfolge, die sie mit ihren Hunden schon hatte – in der Küche stehen weitere Pokale. Denn die polnischen Herdenschutzhunde begleiten die 53-Jährige inzwischen schon seit 25 Jahren.

„Das erste Mal habe ich den Podhalaner in der Lübbecker Kulturhalle gesehen und war sofort fasziniert“, erinnert sich Sassenberg. 1991 bekam sie dann ihre erste Hündin und arbeitete sich in die Hundehaltung und später auch Zucht ein. Im Jahr 1995 fiel der erste Wurf „von der Varler Heide“, zeitweise wuchs das Rudel auf fünf Hunde an. Bis heute ist die kaufmännische Angestellte begeistert von den Podhalanern. Derzeit ist Sassenberg aber beruflich und als Hunderichterin stark eingespannt. Daher pausiert sie mit der zeitaufwendigen Zucht, im Augenblick lebt nur Hündin „Ludmila z poldery Holenderski“ bei dem Ehepaar in Varlheide.

Zu deren Haus gehört auch ein großer Garten. Doch laut der Hundebesitzerin geht der Podhalaner zwar gerne spazieren, „er braucht allerdings kein umfangreiches Bewegungsprogramm“. Dafür sei diese Rasse von ihrem Körperbau her nicht ausgelegt. „Hauptsache,Lulu' ist bei uns und bei allen Aktivitäten dabei“, erzählt die Varlheiderin über ihr Leben mit dem polnischen Herdenschutzhund, der auch schon mal auf stur schaltet. „Eine konsequente Erziehung ist wichtig“, betont Angelika Sassenberg und ergänzt: „Podhalaner sind nicht für jedermann geeignet.“

Mit Blick auf den Körperbau sind Podhalaner mit etwa einem Jahr ausgewachsen, „vom Kopf her dauert das, bis sie etwa drei Jahr sind“, weiß Angelika Sassenberg aus Erfahrung. Davon hat sie reichlich und hat auch schon an einem Ratgeber über polnische Hunderassen mitgewirkt. Die schneeweißen und rund 70 Zentimeter großen und 50 Kilogramm schweren Hunde sind „geborene Bodyguards“ schwärmt Sassenberg. Zu den weiteren Eigenschaften der polnischen Hunderasse zählen seine Geduld und Anhänglichkeit. „Seine eigene Familie geht dem Podhalaner über alles“, sagt die Züchterin und Mutter eines inzwischen erwachsenen Sohnes.

Ursprünglich wurde die mit dem Pyrenäenberghund verwandte Rasse von Schäfern zum Beschützen der Herden eingesetzt. Häufig werden Podhalaner mit dem ungarischen Kuvasz verglichen, doch Angelika Sassenberg findet: „Da liegen Welten dazwischen.“ Für ungarische und polnische Hunderassen hat Sassenberg einen besonderen Blick, da sie auf internationalen Ausstellungen des Verbands für das deutsche Hundewesen (VDH e.V) über insgesamt neun Rassen richten darf.

Zunächst haben ihr Ausstellungen einfach nur Spaß gemacht, „da man dort auch andere Hundefreunde, die sich mit dem ,weißen Virus’ infiziert haben, trifft“. Die 53-jährige Varlheiderin trat dann dem Allgemeinen Klub für polnische Hunderassen (APH e.V.) bei und ließ sich später zur Zuchtwartin ausbilden. In dieser Funktion berät sie Züchter von der Geburt bis zur Abgabe der Welpen – ein Prozess, der umfangreich protokolliert wird.

Später kam auch das Interesse als Richter tätig zu sein. Außer den Standards der jeweiligen Rassen umfasste die Ausbildung ein umfangreiches Wissen über Anatomie, Genetik und Verhaltenslehre. Im Jahr 2002 legte Sassenberg die Prüfung zum Spezialzuchtrichter für polnische Hunderasssen ab. Vor drei Jahren zusätzlich die Richterqualifikation für ungarische Hunderassen.

In Sachen Pflege erscheint dem Laien der große weiße Hirtenhund auf den ersten Blick sehr aufwändig, aber Angelika Sassenberg winkt ab: „Wenn sie nicht gerade im Schlamm war, dann reicht Bürsten vollkommen aus.“ Gerade im Frühjahr und Herbst zum Fellwechsel sei das wichtig, da dann enorme Mengen an Fell anfallen. Das lässt sich sogar weiterverarbeiten, sagt Sassenberg und zeigt ein Schultertuch sowie Socken aus Hundehaaren. Ansonsten spricht man bei der Hunderasse von „selbstreinigendem“ Fell.

Podhalaner werden in ihrer Heimat Polen nach wie vor als Arbeitshunde eingesetzt. Hierbei ist Leistung wichtiger als Aussehen. Aber auch bei Ausstellung legen die Richter neben einem ausgeglichenen Wesen Wert auf Natürlichkeit. „Unsere Podhalaner sind urtümlich und nicht so durchgestylt“, beschreibt Sassenberg ihre Lieblinge, und ihre Augen leuchten, wenn sie von ihren Hunden erzählt.

Infos zu den liebevollen und treuen Podhalaner und allgemein über polnische Hunderassen, finden Interessierte im Internet. Dort wird auch der Polski Owczarek Nizinny (kurz PON) vorgestellt, der mit seinem kompakten und zotteligen Aussehen dem Tibetterrier ähnlich sieht und mit einer Größe von circa 45 bis 50 Zentimeter deutlich kleiner als der Podhalaner ist.

www.pon-op.de

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