Museumshof Rahden

Weggeworfen wurde nichts

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Marianne Tappe (links) und Herta Redeker zeigten, wie früher aus Weißkohl Sauerkraut hergestellt wurden. Beim Drehen des alten Kohlhobels ist ganz schön viel Kraft gefragt.

Rahden - Wie durch Butter gleitet das Messer durch Lachs und Filet, auch die Schwarte ist kein Problem. Zum Zerteilen der Rippen liegt das Beil bereit. Gespannt schauen vor allem die jungen Besucher des Museumshofs zu, wie Dirk Schröder im Haupthaus ein Schwein in verbrauchsgerechte Stücke zerteilt und dabei genau erklärt, aus welchem Körperteil die verschiedenen Fleischarten stammen.

Vor allem die jungen Besucher des Aktionstages schauten Metzger Dirk Schröder gebannt beim Zerlegen eines Schweines zu.  

Das fachgerechte Zerlegen eines Schweins, so wie es noch Mitte des vergangenen Jahrhunderts vielerorts auf dem Land üblich war, steht beim letzten Aktionstag des Rahdener Museumshofs – und so auch gestern – traditionell im Mittelpunkt. Weggeworfen wurde damals nichts. Egal ob Ohren, Schwänzchen, Pfötchen oder Gehirn, alles fand Verwendung. Viele ältere Besucher kennen das noch aus ihrer eigenen Kindheit oder Jugend, die Jüngeren schauen bei dem Gedanken an in ihrer Suppe schwimmenden Öhrchen doch eher skeptisch drein.

Wie sehr sich die Zeiten – zumindest in Deutschland – geändert haben, zeigt auch der Umstand, dass das am Aktionstag verarbeitete Fleisch nicht mehr verzehrt werden darf. Vor einigen Jahren war das noch möglich, inzwischen aber sind die Hygienevorschriften so streng, dass das Fleisch nur noch zu Tierfutter verarbeitet werden darf. „Was für eine Verschwendung“, bedauerte manch ein älterer Besucher, der sich noch gut an Zeiten des Mangels erinnert.

Viele Besucher machten es sich darum mit frisch gebackenem Blechkuchen und Kaffee vom Förderverein des Museumshofs unter den Bäumen gemütlich.

„Gibt es noch Schnippelbohnen?“, war eine häufig gestellte Frage am Stand von Marianne Tappe und ihrer Gruppe Frauen, die seit Jahren am letzten Aktionstag zeigen, wie früher Bohnen und Weißkohl für den Winter konserviert wurden. Die Antwort lautete schon zwei Stunden nach Öffnung des Museumshofes „Nein“. Ein Grund für den reißenden Absatz könnte sein, dass sich herumgesprochen hatte, dass die Gruppe wohl zum letzten Mal am Aktionstag teilnahm. „Im letzten Jahr waren wir noch zu sechst, jetzt sind wir nur noch vier“, sagt Marianne Tappe. Das Alter mache sich bemerkbar, und die Arbeit wie etwa das Bedienen des historischen Krauthobels ist nicht gerade einfach. „Es ist schade, dass man keine jungen Leute findet, die weiter machen“, bedauert Tappe. Vielleicht zeige man im nächsten Jahr noch einmal die Sauerkrautherstellung, aber mit den Schnippelbohnen sei definitiv Schluss.

Erst so richtig los ging es dagegen in diesem Jahr beim Förderverein des Museumshofs. Nach der Gründung 2014 haben sich die Mechanismen inzwischen eingespielt. Auch die harten Fakten des derzeit 58 Mitglieder zählenden Vereins können sich sehen lassen. Rund 13 000 Euro habe man in den ersten zwei Jahren erwirtschaftet, berichtet Vorsitzender Wieland Staub. Das Geld fließt größtenteils an den Museumshof zurück. So wurde bereits etwa ein Viertel der Summe in neue Sitzbänke investiert, im nächsten Jahr sollen der museumspädagogische Raum neu möbliert und die Ausstellungspuppen im Lütken Hus restauriert werden. Letzteres ist laut Staub nicht ganz billig. Rund 1 500 Euro pro Stück müssten veranschlagt werden.

Langfristig hat der Förderverein die Anschaffung eines Audioguides ins Auge gefasst, um die Besucher, die keine Führung buchen und den Museumshof im eigenen Tempo entdecken möchten, umfassend zu informieren. „Das ist aber sehr preisintensiv. Da müssen wir noch ein bisschen warten“, so Staub, der insgesamt mit dem Jahr und den sieben Aktionstagen zufrieden ist. Schade sei nur, dass ausgerechnet das Wochenende der Jubiläumsfeier verregnet gewesen sei.

Zufrieden blickte am Nachmittag auch Museumshofleiterin Lena Meyer drein. „Es lief ein bisschen schleppend an. Viele wollten wohl erstmal abwarten, ob es regnet.“ Tat es nicht, und so füllte sich der Museumshof nach und nach mit Besuchern. 

mer

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