Altes Handwerk lockt am Kreismühlentag in den Mühlenkreis / Schattenplätze gefragt

Vielfältiges Angebot an kulturhistorischen Stätten

25 Jahre nach der Restauration der Hochzeitsmühle feierten die Akteure und Gäste dort die Eröffnung des Kreismühlentags: (v.l.) Bürgermeister Dr. Bert Honsel, Wilfried Buschmann, Landrat Dr. Ralf Niermann und Friedrich Rohlfing vom Vorstand des Kreismühlenvereins.

Rahden/Setmwede - Wo früher lebensnotwendige Arbeiten verrichtet wurden, treffen sich heute Heimatfreunde und Touristen, um die Kultur der Region aufrecht zu erhalten. Insgesamt 41 Mühlen hatten gestern anlässlich des Kreismühlentags geöffnet und gewährten Besuchern einen Einblick ins historische Handwerk. In Stemwede und Rahden lockten die Heimatvereine und Mühlengruppen mit verschiedenen Aktionen an die Denkmäler, deren Flügel auch in Aktion zu sehen waren.

Allerdings sorgte das hochsommerliche Wetter für weniger Besucher als erwartet. „Auf die Stammgäste können wir uns verlassen“, meinte Friedrich Schepsmeier vom Weher Heimatverein. Allerdings würden Fahrradausflügler bei dem Wetter keine weiten Touren unternehmen.

Insbesondere die Schattenplätze waren gestern heiß begehrt. So trugen die Verantwortlichen an der Tonnenheider Hochzeitsmühle am frühen Nachmittag Tische und Bänke in den Schatten. Landrat Dr. Ralf Niermann eröffnete in Tonnenheide den kreisweiten Aktionstag, der die Mühlen einmal im Jahr in den Mittelpunkt stellt.

„Unzählige ehrenamtliche Arbeitsstunden werden in unsere Mühlen investiert“, lobte Niermann und berichtete, dass der Mühlenverein des Kreises Minden-Lübbecke jüngst sein 1 000 Mitglied aufgenommen habe – „eine positive Entwicklung“. „Der Kreismühlentag bietet die Möglichkeit, die besondere Atmosphäre an den Mühlen zu erleben“, lud Niermann Besucher an der Tonnenheider Mühle zum Gang durch den Gallerieholländer ein.

Dort gab es gestern dreifachen Anlass zur Freude – abgesehen vom Kreismühlentag: die Mühle ist seit 25 Jahren restauriert, seit 20 Jahren kann kann man im zweiten Obergeschoss standesamtlich heiraten und die Freundschaft zu den Partnern aus Ungarn, die seit Freitag in Tonnenheide weilen, währt ebenfalls seit dem Jahr 1996.

Dass die Mühle überhaupt noch in Tonnenheide steht, ist dem Engagement der Heimatfreunde zu verdanken. „Denn erst in letzter Sekunde wurde die bereits verfallene Mühle Ende der 80er-Jahre ins Mühlenerhaltungsprogramm aufgenommen“, erinnerte Niermann. Mehr zur Geschichte erfuhren Interessierte im Inneren der Mühle, wo neben einem Film von Wilhelm Meier über die Restaurierungsarbeiten auch die Chronik des Denkmals gezeigt wurde. Die achteckige Turmgalerie-Windmühle hat schon viel mitgemacht, unter anderem den großen Sturm 1913, als die Flügel zerstört wurden. Im Jahr 2014 gab es erneut einen Flügelbruch, der die frisch renovierte Galerie in Mitleidenschaft zog.

„So haben wir jetzt eine neu sanierte Mühle“, bedankte sich Wilfried Buschmann als Vorsitzender des Tonnenheider Heimatvereins. Insbesondere die Namen Wilhelm Möhring und Wilhelm Krüger seien mit Tonnenheide verbunden, erinnerte er an den ehemaligen Ortsheimatpfleger und damaligen Heimatvereinsvorsitzenden. Seit 16 Jahren zählt zudem das Fachwerkhaus zum Ensemble, das die Mühle laut Ortsheimatpfleger Hermann Schmidt zu „einer Stätte der Begegnung macht“. „Ich wünsche mir, dass das in Zukunft so bleibt“, setzt Schmidt auf die ehrenamtliche Arbeit und übergab im Namen der Tonnenheider und Schmalger Dorfgemeinschaft eine neue Sitzbank.

Rahdens Bürgermeister Dr. Bert Honsel war ebenfalls voll des Lobes für die Akteure der Windmühle in Tonnenheide, „die in ihrer Schönheit und Pracht über die Stadtgrenzen hinaus strahlt und wichtig für den Tourismus ist“.

Insgesamt 1 026 Ehen wurden in den vergangenen 20 Jahren schon in Tonnenheide geschlossen, wusste die Tonnenheiderin Anja Korte als Standesbeamtin der Stadt Rahden beizutragen. Jährlich käme man auf rund 30 Eheschließungen. Korte selbst ist die Urenkelin von Friedrich Krämer, der die Mühle einst errichtet hatte.

Schon vor den Eröffnungsreden hatte das Programm in Tonnenheide eigentlich begonnen. Doch die Besucherzahl war ebenso übersichtlich wie die Stände des Flohmarkts – nur drei Anbieter wollten gutes Gebrauchtes zu Geld machen. In Tonnenheide gewährten zudem die Strickeschläger einen Einblick in ihr Handwerk und fertigten mit ihrem rund 100 Jahre alten Gerät Seile und Taue an.

Ähnliche Probleme was den Besucheransturm betrifft, hatten die anderen Mühlenvereine rund um Rahden und Stemwede. So flanierten zwar Besucher über die Anlage des Museumshofs in Rahden und suchten unter dem alten Baumbestand ein wenig Abkühlung, doch insgesamt waren die Akteure ein wenig enttäuscht. Der Kreismühlentag an der Kleinendorfer Burgruine stand unter dem Motto „Familienspaß für Groß und Klein“ und botinsbesondere für jüngere Besucher Aktionen wie Blaudruck, Reiten und eine Hüpfburg.

In Oppenwehe waren die Cocktails sehr gefragt, die sich die übersichtliche Besucherschar schmecken ließ. Damit flanierten sie über einen kleinen Flohmarkt, wo sie Bücher, Spielzeug oder auch Holzdeko erwerben konnten. Verleitet vom Spiel der Mühlenmusikanten, wagten am Nachmittag vereinzelte Paare einen Tanz. Das musikalische Programm in Wehe gestalteten die Musiker der Heimatkapelle aus Rahden. In Levern spielten Musiker aus Repe Folklore. - abo

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