Neue Wohnform für junge Pflegebedürftige 

Unterstützung für einen aktiven Alltag

Stefan Rose, Franziska Baber und Timo Schreiber (v.l.) fühlen sich schon wohl in der Wohngemeinschaft. Die Geschäftsleiter und die Assistentin der Bereichsleitung sehen sich selbst und später auch das Team als Gäste bei den Pflegebedürftigen. - Fotos: Bokelmann

Rahden - Von Anika Bokelmann. Wenn eine Krankheit oder ein Schicksalsschlag das Leben plötzlich von Grund auf verändert, dann ist das für die Betroffenen oft nicht einfach. Jetzt bekommen junge pflegebedürftige Erwachsene in Rahden die Möglichkeit, in einer Wohngemeinschaft weiterhin ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu führen.

Der Fachpflegedienst Bonitas eröffnet die Wohngemeinschaft in der oberen Etage des ehemaligen Bettenhauses am Krankenhaus in Rahden. Dort ist Platz für elf Bewohner, die ein Einzelzimmer beziehen können. Hinzu kommen eine gemütliche Wohnstube sowie ein Gemeinschaftsraum, ein therapeutisches Badezimmer und ein Hauswirtschaftsraum für Waschmaschinen. Die Einzelzimmer sind etwa 25 Quadratmeter groß und sollen von den Bewohnern nach eigenen Wünschen eingerichtet werden. Eigene Accessoires sind ausdrücklich erwünscht. Die Einrichtung bietet zudem einen freien W-Lan-Zugang für die Bewohner. Das gesamte Stockwerk ist behindertengerecht ausgestattet und mit einem Fahrstuhl zu erreichen.

Der Bedarf an einer solchen Wohnform ist laut den Pflegedienstleitern Stefan Rose und Timo Schreiber vorhanden. „Junge Erwachsene, die pflegebedürftig sind, sind im Altenheim in der Regel nicht richtig aufgehoben“, betont Schreiber. Daher freut er sich, eine Wohngemeinschaft mit ambulanter Eingliederungshilfe (individuelle Schwerstbehindertenbetreuung) anbieten zu können.

Mit dem Konzept richten sich die Verantwortlichen an eine Zielgruppe mit Erkrankungen, die eine Pflegebedürftigkeit im jungen Alter von 18 bis etwa 60 Jahren auslösen. Hierzu zählen beispielsweise neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Schlaganfall, onkologische Erkrankungen oder Unfallfolgen wie Querschnittslähmungen. „Aufgrund des medizinischen Fortschritts ist man heutzutage mit 60 Jahren ja noch nicht alt“, findet Stefan Rose.

Die Wohngemeinschaft biete auf der einen Seite mit Pflegefachkräften, die rund um die Uhr mit in der Wohnform verweilen, die nötige medizinische Unterstützung. Auf der anderen Seite könne jeder Bewohner selbst bestimmen, wie viel er alleine im Alltag bewältigen kann, führt Franziska Baber aus. Die Assistentin der Bereichsleitung bei Bonitas in Herford stellt zudem heraus, dass es darum geht, eine aktive Teilhabe am Leben zu ermöglichen. „Jung und individuell“ seien die Schlagworte, die diese Wohngemeinschaft beschreiben.

Die Besonderheit der neuen Wohngemeinschaft stellt Stefan Rose heraus: „Die Bewohner sind keine Patienten, sondern Mieter. Und das Personal ist als Gast mit im Haus.“ Daher gebe es auch keine vorgeschriebenen Besuchszeiten, jeder kann zu jeder Zeit seinen individuellen Aktivitäten nachgehen. „Unsere Mitarbeiter werden die Männer und Frauen bei ihren individuellen Aktivitäten unterstützen und fördern, damit sie weiterhin ihren Interessen und Wünschen nachgehen können“, sagt Baber.

Im Rahmen der jeweiligen Möglichkeiten der WG-Bewohner sollen sie von den Mitarbeitern im Alltag begleitet werden – von der Ausbildung und Arbeit zu Behindertensportgruppen bis hin zu Kino- und Cafébesuchen. Dabei richtet sich das Personal individuell nach dem Hilfebedarf. Die Kombination von Privat- und Gemeinschaftsleben ist nicht auf eine Zeit begrenzt. „Unsere Mieter sollen hier eine dauerhafte Wohnform finden. Wenn sie können und wollen, ist aber auch eine Rückkehr ins eigene Umfeld jederzeit möglich“, erklärt Rose.

„In der Wohngemeinschaft wird es einen guten Stellenschlüssel geben“, sagt der Pflegedienstleiter mit Blick auf die künftigen Mitarbeiter – von Betreuungs- und Hilfskräften bis zu Therapeuten für spezielle Anwendungen. Derzeit sind die beiden Pflegedienstleiter eigenen Angaben zufolge „selbst gespannt, was auf uns zukommt“. Eines ist Stefan Rose und Timo Schreiber aber schon jetzt bewusst: „Wir werden mit den elf Einzelzimmern nicht den kompletten Bedarf in der Region abdecken können.“

Die Wohngemeinschaft ist ab sofort bezugsfertig. Anfragen können den Pflegedienstleitungen zufolge bereits gestellt werden – sowohl von Seiten potentieller Bewohner als auch von Mitarbeitern. Am Mittwoch, 30. November, soll es zudem einen Tag der offenen Tür geben, damit Nachbarn, Interessierte, Ärzte und Pflegebedürftige mit ihren Verwandten sich selbst ein Bild von der Wohngemeinschaft machen können. In der Zeit von 10 bis 17 Uhr werden Franziska Baber, Stefan Rose, Timo Schreiber mit ihrem Team durch die Zimmer führen und Fragen beantworten.

Dafür stehen sie auch telefonisch unter 05771/9146767 zur Verfügung. „Wir beraten nicht nur Interessenten, sondern auch bei Fragen rund um die Finanzierung der Pflege und mehr“, ermutigt Stefan Rose, den Kontakt zu dem Fachpflegedienst zu suchen.

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