64-Jährige muss 200 Arbeitsstunden leisten

Störungen führen immer wieder zu Diebstählen

Rahden  /  espelkamp - Bereits 13 Einträge wies der Auszug aus dem Bundeszentralregister einer 64-Jährigen vor, als sie sich nun vor dem Rahdener Amtsgericht wegen eines weiteren Diebstahls verantworten musste. Immer wieder soll die Frau Diebstähle geringwertiger Gegenstände begangen haben – doch der Angeklagten zufolge nicht bewusst.

„Ich weiß nicht, wie das passiert ist“, erklärte die Rentnerin zu dem Diebstahl vom Sommer bei einem großen Supermarkt in Espelkamp. Ein Ladendetektiv hatte sie dort beim Verlassen des Geschäfts erwischt und ein Spiel für Kinder im Wert von knapp 20 Euro in ihrer Tasche gefunden. „Ich habe keine Geheimnisse“, machte die Espelkamperin Richterin Dr. Schürhoff deutlich. „Bitte glauben Sie mir, es wird nicht wieder passieren“, bat die Angeklagte die Staatsanwältin um eine letzte Chance.

Die Diebstahldelikte ziehen sich bei der Angeklagten wie ein roter Faden durch ihr Leben. Ihre Bewährungshelferin, die sie seit fünf Jahren aufgrund vorausgegangener Vorfälle begleitet, vermutet, dass es sich um dissoziative Störungen handelt. „Sie nimmt ihre Umgebung nicht richtig war“, schilderte die Bewährungshelferin vor Gericht. Den Grund für diese Störung sieht sie in der schweren Familiensituation – die beiden Ehemänner der Angeklagten sind bereits verstorben, die 64-Jährige ist gebürtige Russin – sowie in einer Krebserkrankung begründet. Während diese zu psychischen Problemen führten, kommen aufgrund der Geldstrafen noch finanzielle Nöte hinzu, so die Bewährungshelferin. Zwar seien die Bußgelder abbezahlt, wie die Angeklagte der Staatsanwältin beteuerte, allerdings habe sie sich das Geld dafür bei Bekannten geliehen. „Sie ist zuverlässig“, erklärte dazu die Bewährungshelferin.

Sie sprach zudem von einem „eingeschränkten Bekanntenkreis“ und wünschte sich, dass die 64-Jährige künftig aus ihrer Isolation herauskommt. Daher empfahl sie der Staatsanwaltschaft vor dem Plädoyer Arbeitsauflagen in einer gemeinnützigen Einrichtung.

Bis 2018 verbüßt die Rentnerin bereits eine Bewährungsstrafe aus einem anderen Diebstahl. „Sie schämt sich für ihre Taten“, meinte die Bewährungshelferin und sprach von „hohen moralischen Vorstellungen“ der Espelkamperin. Seit vier Jahren sei sie daher in Therapie.

Für die Staatsanwältin stand fest: „Es kann nicht immer so weiter gehen.“ Die Juristin führte der Angeklagten mehrfach vor Augen, wie dicht sie vor der Einweisung in ein Gefängnis stehe. „Bislang haben die Strafen Sie nicht langanhaltend von weiteren Diebstählen abgehalten“, kritisierte sie das Verhalten der Seniorin. „Ich drücke nochmal beide Augen zu“, entschied die Staatsanwältin am Ende und beantragte eine Strafaussetzung auf Bewährung sowie gemeinnützige Arbeit.

Richterin Schürhoff erlegte der Angeklagten dann insgesamt 200 Arbeitsstunden binnen zwei Jahre auf. „Irgendwann bricht Ihr Kartenhaus zusammen“, gab das Gericht der 64-Jährigen zum Schluss mit auf den Weg. - abo

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