Stolpersteine gegen das Vergessen

Spuren der Vergangenheit

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Einen der Stolpersteine, die an der Bahnhofstraße (Hausnummer 26) verlegt werden sollen, stellten die Mitglieder des Arbeitskreises „Jüdisches Leben in Rahden“ gestern mit dem Flyer zur Veranstaltung dar: (v.l.) Edith Stöver, Claus-Dieter Brüning, Sigrid Lindemann, Monika Büntemeyer, Heidi Heidemeier und Uta Hartmeier. Unterstützung für das Projekt erhielt der Arbeitskreis zudem von Ursula Ester-Hartke, Jürgen Heimsath und Werner Milstein. 

Rahden - „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“ lautet eine jüdische Weisheit. In Erinnerung an die ehemalige jüdische Gemeinde Rahdens, deren Anhänger während des Nationalsozialismus verfolgt wurden und Rahden freiwillig oder aber unter Zwang verließen, will Künstler Gunter Demnig nun weitere Stolpersteine vor drei Häusern verlegen.

Am Samstag, 19. November, kommt Demnig, um die von ihm angefertigten Steine mit den Daten jüdischer Familien ins Pflaster vor den Häusern an der Bahnhofstraße einzulassen. Mit diesen 15 Steinen wird den Menschen ein Denkmal gesetzt, die einst mitten in Rahden gewohnt haben und die aufgrund ihrer Religion von gut situierten Personen zu Verfolgten wurden. Die Stolpersteine werden an dem letzten freiwillig gewählten Wohnort der verfolgten Bürger verlegt, wo schließlich das schreckliche Schicksal für die Familien begann.

Initiiert wurde die Aktion, bei der im vergangenen Jahr bereits 16 Steine an verschiedenen Stellen in der Innenstadt verlegt wurden, vom Arbeitskreis „Jüdische Leben in Rahden“. Claus-Dieter Brüning als Vorsitzender dieses Arbeitskreises berichtet nun, dass die Verlegung für die Mitglieder mit „erheblichen Vorbereitungen“ verbunden war. Dabei seien sie auf viele Unterstützer angewiesen, sagt Brüning und hat dabei auch die Stadt Rahden im Sinn, die das Stadtarchiv im Bahnhof für die Vorbereitungen öffnet und auch die Gedenkveranstaltung mit vorbereitet. Für die Spenden, unter anderem von der Stadtsparkasse Rahden und diversen privaten Personen, sind die Akteure dankbar, da jeder Stein 120 Euro kostet.

„Es wird eine besondere Familienzusammenführung“

Viele Monate haben die Ehrenamtlichen recherchiert. „Es ist bemerkenswert, dass sich auch nach so vielen Jahren noch Spuren finden lassen“, meint Uta Hartmeier vom Arbeitskreis. Diese Zeichen der Vergangenheit gelte es für die Nachfahren lebendig zu halten, sind sich die Hobbyforscher einig. Umso mehr bedauern sie, dass zur Familie Horwitz keine Unterlagen mehr ausfindig zu machen seien.

Zu den Angehörigen der anderen Familien haben die Rahdener schließlich Kontakt aufgenommen. Immerhin ist für die Verlegung das Einverständnis der Hauseigentümer sowie der Familien nötig, sagt Brüning. Zur Stolpersteinverlegung im November kommen neben Vertretern aus Politik und Verwaltung sowie Giora Zwilling als Vorsitzendem der jüdischen Kultusgemeinde Minden Angehörige der Familien Weidenbaum und Heine.

„Es wird eine besondere Familienzusammenführung“, freut sich Monika Büntemeyer als Mitglied des Arbeitskreises. Denn Cousins und Cousinen aus der Enkelgenartion der emigrierten Rahdener werden sich erstmalig persönlich begegnen. Neben dem 83-jährigen Peter Weidenbaum und seinen drei Söhnen aus England kommt auch Ellen Hines aus San Francisco sowie ein Enkelsohn der Familie Haas.

Programmpunkte der Schüler des Rahdener Gymnasiums 

Zu Beginn der Veranstaltung am 19. November, ab 13 Uhr, werden Schüler des Rahdener Gymnasiums einen Programmpunkt im Bahnhof der Stadt beisteuern. Dem werden sich Ansprachen anschließen, bevor die Gäste gegen 14 Uhr Künstler Gunter Demnig bei der Verlegung der Steine über die Schulter schauen. Anschließend laden die Mitglieder des Arbeitskreises „Jüdisches Leben“ zu einer Kaffeetafel in den Bahnhof ein. Dort soll es auch eine Ausstellung mit Informationen zu den jüdischen Familien Rahdens geben.

Die Mitglieder des Arbeitskreises „Jüdisches Leben in Rahden“ laden alle Interessierten zur weitern Mithilfe am Projekt ein – mithilfe von Spenden, Recherchen oder Informationen. Wer eine Patenschaft für einen Stolperstein übernehmen möchte, kann das Geld an folgende Bankverbindung überweisen: Stadtsparkasse Rahden; IBAN: DE02490510650000 000026; BIC: WELADED1RHD unter dem Verwendungszweck „Stolperstein“. 

abo

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