Maschweg-Flüchtlinge laden zum Kennenlernen ein

Rahdener Nachbarschaft feiert multikulturelles Fest

Die Flüchtlinge aus dem Maschweg in Rahden hatten zum Nachbarschaftsfest eingeladen und nutzten die Gelegenheit, um ihre Situation zu erklären und sich von den Attentaten der vergangenen Wochen zu distanzieren. Bokelmann

Rahden - Von Anika Bokelmann. Mit offenen Armen empfingen die Bewohner des Hauses am Maschweg 13 und 13a am Sonntag ihre Besucher. Die insgesamt 17 Flüchtlinge, die dort zur Zeit wohnen, hatten zu einem Nachbarschaftsfest eingeladen. Einerseits wollten sich die Männer und Frauen vorstellen, andererseits aber auch ihrerseits die neuen Nachbarn kennenlernen. Bei südländischen Spezialitäten und orientalischer Musik war das Eis schnell gebrochen und der Nachmittag wurde zum Fest der Kulturen.

Kurzfristig hatte ein Nachbar seinen großen Carport zur Verfügung gestellt – so konnte der Regen dem Treffen, das vom Verein „Rahden hilft“ unterstützt wurde, nichts anhaben. Fein herausgeputzt begrüßten die jungen Männer die Gäste am Nachmittag und boten Getränke an. Die Gastfreundschaft war in Rahden greifbar, denn alle Anwesenden wurden in das Treffen eingebunden.

Innerhalb von einer Woche hatten die Verantwortlichen dieses auf die Beine gestellt. „Die Flüchtlinge sind mit dem Wunsch zum gegenseitigen Kennenlernen mit den Nachbarn an mich herangetreten“, berichtet Bernd Rieke. Er freut sich über diese Initiative, von der er eigenen Angaben zufolge aus anderen Kommunen bislang so noch nichts gehört habe, sagt der Rahdener. „Wir müssen die 350 derzeit in Rahden lebenden Flüchtlinge in unserer Gesellschaft mitnehmen“, findet Rieke. Daher gebe es im neu gegründeten Verein „Rahden hilft“ noch zahlreiche weitere Ideen, die in den kommenden Monaten umgesetzt werden sollen.

Neues Leben in Sicherheit

Nach den ersten Gesprächen stellten sich die Flüchtlinge dann in einer kleinen Rede vor und bedankten sich für die Möglichkeit, das Fest ausrichten zu dürfen. Auf deutsch und arabisch erklärten sie: „Wir distanzieren uns von den Attentaten der vergangenen Wochen in Deutschland. Wir sind geflohen für ein neues Leben in Sicherheit und Frieden“, machten die Rahdener Flüchtlinge deutlich. Daher baten sie um die Chance, Barrieren abzubauen und stellten ganz deutlich heraus: „Wir sind keine Terroristen.“

Zu dem multikulturellen Austausch gehörte auch ein reichhaltiges Büfett, das in insgesamt drei Rahdener Küchen kreiert worden war. „Bei den Vorbereitungen ist uns nochmals klar geworden, dass viele Dinge des Alltags wie Kochtöpfe in den Unterkünften fehlen“, sagte „Rahden hilft“-Vorsitzende Anja Rieke-Barsch in einer kurzen Ansprache. So sei der Verein immer froh über Sachspenden, machte sie deutlich und verriet, dass demnächst eine Anlaufstelle für Spenden eingerichtet werden soll.

Ein reichhaltiges Büfett gewährte den Gästen einen Einblick in die Küche des Libanon, des Iraks und Syriens.

Doch auch improvisiert und dank der Hilfe vieler Rahdener Bürger, war für das Fest am Sonntag ein schmackhaftes Essen entstanden, für das die in Rahden gestrandeten Männer und Frauen mehrere Stunden am Herd gestanden, geschnippelt, gerührt und gebacken hatten. Mit Leckereien aus Syrien, dem Libanon und dem Irak betraten die Nachbarn aus dem Maschweg neues kulinarisches Terrain. „Eigentlich sind uns die Zutaten alle bekannt. Aber wir benutzen sie in einer anderen Kombination“, meinte Bernd Rieke, als den Besuchern der wohlriechende Duft von Kartoffelgratin, Couscousauflauf und „Kubba“, einer irakischen Spezialität in Form von gebackenen Hack-Reis-Bällchen, in die Nase stieg.

Nach einem deftigen Grillen wurde die Musikanlage aufgedreht und die Flüchtlinge präsentierten ihren neuen Nachbarn im Maschweg ihre Tanzkultur. Doch auch umgekehrt sorgte der Nachmittag für viel Abwechslung und Freude, denn bei „Macarena“ kam bei allen Party-Stimmung auf, nachdem bereits zuvor ein Kreistanz für reichlich Bewegung gesorgt hatte.

Am Ende des Nachbarschaftsfestes waren nicht nur neue Freundschaften geknüpft worden, sondern auch schon erste Ideen für die weitere Förderung der Geselligkeit entstanden. So könnte künftig der Kulturaustausch über das Kochen stattfinden, waren sich Gastgeber und Besucher einig.

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