Geocaching verbindet verschiedene Bereiche und eröffnet neuen Blick auf Umgebung

Rätsel, Sport und Natur

Dorothee Brandt weiß genau, wo sich die rund 30 Geocaches im Rahdener Raum befinden. Mitten in der Innenstadt gibt es einen Rätsel-Cache, der die Anhänger des Hobbys fordert. - Fotos: Bokelmann

Rahden - Von Anika Bokelmann. Durch die Natur laufen, Hinweisen folgen, Rätsel lösen, die am Ende zum Ziel führen – hört sich erstmal nach einer Schnitzeljagd bei einem Kindergeburtstag oder auch Pokémon-Go an.

Doch wer genau hinsieht, entdeckt ein kleines GPS-fähiges Gerät, in diesem Fall ein Smartphone, das Dorothee Brandt auf die richtige Spur und des Rätsels Lösung bringt. Die Rahdenerin ist begeisterte Geocacherin und entdeckt dadurch ihre Umgebung völlig neu.

„Vor fünf Jahren habe ich meinen ersten Cache am Denkmal auf dem Rathaus-Parkplatz gefunden“, erinnert sich Brandt. Damals hätten Freunde von der modernen Outdoor-Schatzsuche berichtet und Dorothee Brandt sowie ihren Mann Alexander in die Geheimnisse des Geocachens eingeweiht. Das Ziel liegt darin, an das Papier im Inneren des Caches zu kommen. Bis heute haben die beiden insgesamt 4.571 Caches entdeckt und inzwischen auch schon selber welche in ihrer Heimatstadt installiert.

Nicht immer ist ein Versteck so offensichtlich. Doch Dorothee Brandt möchte Anfängern den Einstieg erleichtern.

Dabei unterscheiden die Anhänger des mittlerweile weit verbreiteten Hobbys zwischen verschiedenen Formen von Verstecken, weiß die 38-Jährige. Am häufigsten kommen Traditional-Caches vor. Dabei handelt es sich um Koordinaten, an denen Sucher Dosen mit dem Logbuch finden. Darauf vermerken sie ihre Namen und geben im Internet bekannt, dass sie das Rätsel gelöst haben.

Bei anderen Stationen, den sogenannten Rätsel-Caches, muss erst eine Aufgabe gelöst werden, bevor die Koordinaten für das Versteck deutlich werden. Und dann gibt es Multi-Caches, führt Dorothee Brandt aus. „Das ist dann wie eine Schnitzeljagd an sich und verbindet mehrere Aufgaben miteinander“, so die Erzieherin, die auch schon einen Earth-Cache in ihrem Listing führt. Das sind geologisch wertvolle Orte, an denen die Finder zwar keine Dose vorfinden, aber Informationen über die Gegend erhalten. „Wir setzen uns intensiv mit der Umwelt auseinander“, betont Brandt.

Nicht immer ist ein Versteck so offensichtlich. Doch Dorothee Brandt möchte Anfängern den Einstieg erleichtern.

Jeder Cache hat ein Tagebuch im Internet, dem entnommen werden kann, wer diesen Ort besucht hat und wie dieser bewertet wird. Auch wenn einmal etwas nicht stimmt – beispielsweise die Liste voll ist oder das Versteck zerstört – wird das über diesen Weg weitergegeben. „Die Plattform ist für Geocacher von Geocachern“, sagt Brandt und erzählt von einem Trackable. Das ist ein Gegenstand, der von Cache zu Cache weitergereicht wird und dabei bestimmte Aufgaben erfüllt. So hat sie einen Schlüsselanhänger auf Reisen geschickt, der Fotos von glücklichen Tieren sammeln soll. Dieser befindet sich derzeit in den USA, weiß Brandt, nachdem sie eine Nachricht der Finder erhalten hat.

„Am Anfang sind wir in Rahden mit dem Rad herumgefahren, haben Verstecke angesteuert und Erfahrungen gesammelt“, sagt Brandt. Aber irgendwann waren die rund 30 heimischen Anlaufstellen im Rahdener Raum bekannt und die Suche ging weiter. Auch im Urlaub wirft das Paar immer wieder einen Blick auf die Smartphone-App, die ihnen Auskunft darüber gibt, wo weitere Geocaches in der Umgebung sind. „So lernt man das Urlaubsland von einer anderen Seite kennen“, berichtet die Rahdenerin, die gerade erst aus Island zurück ist und dort Naturphänomene gesehen hat, die nicht alle Touristen ansteuern – dank ihres Hobbys hat sie beispielsweise eine Höhle gesehen, die fernab der Touristenpfade liegt.

Für die Suche nach den geheimen Lagern – dafür steht das Wort Cache im ursprünglichen Sinn – ist keine große Vorkenntnis oder Ausrüstung nötig. Lediglich ein GPS-fähiges Gerät muss vorhanden sein. Dafür reicht eben auch ein Handy. „Die richtigen GPS-Geräte werden mit Batterien betrieben“, erklärt Brandt einen Unterschied, „das ist von Vorteil, wenn man eine längere Strecke vor sich hat“. Zudem seien Handys meistens ein wenig ungenauer, was die Standortbestimmung angehe.

Geocaching richtet sich an alle Altersgruppen, wobei es auch extra Caches für Kinder gibt, und kann allein oder in der Gruppe betrieben werden. Während manchmal Geschichten auf die Geocacher warten, erfahren die Finder an anderen Stellen mehr über den Hintergrund des Ortes, wie beispielsweise am Museumshof in Kleinendorf.

Mit einem GPS-fähigen Handy und Stift ausgestattet, kann die Outdoor-Schatzsuche losgehen. Ziel ist es, die Schriftrollen in den Behältern zu finden und seinen Namen darauf zu vermerken.

Während „Muggel“, wie Personen ohne Erfahrungen im Geocaching genannt werden, die Verstecke überhaupt nicht wahrnehmen und laut Brandt auch schonmal aus Versehen einen Cache zerstören oder in die Mülltonne werfen, „entwickelt man als Geocacher irgendwann ein Gespür für seine Umgebung“.

Bei den Verstecken sind der Kreativität übrigens keine Grenzen gesetzt. Von kleinen „Nano-Behältern“, über Filmdosen und selbstgebauten Kisten bis hin zu einem ganzen Hundezwinger, hat Brandt bereits einiges erlebt. Wichtig sei nur, dass die Behälter nicht vergraben sein dürfen, in Naturschutzgebieten direkt an erreichbaren Wegen angebracht werden und stets kostenlos erreichbar sein müssen.

Die 38-Jährige erkennt anhand ihrer App auch, wie der Besitzer des Verstecks dieses einschätzt – neben der Schwierigkeit, den Ort überhaupt zu finden, wird auch das Gelände bewertet. „Man weiß nie, was einen erwartet“, beschreibt Brandt die Faszination fürs Geocachen. Zudem sieht sie darin eine sportliche Herausforderung und einen Ausgleich zu ihrem Job. „Ich bin einen Trail gelaufen, den ich mir sonst niemals zugetraut hätte“, berichtet die Rahdenerin.

Was ist sonst noch wichtig, wenn man Geocachen möchte? „Ein bisschen verrückt muss man schon sein“, meint Dorothee Brandt und erzählt von einem Kletterkursus, den sie nur wegen ihres Hobbys absolviert hat. „Jetzt kann ich auch an Caches kommen, die in höheren Stationen liegen“, so Brandt. Denn manchmal würden Verstecke in Baumkronen oder auf Bergen sein. Da seien die Anhänger des Hobbys unabhängig: „Jeder sucht sich das Ziel heraus, das ihn interessiert“, sagt Brandt.

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