Trunkenheitsfahrt endet vor dem Amtsgericht

Polizeikontrolle als „heilsamer Schock“

Mit einer Trunkenheitsfahrt beschäftigte sich nun das Amtsgericht Rahden. - Symbolbild: dpa

Rahden - Warum er seinen Wagen nicht stehen gelassen hat, nachdem er bei einer Veranstaltung des Schützenvereins Bier und Schnaps getrunken hatte, weiß ein 51-jähriger Mann aus Rahden nicht mehr so genau.

Auch an die Fahrt über die Nuttelner Straße im April will er sich nicht mehr erinnern können – wohl aber an die Polizeikontrolle, in die er geriet. Dabei wurde ein Blutalkoholwert von 2,93 Promille festgestellt. Wegen des Vorwurfs Fahren unter Alkoholeinfluss musste sich der Mann jetzt vor dem Amtsgericht in Rahden verantworten.

Die Kontrolle sei ein „heilsamer Schock“ für den Facharbeiter gewesen, führte der Verteidiger des 51-Jährigen vor Gericht aus. Denn seit dem Vorfall trinke sein Mandant keinen Alkohol mehr und er habe einen Abstinenzvertrag mit einer Arztpraxis geschlossen. Anhand von unangekündigten Anrufen und stichprobenartigen Urinkontrollen werde er nun ein Jahr lang kontrolliert, erklärte der Angeklagte, der ein Alkoholproblem auf Nachfrage des Staatsanwalts abstritt.

Der ging von einer „erheblichen Gewöhnung an Alkohol“ aus, da der Angeklagte trotz des hohen Blutalkoholwerts von fast drei Promille noch gefahren war. Von der Feier habe er nicht den direkten Weg nach Hause genommen, sagte der Verteidiger. Auf der Nebenstraße war er dann einer Polizeistreife wegen seines äußerst vorsichtigen Fahrverhaltens aufgefallen, sagte ein als Zeuge geladener Polizeibeamter vor Gericht aus. „Wir haben einen Hinweis bekommen, dass wir dieses Auto kontrollieren sollen“, so der Polizist weiter. Insgesamt sei der Angeklagte sehr beherrscht, aber die Alkoholisierung sei dennoch auffällig gewesen.

Da es sonst keine Indizien für eine vorsätzliche Tat gebe, so die Staatsanwaltschaft im Plädoyer, handele es sich um einen Grenzfall – aufgrund des hohen Promillewerts gingen die Juristen von einer verminderten Schuldfähigkeit aus. Dennoch mahnte der Staatsanwalt: „Sie haben auch andere Verkehrsteilnehmer durch Ihr Verhalten gefährdet.“ Er schlug eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu jeweils 50 Euro sowie den weiteren Führerscheinentzug von sieben Monaten vor.

Ähnlicher Meinung war der Verteidiger des Facharbeiters – er sah eine Strafe von 1 350 Euro sowie eine sechsmonatige Sperre für den Führerschein der Tat und Schuld angemessen. Am Ende schloss sich Richter Schnasse dem Plädoyer des Staatsanwalts an und gab dem Angeklagten mit auf den Weg: „Beim nächsten Mal lassen Sie ihr Auto bitte stehen.“ - abo

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