Positive IHK-Umfrageergebnisse als Momentaufnahme 

Politikströmung macht Angst

Seit Jahren befindet sich die heimische Wirtschaft im Aufschwung. Darüber berichteten gestern (v.l.) Kai Büntemeyer, Karl-Ernst Hunting und Lorenz Lingemann bei Kolbus in Rahden. - Foto: abo

Rahden / Minden-Lübbecke - Seit Jahren ist von einer Wirtschaftskrise die Rede, doch die Wirtschaft im Kreis Minden-Lübbecke setzt ihren guten Konjunkturverlauf fort. Das geht aus den Ergebnissen der Herbstumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostwestfalen hervor, die gestern Kai Büntemeyer, Lorenz Lingemann und Karl-Ernst Hunting vorstellten.

Büntemeyer, IHK-Vollversammlungsmitglied und geschäftsführender Gesellschafter des Rahdener Unternehmens Kolbus, erinnerte aber auch an den erhobenen Zeigefinger: „Die Belastbarkeit der Wirtschaft ist begrenzt. Die Ergebnisse können umschlagen.“ Dennoch sei es erfreulich, dass sich „die Umfrageergebnisse seit sechseinhalb Jahren in einer Aufschwungphase befinden“, so Büntemeyer, der vom „Daueraufschwung“ sprach. Allgemein formulierte er: „Es brummt aktuell, aber mit nachlassender Dynamik.“

Während die Erwartungen zur künftigen Geschäftslage in allen Bereichen positiv angegeben werden, werden die Umsatzerwartungen negativer gesehen. Insbesondere bei Firmen, die von Auslandsumsätzen abhängig sind, falle die Ergebnisse pessimistischer aus, führte Büntemeyer aus. Gerade im Vergleich zur Frühjahrsumfrage haben die erwarteten Auslandsumsätze sehr deutlich nachgelassen.

Allgemein schätzen Industrie und Handel die Lage zudem positiver ein, als der Dienstleistungssektor. „Banken zählen dazu und bei dem Niedrigzinsniveau ist das wohl kaum verwunderlich“, erklärte Büntemeyer.

Auf der Risikofaktorliste stehen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen ganz oben. Dazu zählen laut Karl-Ernst Hunting Entscheidungen der Bundesregierung sowie Tarifabschlüsse, aber auch Entwicklungen im Ausland. Insbesondere Krisenherde in Syrien sowie in der Ukraine und Unsicherheiten in wichtigen Volkswirtschaften wie China und USA schlagen sich dem Mindener IHK-Zweigstellenleiter nach auf die Konjunktur nieder. Zur Brexit-Entscheidung erklärte Büntemeyer: „Es herrscht diffuse Angst. Wir haben bei Kolbus sofort einen Rückgang im England-Geschäft bemerkt.“ Aber nicht der Brexit allein, sondern „die politische Grundströmung“ mache ihm Angst, so Büntemeyer mit Blick auf die USA-Präsidentschaftswahlen, Freihandelsabkommen und regionalpolitischen Wahlergebnisse.

Ein weiterer Risikofaktor der Wirtschaft sind hohe Arbeitskosten, „die eng mit der Wirtschaftspolitik zusammenhängen“, so Hunting.

Aufgrund der vergleichsweise hohen Produktionsauslastung gaben Unternehmen an, künftig mehr Mitarbeiter einstellen zu wollen. Vornehmlich kann damit im Industriesektor gerechnet werden. Allerdings bestehe die Sorge, entsprechend qualifizierte Fachkräfe zu finden. „Der Fachkräftemangel ist unter anderem auch den komplexen Anforderungen geschuldet“, weiß Lorenz Lingemann aus Erfahrung – er ist geschäftsführender Gesellschafter des Stahlgroßhandels in Bad Oeynhausen.

Die hohe Anzahl der Flüchtlinge sieht Kai Büntemeyer in diesem Zusammenhang als „großes Potential“. Allerdings gehöre viel Arbeit dazu, weil die Sprachbarrieren enorm seien, so der Unternehmer. Daher kümmert sich die IHK mit der Agentur für Herford darum, dass Flüchtlinge gefördert werden. Allerdings hakt es Hunting zufolge an langen Asylverfahren und dem erhöhten Betreuungsbedarf der Flüchtlinge.

An der IHK-Umfrage hatten sich von Juli bis August 277 Unternehmen mit 22.000 Beschäftigten aller Branchen beteiligt. Die IHK verzeichnete dabei eine Rücklaufquote von 18,4 Prozent. 

abo

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