Stephan Graf v. Bothmer spielte eigene Kompositionen zu „Ben Hur“-Film von 1925

Mit Orgelmusik zum Film Gesamtkunstwerk geschaffen

Wird Judah den Reizen der unbekannten Schönen erliegen? Die Zuschauer in der Rahdener Kirche sehen Ramón Navarro als Judah Ben Hur in einer Szene mit einer frühzeitlichen „Mata Hari“, einer Spionin Messallas. - Fotos/Montage: Kapries

Rahden - Von Ralf Kapries. Das sicher ungewöhnlichste Orgelkonzert in der Reihe „Lübbecker Orgelsommer“ war am Wochenende in der St. Johannis-Kirche in Rahden zu hören: Stephan Graf v. Bothmer interpretierte an der Steinmann-Orgel den Niblo-Stummfilm „Ben Hur: A Tale of the Christ“ von 1925 mit selbst komponierter Live-Filmmusik.

Stephan Graf v. Bothmer interpretierte in der St. Johannis-Kirche in Rahden den Niblo-Stummfilm „Ben Hur: A Tale of the Christ“ von 1925 mit selbst komponierter Live-Filmmusik an der Steinmann-Orgel.

Stummfilm verbinden wir heute meist mit SchwarzWeiß-Film. Er war aber fast nie schwarz-weiß, wie die erstaunten Besucher der Johannis-Kirche aus dem Mund von Bothmers erfuhren. Vielmehr habe man, so weiß der Film-Fan, die einzelnen Sequenzen eingefärbt. Die Farbe sei mit der Alterung des Filmmaterials meist verloren gegangen. Auch bei der Aufführung der rekonstruierten Fassung in Rahden waren daher die Nachtszenen in blau, Tagsszenen gelb, Aufnahmen des nächtlichen Festes im Palast des Statthalters rot eingefärbt. Neu in der Niblo-Verfilmung des „Ben Hur“-Stoffes nach dem gleichnamigen Roman von Lewis Wallace war allerdings, dass einige Szenen, die dem Regisseur wichtig erschienen, in dem damals noch sehr teuren und aufwändigen Zwei-Farben-Technicolor, also auf „echtem“ Farbfilm aufgenommen sind. Interessant ist dabei seine Szenenauswahl.

Der Stummfilm war auch nie „stumm“. Sprache wird zwar durch Zwischentitel wiedergegeben, wofür Fred Niblo in seinem Monumentalwerk einen guten Rhythmus gefunden hat, doch dazu wurde musiziert. Bis auf Versuche, die Live-Musik für kleinere Kinos durch Schallplatten zu ersetzen, spielten in größeren ganze Orchester, eine Kino-Orgel, die häufig auch Zusatzgeräusche (Pistolenknallen, Glockengeläut, Sturm, Regen, Dampfpfeifen) erzeugen konnte, oder doch zumindest ein Mann am Klavier Musik, um live das filmische Geschehen musikalisch zu interpretierten. Dabei sei es, so erklärte es von Bothmer, durchaus erwünscht gewesen, dass der Film bei der Aufführung an unterschiedlichen Orten durch die verschiedenen Musiker auch immer wieder anders „vertont“ wurde.

Film in jedem Kino anders „vertont“

Die großen Kino-Orgeln sind aus der Mode gekommen. Es liegt also nahe, etwas ähnliches zu suchen, und da bieten sich Kirchenorgeln an, auch wenn sie – außer mit Zimbelstern und Vogelgezwitscher – meist nicht mit dem gleichen Schnickschnack ausgestattet sind wie ihre weltlichen Schwestern. Das fördert natürlich die Konzentration auf die musikalische Interpretation und das kommt auch der Komposition von Bothmers zugute, der mit äußerster Präzision und angemessener Emotionalität die Filmszenen rein mit Mitteln der Musik kommentierte und dadurch ihr Wirkung noch verstärkte.

Durch ein Zugproblem war der Musiker etwa eine halbe Stunde später als geplant erschienen, spielte dann aber nach einer kurzen Einführung bis nach 21 Uhr durchgehend. Zusätzlich zu dem 142 Minuten langen Monumentalschinken hatte er nämlich noch einen Vorfilm mitgebracht, um daran zu erinnern, dass Filme früher nicht allein, sondern im Rahmen einen Programms aus weiteren Filmen, Werbung, der Wochenschau und auch mit zusätzlichen musikalischen Darbietungen oder Lesungen verbunden, aufgeführt wurden. Er zeigte vorab „Der Zahnteufel“, einen witzigen, farbigen Zeichentrickfilm, in dem der mit einem Bohrer arbeitende böse Zahnteufel von einer freundlichen, Zahnpasta speienden Tube mit der Zahnbürste vertrieben wird – eine köstliche Unterhaltung.

Allein schon wegen der Dauer des Konzertes gebührte von Bothmer besonderer Applaus. Mehr noch aber begeisterte seine einfühlsame Interpretation, durch die er aus Film und Musik ein eindrucksvolles Gesamtkunstwerk schuf, das die Besucher mit großem Genuss aufnahmen.

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