Wehrführung geht mit „Rädelsführern“ hart ins Gericht

Negative Presse war wichtiger

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Rahdens Wehrführer Mark Ruhnau (rechts) und sein Stellvertreter Carsten Kunter mussten sich in den vergangenen Monaten viel Kritik von Teilen der Löschgruppe Varl gefallen lassen.  

Rahden - Von Melanie Russ. Sie wurden kritisiert, zum Teil beschimpft und als Lügner verunglimpft – und haben doch lange öffentlich geschwiegen. Nur auf Nachfrage der Presse äußerte sich die Rahdener Wehrführung zu der Auseinandersetzung um die Löschgruppe Varl und das an der Lemförder Straße in Kleinendorf geplante gemeinsame Feuerwehrgerätehaus mit der Löschgruppe Sielhorst und vermied dabei persönliche Angriffe. 

Am Dienstagabend im Feuerwehrausschuss nahmen Wehrführer Mark Ruhnau und seine Stellvertreter Carsten Kunter und Reiner Langhorst erstmals aus eigener Initiative Stellung zu den Geschehnissen in Varl und gingen mit den „Rädelsführern“ hart ins Gericht, ohne sie öffentlich beim Namen zu nennen.

Sorgsam abgewogen klangen die Worte, mit denen die Wehrführung die von den beiden Löschgruppen vor einigen Jahren selbst angestoßene Entscheidungsfindung in Sachen gemeinsames Gerätehaus nachzeichnete und über die gesetzlich geregelte Organisation einer Feuerwehr informierte. In dieser Hinsicht seien von den Kritikern des Kleinendorfer Standorts viele Halbwahrheiten verbreitet worden, die zur Verunsicherung der Varler Bürger geführt hätten, beklagte Ruhnau. Bei aller Sachlichkeit war ihm, Kunter und dem weniger in der Schusslinie stehenden Langhorst ihre große Verärgerung und Enttäuschung über den Umgang mit ihnen anzumerken.

Gesetzliche Grundlagen in Frage stellen

Bezug nehmend auf das Gesetz über den Brandschutz, die Hilfeleistung und den Katastrophenschutz (BHKG) stellt Langhorst zunächst klar, dass für die Organisation der Feuerwehr und die Einsetzung von Personen allein die Wehrführung zuständig ist. Einigen Beteiligten in Varl sei offenbar nicht klar, dass eine Feuerwehr kein Verein ist, in dem jeder mitentscheiden kann. Von Varler Politikern habe es nach der Entscheidung für den Kleinendorfer Standort geheißen, die Dorfgemeinschaft wolle das nicht, so Langhorst. Ihm scheint es, als wollten manche die gesetzliche Grundlage bewusst infrage stellen.

Der stellvertretende Wehrführer erinnerte an die Suche nach einem geeigneten Standort und dass im Brandschutzbedarfsplan der Stadt von Anfang an von den zwei Standorten an der Wagenfelder Straße zwischen Varl und Sielhorst und an der Lemförder Straße die Rede war. Ein Gutachter habe sogar festgestellt, dass die Gebietsabdeckung von der Lemförder Straße aus besser sei. „Daran wollten sich viele später nicht mehr erinnern“, so Langhorst. Trotzdem hatte man sich für den Wunschstandort Wagenfelder Straße entschieden, für den die Bezirksregierung aber kein Baurecht erteilte, weshalb der Rat dann doch für die Lemförder Straße votierte.

„Aussage ist haltlos“

„Auch die Aussage, es habe zu wenig Informationen gegeben, ist völlig haltlos“, stellte Langhorst klar. Nach der Vorstellung eines zweiten Gutachtens, wonach die Lemförder Straße als Standort geeignet ist, habe es in Varl zwar zweifelnde Blicke gegeben, es hätten aber keine schlüssigen feuerwehrtechnischen Gründe angeführt werden können, die gegen den Standort sprächen. Die Einwände nahmen laut Langhorst eher Bezug auf die Auswirkungen auf die dörfliche Gemeinschaft. Trotz aller Zweifel habe sich aber niemand schlecht informiert geführt. „Es fällt auf, dass aus Richtung Sielhorst nicht ein Mal mangelnde Information kritisiert wurde“, so Langhorst.

Eine mangelnde Kommunikation ist nach Einschätzung der Wehrführung eher den Kritikern aus Varl vorzuwerfen. So habe man Ruhnau nicht über die Unzufriedenheit mit dem erst wenige Monate zuvor mit großer Mehrheit unterstützten Löschgruppenführer Alexander Thie informiert, der dann auf Wunsch der Löschgruppe zurücktrat. Der von den Varlern gewünschte Nachfolger sei für die Position nicht geeignet gewesen, begründete Langhorst, warum Kunter vorübergehend eingesetzt wurde, um den stellvertretenden Löschgruppenführer Heinfried Hodde zu unterstützen. Letzterer kenne sich „in keinster Weise“ mit den Formalitäten und Verwaltungsaufgaben eines Löschgruppenführers aus.

„Wir schließen Rechtsmittel nicht mehr aus“

Das Gespräch mit der Wehrführung haben die Varler Kritiker laut Langhorst nie wirklich gewollt. Vielmehr sei sie kurzfristig zu einem Treffen in Varl zitiert und dann kritisiert worden, wenn sie aus privaten oder beruflichen Gründen nicht erschien. Statt ernsthaft das Gespräch zu suchen, hätten die Varler die Wehrführung öffentlich mit Halbwahrheiten angegriffen. „Es wurde mehr Wert auf negative Presse gelegt“, kritisierte Langhorst. Letzteres könnte für einige Varler noch unschöne Konsequenzen haben. „Wir schließen Rechtsmittel nicht mehr aus“, drohte der stellvertretende Wehrführer.

Unter anderem hatten einige Varler im August im Namen der gesamten Löschgruppe in einer öffentlichen Stellungnahme heftige Kritik an der Berufung Kunters zum vorübergehenden Löschgruppenführer geübt und die Wehrführung angegriffen. In Gesprächen mit den Varler Aktiven stellte sich laut Langhorst später heraus, dass kaum einer von der Stellungnahme gewusst und sie unterstützt hatte. Einige hätten sich ausdrücklich davon distanziert.

Den verbliebenen aktiven Kameraden in Varl sicherten Ruhnau, Kunter und Langhorst ausdrücklich die Unterstützung der gesamten Rahdener Wehr zu.

Sofortige Fusion

Die Löschgruppen Varl und Sielhorst, deren Fusion ohnehin spätestens mit Fertigstellung des gemeinsamen Feuerwehrgerätehauses geplant war, werden nun bereits zum 1. Dezember 2016 zusammengelegt. Das teilte Wehrführer Mark Ruhnau im Feuerwehrausschuss mit. Die Einsatzbereitschaft der Löschgruppe Varl sei nicht mehr gewährleistet, begründete Ruhnau die Entscheidung, die laut Wehrführer von den Kameraden in Sielhorst und Varl mitgetragen wird. Während einer Versammlung in Varl hätten sich die Wehrleute mehrheitlich dafür ausgesprochen, die Fusion schneller voranzutreiben. Zum Leiter der gemeinsamen Löschgruppe, die bis zum Umzug an die Lemförder Straße an ihren beiden Standorten in Varl und Sielhorst verbleiben wird, bestellte Ruhnau den bisherigen Sielhorster Löschgruppenführer Thorsten Hodde. Seine beiden Stellvertreter sind Heinfried Hodde und Heinz Sporleder. Alle Einsätze finden künftig gemeinsam statt. „Wir schaffen damit einen modernen, zukunftsfähigen Standort“, sagte Ruhnau. Die Löschgruppe Varl-Sielhorst könne sich der Unterstützung der gesamten Feuerwehr Rahden sicher sein.

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