Maler Heino Jacobsen verziert weitere Schaltkästen in Rahden

Kunstwerk erinnert an den „Alten Speicher“

Holt alte Stadtansichten zurück: Kunstmaler Heino Jacobsen setzt zu den letzten Pinselstrichen am „Alten Speicher“ an. Das Gebäude wurde 1953 bei der Verbreiterung und Begradigung der Langen Straße abgerissen. - Foto: Rohlfing

Rahden - Die fröhlich bunten historischen Stadtansichten auf verschiedenen Schaltkästen sind aus dem Rahdener Stadtbild inzwischen kaum noch wegzudenken. Mehr als 15 Motive an gut sechs Orten hat Kunstmaler Heino Jacobsen mit viel Präzision im vergangenen Jahr entstehen lassen.

Weitere sind 2016 hinzugekommen – zum Beispiel der Museumshof und in der Langen Straße der „Alte Speicher“. Das Fachwerkgebäude lässt sich vielleicht nicht für jedermann so einfach zuordnen wie manch anderes Motiv. Das Gebäude ist immerhin schon relativ lange verschwunden. Das 1671 errichtete Fachwerkgebäude stand auf der rechten Seite der Langen Straße vom Rathaus aus gesehen, sozusagen vis-á-vis Henke Natura.

„Wegen der Verbreiterung der Straße wurde der Speicher 1953 abgerissen“, weiß Stadtheimatpfleger Claus-Dieter Brüning. Seinerzeit verlief die Hauptverkehrsstraße noch mitten durch Rahden. Die Umgehungsstraße (B 239) wurde erst im Dezember 1969 für den Verkehr freigegeben. „Die Straße heute ginge fast mitten durch das Gebäude“, erläutert Brüning.

Macht die Lange Straße heute eine leichte Rechtskurve, bog sie früher fast rechtwinklig ab und führte nahezu direkt vor den Gebäuden auf der linken Seite vom Rathaus aus gesehen her.

Der alte Speicher gehörte, wie es heißt, zum gegenüber liegenden Lebensmittelgeschäft und Gasthaus Julius Koch, später Böversen. Das Haus, in dem sich heute die Textilreinigung Schiwek befindet, hatte nicht nur einen Zugang von der Langen Straße sondern auch direkt vom Kirchplatz. Die schöne, alte doppelflügelige Eingangstür ist noch erhalten.

Nichts zu tun hat der alte Speicher mit dem Salzlager, von dem im Zusammenhang mit den „Altstadt Stuben“ die Rede ist. „Die Scheune befand sich direkt hinter dem Gasthaus. Sie ist auch längst verschwunden“, erzählt Claus-Dieter Brüning. Das Gasthaus gilt als die älteste Schankwirtschaft Rahdens. In der ersten Hälfte 19. Jahrhunderts war dort zusätzlich ein Zollamt untergebracht. Nach Errichtung der Kontinentalsperre durch Napoleon 1806 wurde Rahden zum Grenzgebiet und der Schmuggel von billigem hannoverschen Salz sowie Gewürzen und Färbemitteln blühte.

Bäckerei Kröger ziert Rückseite

Um das zu unterbinden, wurde 1824 eine Zwangssalzabnahme für die Ämter Rahden und Dielingen eingeführt. Darum wurde das Wirtshaus auch „das Salzfass“ genannt.

Für die Rückseite des Schaltkastens an der Langen Straße haben Edith und Horst Freese, die Initiatoren der privaten und von vielen unterstützten Aktion, ebenfalls ein passendes Motiv gefunden. Es zeigt die alte Bäckerei Kröger, die nach dem Zweiten Weltkrieg von Bäckermeister Buschmann übernommen wurde.

Das ursprüngliche Fachwerkgebäude mit Ausspann verschwand ebenso wie das alte Schierbaumsche Gebäude im Zuge der Verbreiterung und der Begradigung der Straße. Inzwischen hat die Straßenseite erneut komplett das Gesicht gewechselt. Nach Bäckerei und Café kamen Jeans Center, Floristik und ein Optiker.

„Die alten Stadtansichten auf den Schaltkästen machen sich gut“, findet auch Claus-Dieter Brüning. „Ich nutze sie gerne bei meinen Stadtführungen“, erklärt der Stadtheimatpfleger.

Der „Alte Speicher“ soll nicht der letzte mit viel Liebe zum Detail gemalte Hingucker sein. Für den alten Wasserturm am Bahnhof werde er in jedem Fall noch einmal aus der Nordheide wieder nach Rahden kommen, versichert der Kunstmaler Heino Jacobsen. - SoR

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