Rahdener CDU-Fraktion nimmt in der Innenstadt Hürden für Rollstuhl und Rollator in Augenschein

Kleine Stufen können große Hindernisse sein

Diese Metallstangen sollen Radfahrer bremsen – bremsen aber auch Menschen mit Rollstuhl aus. Hindurchzufahren erfordert viel Geschick und einen Rollstuhl, der schmal genug ist. - Foto: Schmidt

Rahden - Über Kanten, Rillen oder Stufen gehen und sehen die meisten Menschen einfach hinweg. Doch wer auf einen Rollstuhl oder Rollator angewiesen ist, für den können selbst kleine Unebenheiten ein gefährliches Hindernis darstellen.

Mitglieder der CDU-Fraktion und Bürgermeister Dr. Bert Honsel sind deshalb am Freitag mit dem Ziel durch Rahden gegangen, solche schwierigen Passagen in Augenschein zu nehmen. Begleitet wurden sie dabei von Margarete Müller, Stefan Rehling, Hans-Jürgen Solms und Ulrich Korte. Alle vier sind körperlich eingeschränkt und wissen somit aus eigener Erfahrung, wo Hürden lauern.

Laut der CDU-Fraktionsvorsitzenden Bianca Winkelmann ist in Sachen Barrierefreiheit in Rahden in den vergangenen Jahren viel passiert – es gebe aber immer noch kritische Punkte. Einer davon ist laut Rehling die mangelhafte Ausweisung von Behinderten-Parktplätzen auf dem Ortgies-Parkplatz. Die Stellplätze seien zu schmal. Für Rollstuhlfahrer bestünde die Gefahr, zugeparkt zu werden. Passiere das, könnten sie unter Umständen nicht mehr in ihr Auto ein- oder aussteigen.

Eine weitere problematische Stelle ist gleich nebenan. Auf dem Parkplatz hinter der Sparkasse sind Erhöhungen im Boden eingepflastert, um Autos abzubremsen. Für Menschen mit einem etwas breiteren Rollstuhl ist jedoch links und rechts neben der Erhebung kaum Platz, um an dem Hindernis vorbeizufahren. Die Teilnehmer des Rundgangs waren sich einig, dass diese Hürde schon mit wenig Aufwand beseitigt werden könne.

Nicht an allen Stellen gelingt Verbesserung so einfach. Ein Beispiel ist ein Bordstein nahe dem Krankenhaus-Eingang. Für mehr Barrierefreiheit müsste er abgesenkt werden –- doch laut Honsel ist das aufgrund der örtlichen Begebenheiten nicht ohne Weiteres möglich. Es werde an einer Lösung gearbeitet, erklärte er. Eine weitere Bürgersteig-Absenkung wünscht sich Rehling auch zwischen dem Aldi- und dem Raiffeisenmarkt. Barrierefrei lässt sich die Straße nach Bauarbeiten ihm zufolge nur noch über einen Umweg überwinden.

Die Liste mit kritischen Punkten lässt sich fortführen: Breite Hecken, die Gehwege verengen; hohe Stufen, wo keine sein müssten; glatter Klinkerboden; Löcher im Pflaster; ein Container, der am Ende eines Zebrastreifens die Auffahrt auf den Gehweg verhindert; die Tür der Stadtbücherei, die sich nur einseitig und schwer öffnen lässt; Pfeiler auf dem Radweg, die nicht nur Radfahrer bremsen, sondern auch Gehbehinderte. Die Teilnehmer des Rundgangs waren sind sich einig, dass viele der Stellen auch für Mütter und Väter mit Kinderwagen oder Senioren Hindernisse darstellen können – vor allem im Dunkeln.

Ein weiteres Problem sieht Rehling im Bereich der Schulen. „Wir haben zwei Schulen mit Fahrstuhl“, erklärt er. Doch die Aufzüge seien nicht oder nur schwer benutzbar. Zum einen sei das Notsystem nicht ausreichend. Wer mit den Fahrstühlen fahren will, müsse zudem erst einen Mitarbeiter der Schule finden, der einen Schlüssel hat. Spontan in den zweiten Stock fahren, um zum Beispiel ein Plakat aufzuhängen – für jemanden, der keine Treppen steigen kann, nahezu unmöglich. 

Rehlings Vorschlag: In die Fahrstühle Schlösser einsetzen, in die der sogenannte Euro-Schlüssel passt. Dabei handelt es sich um einen Schlüssel, der europaweit in mehr als 12.000 Schlösser passt und zum Beispiel den Zugang zu öffentlichen Behinderten-Toiletten gewährt. Er wird vom Club Behinderter und ihrer Freunde in Darmstadt und Umgebung an Berechtigte ausgehändigt.

Die Ergebnisse des Rundgangs stellt die CDU in einer Liste für die Verwaltung. So könnten einzelne Hindernisse bei Gelegenheit beseitigt werden.

Zur Kenntnis genommen wurden bei dem Rundgang nicht nur negative Aspekte. Die Teilnehmer, die körperlich eingeschränkt sind, waren sich einig, dass die Situation in Rahden insgesamt recht gut sei. „Es bessert sich“, findet zum Beispiel Solms. Korte ist ähnlicher Meinung: „Es war schon mal schlimmer“. Müller lobte zum Beispiel die barrierefreie Umgestaltung des Glindower Platzes. „Der Platz ist klasse“, findet sie.

Nicht zuletzt sind es nicht nur bauliche Hürden, die Menschen mit Behinderung das Leben erschweren, sondern auch Barrieren in den Köpfen vieler Mitbürger. Solms erzählte zum Beispiel, dass Menschen ohne Behinderung ihr Auto öfters auf Behinderten-Parkplätzen abstellen würden –- ohne darüber nachzudenken, dass andere auf diese Stellplätze angewiesen sind. „Es kann mal passieren“; zeigte er Verständnis für versehentliches Falschparken. 

„Aber manche machen es dreist“, bedauert er. Auch berichteten Solms, Korte, Möller und Rehling, dass manche Menschen scheinbar glaubten, dass Menschen mit einer körperlichen Behinderung auch geistig behindert sein. Passend dazu verwies Müller auf einen Slogan der Förderorganisation Aktion Mensch: „Behindert ist man nicht, behindert wird man“.

ks

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