120 Gäste bei Kreisheimattag in Rahden

Heimat ist Herzenssache

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Bernd-Rüdiger Schwalm, Hans-Jürgen Amtage, Magdalene Kottenbrink, Thorsten Siemon und Horst Brönstrup (v.l.) diskutierten über die Zukunft von Heimatmuseen. 

Rahden - Von Mareile Mattlage. Heimat. Was ist das eigentlich? Für die meisten jungen Menschen klingt der Begriff altbacken und verstaubt. Man denkt an langweilige Heimatfilme und großelterlichen Wohnzimmer-Mief. Oder schlimmer noch: man assoziiert ihn mit dem Dritten Reich und lehnt ihn vollends ab. Das Thema wieder mit Identifikationspotenzial und positiven Emotionen aufzuladen, das ist die große Herausforderung, vor die sich Heimatmuseen dieser Tage gestellt sehen. Wie sich das erreichen lässt, darüber wurde beim sehr gut besuchten Kreisheimattag am Samstag in Rahden diskutiert.

Zu der Veranstaltung im Museumshof Rahden waren rund 120 Gäste gekommen – deutlich mehr, als Kreisheimatpfleger Friedrich Klanke aus Levern und sein Organisationsteam erwartet hatten. Zu den Teilnehmern gehörten auch Rahdens Bürgermeister Dr. Bert Honsel und Landrat Ralf Niermann, die den Beiträgen aufmerksam zuhörten und auch selbst ein paar Worte sprachen. Das Thema, so zeigte es sich deutlich, bewegt viele Gemüter.

Das Treffen lenkte den Blick auf die vielfältige Museumslandschaft im Mühlenkreis Minden-Lübbecke und diente als Plattform für einen Erfahrungsaustausch. Mit kreisweit rund 60 Einrichtungen bietet das Kreisgebiet eine große Museumsdichte, wobei zahlenmäßig die Heimatmuseen und Heimatstuben dominieren. Das wurde am Samstag mit einer Powerpoint-Präsentation veranschaulicht.

Dr. Silke Eilers fordert dazu auf, digitale Medien zu nutzen.

Das Hauptreferat hielt Dr. Silke Eilers vom Museumsamt für Westfalen des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL). „Wer will Heimatmuseen heute überhaupt noch?“ Mit dieser bewusst provokant gestellten Frage rief die wissenschaftliche Referentin die Einrichtungen zu ehrlicher Selbstreflexion und zur Findung neuer Ideen auf. Demografischer Wandel und Digitalisierung stellten zwar Herausforderungen dar, könnten aber auch als Chance begriffen werden. In Zeiten von Globalisierung und Flüchtlingskrise komme der eigenen Heimat eine immer größere Bedeutung zu, so Eilers. Zunehmend diene sie als Ruhepol und emotionaler Anker sowie zur Stiftung von Geborgenheit und Identität. Die Qualität eines Museums könne also nicht allein an Besucherzahlen gemessen werden. Vielmehr gelte es, Bezugspunkte zu finden. Die Leute wollen wissen und fühlen: „Was hat das mit mir zu tun?“, lautete Eilers Ansatz.

Diese Meinung teilten die Diskutanten der späteren Podiumsdiskussion mit der Referentin. Zu anderen angesprochenen Punkten gab es jedoch auch kritische Äußerungen. So hatte Eilers beispielsweise dazu aufgefordert, die digitalen Medien zu nutzen, Netzwerke und Synergieeffekte zu schaffen sowie vermehrt Aktionstage, museumspädagogische Konzepte und Mitmach-Möglichkeiten anzubieten.

Hierzu sagte Magdalene Kottenbrink, die von 1994 bis 2008 Leiterin des Museumshofes in Rahden war und sich dort bis heute ehrenamtlich engagiert: „Die Vorschläge sind schön und gut, aber erstmal brauchen wir Leute und Geld.“ Bernd-Rüdiger Schwalm, Leiter des Heimat- und Heringsfängermuseums in Petershagen-Heimsen, äußerte hierzu gar: „Hätte ich vor vier Jahren gewusst, welche Anforderungen heutzutage alle gestellt werden, wäre ich nicht Museumsleiter geworden.“

Ein weiterer Podiumsteilnehmer war Thorsten Siemon aus Hille. Beteiligt am Aufbau vom „Haus der Geschichte“ in Espelkamp, Sachgebietsleiter des Kulturamtes der Stadtverwaltung Espelkamp und im Ehrenamt Vorsitzender des Heimatvereines Hille-Rothenuffeln kennt er die Arbeit sowohl als Ehrenamtlicher als auch als Hauptamtlicher. Er bestätigte Kottenbrink in ihrer Einschätzung und bezog zum Thema Zukunft der Heimatmuseen eine klare Stellung: „Wenn wir es vernünftig machen wollen, können wir nicht ohne Hauptamtliche auskommen.“ Die Gewinnung von Nachwuchs sei natürlich enorm wichtig, doch Vorstände zu verjüngen brächte auch ein weiteres Problem, sprach Siemon aus eigener Erfahrung. Nämlich, dass unter der Woche wegen Berufstätigkeit keiner Zeit habe – beispielsweise um Führungen anzubieten.

Weitere Podiumsmitglieder waren Horst Brönstrup, zweiter Vorsitzender des Arbeitskreises für Heimatpflege der Stadt Bad Oeynhausen und dort Koordinator für die Betreuung des Bülow-Brunnens, sowie Journalist Hans-Jürgen Amtage, Vorsitzender des Fördervereins für die Domschatzkammer Minden und für den Dombauverein Minden. Als Verantwortliche ihrer jeweiligen Vereine und Gebiete berichteten die Diskutanten über ihre Arbeit. Dabei wurde spürbar: Heimat ist Herzenssache. Wer sich mit ihr identifiziert, der kommt kaum aus dem Erzählen von Geschichten heraus.

Diese Energien und Emotionen gilt es zu nutzen: Einen Museumsbesuch für alle Generationen lebendig zu gestalten, das funktioniert besonders über das Erzählen von Geschichten. Das musikalische Duo „Lotte und Spielmann“ alias Kerstin Speckmeier und Rüdiger Lusmöller vom Heimatverein Levern machte es vor. Als freches Räuberpaar präsentierte es „Schlager aus dem späten 19. Jahrhundert“ und brachte die Bedeutung der Heimatmuseen mit zwei Nebensätzen im Vorbeigehen auf den Punkt: „Uns hat es schon immer gegeben, aber wir werden nie erwähnt. Wir sind die Bevölkerung.“

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