Gesamtbild ist getrübt

LWL zeichnet Kirchplatz als Denkmal des Monats aus

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Der LWL hat den Rahdener Kirchplatz rund um die St. Johannis-Kirche als Denkmal des Monats auserkoren, um somit auf die nötigen Sanierungsarbeiten in der Rahdener Innenstadt aufmerksam zu machen. 

Rahden - Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat den Kirchplatz in Rahden als Denkmal des Monats ausgezeichnet. Die bereits im Jahr 1033 in einer Urkunde Kaiser Konrads II. erwähnte Stadt erhielt 1817 einen neuen gesellschaftlichen Mittelpunkt, als aus dem bisherigen Kirchhof mit Gräbern ein Kirchplatz wurde.

„Mit der Auszeichnung zum Denkmal des Monats wollen wir darauf hinweisen, dass einige Gebäude des Kirchringes in einem schlechten Zustand sind und dringend saniert werden müssen. Die Stadt Rahen bemüht sich vorbildlich, die geschlossene Kirchring-Bebauung zukunftsfähig zu machen und so zu erhalten“, lobt LWL-Denkmalpfleger Jürgen Reuter in einer Mitteilung. Die Verwaltung ist stolz auf die Auszeichnung, wie am Donnerstagabend in der Sitzung des Bauausschusses deutlich wurde. „Das hebt den besonderen Stellenwert des Kirchplatzes nochmal hervor“, erklärte Bürgermeister Dr. Bert Honsel. Zudem sicher der LWL damit auch weitere Unterstützung zu.

Zur Geschichte des Kirchplatzes heißt es: Mit dem Bau der „Alten Schule“ wurde der Kirchring 1834 baulich geschlossen. Nach einem Brand im Jahr 1907 wurde am Standort des ehemaligen Kaufladens Lindemann das Hotel Central errichtet, das sich als Jugendstilgebäude zum Kirchplatz und zur Gerichtsstraße hin öffnet.

1939 wurde die historische Kirchringbebauung auf der Südseite abgerissen. Weil die Gerichtsstraße ausgebaut wurde, konnte der Kirchring nicht geschlossen werden.

Leerstände trüben Gesamtbild erheblich

„Obwohl der Kirchplatz in der nachfolgenden Zeit seine Bedeutung als lebendige Mitte der Stadt Rahden verloren hat, formt die historische Bebauung im Norden und Westen nach wie vor das städtebauliche Erscheinungsbild des Kirchplatzes. Leerstände und damit einhergehende Mängel der Bausubstanz sowie fehlende Perspektiven für die Nutzung trüben dessen Gesamtbild jedoch erheblich“, so Reuter vom LWL.

Heute besteht die Bebauung westlich der St. Johanniskirche aus vier zweigeschossigen, zum Teil nachträglich verkleideten Fachwerkhäusern (Lange Straße 2 bis 8) mit Wohnungen im Obergeschoss und Geschäften im Erdgeschoss. Nördlich der Kirche befindet sich ein weiteres Fachwerkhaus (Kirchplatz 2), das seit rund 200 Jahren als Gaststätte genutzt wird. Die Fachwerkhäuser, die zwischen dem 17. und dem frühen 19. Jahrhundert gebaut wurden, befinden sich heute in teils sehr schlechtem Zustand, befindet der LWL in seiner Mitteilung. Im Rahmen der Innenstadtsanierung will die Stadtverwaltung sich nach Absprache mit den Eigentümern dieser Außenfassaden annehmen.

In den Jahren 2014 und 2015 wurden die Fachwerkhäuser westlich der St. Johanniskirche von der LWL- Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen aufgemessen. Dieses soll als Grundlage für ein Nutzungskonzept der vorhandenen Kirchringbebauung dienen. Ziel war es, die Bebauung zu erhalten und eine neue Nutzung der unter Denkmalschutz stehenden Gebäude zu finden. „Als wir uns dabei mit der Bausubstanz auseinandergesetzt haben, mussten wir feststellen, dass die Gebäude aufgrund des baulichen Zustandes zum Teil nicht mehr zu halten sind und eine Grundsanierung nötig ist“, so Reuter. „Trotz dieser Probleme ist die geschlossene Kirchringbebauung als Zeugnis der Stadtgeschichte Rahdens aus Sicht der Denkmalpflege unbedingt zu erhalten, sei es durch Erhalt oder Neubau.“

Die Stadt unterstützt die Erhaltung der unter Denkmalschutz stehenden Kirchringbebauung und möchte die Mitte des Ortes durch neue Nutzung der vorhandenen Bausubstanz attraktiv gestalten. Die LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur wird diesen Prozess weiter begleiten und entsprechende Hilfestellung leisten.

„Nach Bedarf und Notwendigkeit abwägen“

Die Sanierungssatzung „Rahden-Innenstadt“ wurde bereits im Sommer diesen Jahres mit dem Beschluss des Rates um weitere fünf Jahre, also bis Ende 2020, verlängert. Laut Baugesetzbuch ist die Stadt dazu angehalten, das Sanierungsgebiet möglichst kompakt zu halten. Mit der erweiterten Sanierungssatzung, über die der Rat in der kommenden Sitzung entscheiden wird, wächst der Bereich, in dem Sanierungen gefördert werden, um 12,6 Hektar. Konkret bedeutet dass, das die Bahnhofstraße, die Weher Straße bis zum Bahnübergang und der Bereich nördlich des Rathauses mit Grundschule und Amtsgericht mit zum Sanierungsgebiet gehören. „Auch dort kommen die Hauseigentümer nun in den Genuss der Fassadenerneuerung“, betonte Dieter Drunagel während der Bauausschusssitzung in der Aula des Gymnasiums. Auf die Nachfrage von Marion Spreen (SPD), warum das östliche Gebiet von Rahden nicht im Sanierungsgebiet berücksichtigt sei, erwiderte Bauamtsleiter Drunagel: „Dort haben wir schon eine moderne Bebauung und eine Sanierung ist daher nicht notwendig.“ Ebenso wurde der Vorschlag von Stadtheimatpfleger Claus-Dieter Brüning nicht mit in die Satzung aufgenommen. Er hatte sich gewünscht, dass der alte Teil des Rahdener Friedhofs im Rahmen der Satzung umgestaltet werden könnte. „Der Friedhof kann durch seine Lage kaum zur Stärkung der Innenstadt beitragen“, so die Begründung. Horst-Wilhelm Bruhn (SPD) erinnerte zudem daran, „dass weitere Flächen für eine Sanierung nicht ausgeschlossen sind“. Dazu erläuterte Dieter Drunagel: „Wir können mit dem aktuellen Konzept maximal 15 Jahre arbeiten. Danach müssen wir etwas Neues aufstellen.“ Dabei müsse man aber nach Bedarf und Notwendigkeit abwägen, stellte Bauamtsleiter Dieter Drunagel klar. - abo

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