28-Jähriger flüchtet in Panik vom Unfallort

Gericht sieht von Gefängnis ab

Das Rahdener Amtsgericht verurteilte einen 28-Jährigen erneut zur Freiheitsstrafe auf Bewährung. - Symbolbild: dpa

Rahden - Obwohl er in seinem Leben noch nie einen Führerschein besessen hat, ist ein 28-jähriger Mann aus Espelkamp bereits mehrfach im Straßenverkehr auffällig geworden.

Nun musste sich der Familienvater, der bereits eine Freiheitsstrafe auf Bewährung abwartet, vor dem Gericht verantworten: Für eine Straßenverkehrsgefährdung und unerlaubtes Entfernen vom Unfallort verurteilte Richter Schnasse den Mann zu einer weiteren Freiheitsstrafe auf sechsmonatige Bewährung sowie zu einer Geldstrafe und Sozialstunden.

Im Februar soll der 28-Jährige laut Anklage unter Alkoholeinfluss und ohne Fahrerlaubnis am Steuer eines Autos gesessen und in Rahden einen Unfall gebaut haben. Nachdem er seinerzeit von der Straße abgekommen war, richtete er Schäden in Höhe von rund 7 200 Euro auf einem Rahdener Firmengelände an und flüchtete dann zu Fuß, ohne sich weiter um die Schäden zu kümmern. Er selbst erlitt bei der Kollision Prellungen am Unterarm und eine Gehirnerschütterung.

„Das tut mir leid“, gab der 28-Jährige die Tat zu. „In dem Moment habe ich blödsinnig gehandelt“, sah er seinen Fehler ein. Nach dem Unfall sei er panisch geworden. „Ich habe meine Frau angerufen“, erinnerte sich der Familienvater. Dann sei er nach Hause gelaufen, „weil ich meine Familie nochmal sehen wollte“. Da er wegen einer anderen Tat – ebenfalls einer Fahrt ohne Führerschein – eine Freiheitsstrafe verbüßte, habe er Panik bekommen, dass er ins Gefängnis müsse, so der Espelkamper.

Zur Motivation der angeklagten Tat sagte der 28-Jährige: „Ich wollte den Kopf frei kriegen.“ So habe er sich nach Bier und Kurzen auf der Geburtstagsfeier der Schwiegermutter den Schlüssel ihres Wagens genommen und sei durch die Gegend gefahren. Sein Verteidiger sah das Verhalten im Jobverlust begründet. „Sein Arbeitsvertrag ist ausgelaufen und das hat ihn aus der Bahn geworfen“, so der Rechtsanwalt. Er wies zudem auf die „starke familiäre Bindung“ des 28-Jährigen hin.

Ein Blick auf das Vorstrafenregister des Angeklagten zeigte diverse weitere Vergehen, deren sich der 28-Jährige schuldig gemacht hatte. So war von einer Körperverletzung die Rede, wegen derer er seit mehreren Jahren bereits von einer Bewährungshelferin begleitetet und unterstützt wird. Hinzu kamen zwei Fälle von Fahren ohne Fahrerlaubnis sowie Trunkenheit im Straßenverkehr.

Die Bewährungshelferin, die vor Gericht ihre Einschätzung abgab, hatte „nichts zu bemängeln“. Sie erklärte, dass der Mann ein sehr klassisches Familienbild lebe und als Oberhaupt Verantwortung für Frau und Kind übernehmen wolle. „Geregelte Arbeitsstrukturen sind ihm wichtig“, so die Bewährungshelferin. Ihr zufolge sei das Selbstbewusstsein des Angeklagten seit dem Arbeitsverlust angegriffen gewesen.

Bedenken zur Sozialprognose

Obwohl bei dem Angeklagten nach dem Unfall ein Atemalkoholwert von 0,26 Milligramm pro Liter festgestellt worden war, spielte dies bei der Verurteilung keine Rolle mehr, da keine Blutprobe erfolgt war. Für den Fahrfehler und den Unfall sah die Staatsanwaltschaft eine Gefängnisstrafe als angemessen. „Ich bezweifle, dass der Angeklagte eine Freiheitsstrafe als Warnung versteht“, so die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. „Er hat die Chance und das Vertrauen in ihn nicht erkannt“, meinte sie mit Blick auf das Verhalten während der bestehenden Freiheitsstrafe. „Sie haben nicht nur Ihre eigene Gesundheit gefährdet, sondern auch die von anderen“, führte die Juristin dem Angeklagten vor Augen.

Sein Verteidiger konnte sich den Ausführungen der Staatsanwaltschaft nicht anschließen und wollte dem Mann „eine Chance geben, sich zu bewähren“. Er schlug eine sechsmonatige Freiheitsstrafe zur Bewährung vor. Diese verhängte Richter Schnasse am Ende auch – zusammen mit einer 18-monatigen Sperre für den Erhalt eines Führerscheins sowie einer Geldbuße in Höhe von 750 Euro und 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Zwar habe er „gewisse Bedenken, was die Sozialprognose angeht“, so Richter Schnasse, aber „ein letztes Mal zeigt das Gericht Vertrauen in den Angeklagten“. „Bei der nächsten Kleinigkeiten wird es für Sie Schwierigkeiten geben“, warnte der Richter. - abo

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