Mann stellt Bekannter über längere Zeit nach

Geldstrafe für Hausfriedensbruch

Rahden / Espelkamp - Weil er auf „verwerfliche Art“ in die Privatsphäre einer Bekannten eingedrungen ist, indem er ihr nachgestellt und sie durch das Fenster beobachtet hat, wurde ein Mann vom Amtsgericht Rahden wegen Hausfriedensbruch verurteilt. Die 56-jährige Pförtnerin aus Espelkamp leidet bis heute unter Angstzuständen und wird nervös, wenn sie den Verurteilten sieht, gab sie in der Verhandlung an.

Im Oktober 2014 soll der 47-jährige Mann der Anklage zufolge über den Zaun des in Espelkamp lebenden Ehepaares gestiegen sein und die Frau beim Ankleiden beobachtet haben. Zudem soll der aus Frotheim stammende Mann der Frau, deren Bekanntschaft vor mehr als zehn Jahren über die Arbeit zustande gekommen war, schon länger nachgestellt und aufgelauert haben.

Der Angeklagte selbst machte vor Gericht keine Angaben und verwies auf seinen fehlenden Rechtsbeistand. „Die Verteidigung ist an dieser Stelle nicht notwendig“, merkte Richter Schnasse an.

Zu Beginn habe sie noch an Zufälle geglaubt, wenn ihr der Angeklagte beim Einkaufen ständig begegnet sei, sagte die als Zeugin geladene Geschädigte. Doch später sei ihr der Gedanke gekommen, dass der 47-Jährige sie verfolge. „Ich habe ihn schon mehrfach bei uns gesehen“, erinnerte sich die Espelkamperin. Als sie sich im Mai 2014 morgens für die Schicht fertig machte, habe sie gehört, wie der Mann telefoniert habe, sagte die 56-Jährige aus. „Ein paar Wochen später ist morgens der Bewegungsmelder angegangen“, berichtete sie weiter. Daraufhin habe sie das „halbe Gesicht“ des Angeklagten gesehen.

Über einen weiteren Fall, wegen dem es zur Anzeige gekommen war, sagte die Zeugin: „Ich habe gefühlt, dass ich beim Anziehen beobachtet werde.“ Daher habe sie ihren Mann gerufen, der sich in den Garten begeben habe. Der 60-jährige Elektrotechniker fand Toilettenpapier am zwei Meter hohen Zaun zum Nachbargrundstück, wie er dem Richter schilderte. Dieses habe er mit einer Pinzette in einen Gefrierbeutel gesteckt und der Polizei übergeben. Aus dem Gutachten der DNA-Analyse verlas Richter Schnasse jetzt: „Es handelt sich eindeutig um Zellmaterial einer männlichen Person.“ Zudem stimme das Muster mit der später genommenen Probe des Angeklagten überein. Die Art der Zellen selbst hätte nicht definiert werden können, so Schnasse. Jedoch schlossen die Experten dem Bericht zufolge Ejakulat aus.

„Ich habe einen flinken Mann über den Zaun springen sehen“, so die 56-Jährige zu der Tat, nach der es ihren Aussagen zufolge keine weiteren Annäherungsversuche des Angeklagten gegeben habe. „Es ist nicht normal, wie sich meine Frau seit der Tat fühlt“, bedauerte der Ehemann, dass die 56-Jährige bis heute Angstzustände habe und Beruhigungsmittel einnehmen müsse.

„Mein Mann muss mit zum Auto kommen, wenn ich zur Arbeit fahre, und mich abends rein begleiten“, erklärte die Zeugin. „Überhaupt fühlt man sich ganz komisch nach so einem Vorfall“, ergänzte der 60-Jährige.

Da der Angeklagte nicht vorbestraft ist und der Meinung der Staatsanwaltschaft zufolge „zur Besinnung gekommen ist“, plädierte die Juristin für eine Geldstrafe von insgesamt 3.000 Euro. Dem schloss sich Richter Schnasse in seinem Urteil an. Der Angeklagte kündigte unmittelbar im Anschluss an, Berufung gegen das Urteil einlegen zu wollen. 

abo

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