Anja Beermann-Zuparic legt viel Gefühl in Portraits

Aus Fotos werden wahre Kunstwerke

„Je länger ich zeichne, desto weniger Stifte brauche ich“, sagt Anja Beermann-Zuparic. Denn sie kreiert ihre eigenen Farbmischungen für die Portraits. - Foto: Bokelmann

Rahden - Von Anika Bokelmann. Neben dem Fernseher hängt das Portrait eines Sumatra-Tigers, in der Essecke ziert ein bunter Schmetterling die Leinwand. Das Haus von Anja Beermann-Zuparic und ihrem Ehemann Berislav Zuparic gleicht an einigen Stellen zwar noch einer Baustelle, aber die künstlerische Ader ist spürbar. Denn Anja Beermann-Zuparic ist Portraitzeichnerin und hat mit dem Bauernhof in Rahden vor einigen Jahren ein Zuhause für ihre kleine Familie gefunden.

Vor fünf Jahren ist die Künstlerin mit ihrem Mann aus der Innenstadt von Münster an den Rahdener Stadtrand gezogen und hat sich damit einen Traum erfüllt. „Wir wollten mehr Natur um uns“, sagen die beiden. Da bei ihren Berufen – sie selbstständige Malerin, er EDV-Beauftragter an der Uni Münster – der Standort des Hauses keine Rolle spielte, waren sie deutschlandweit auf der Suche. Und in Rahden hat alles gestimmt, dort fühlen sie sich jetzt wohl.

In ihrem Atelier verbringt die 42-Jährige viel Zeit und fertigt die Aufträge ihrer Kunden an. Die kommen sogar aus dem Ausland und lassen neben ihren Haustieren auch Menschen portraitieren. Als Vorlage dienen Beermann-Zuparic Fotos. „Ich schließe zwar nicht aus, Menschen direkt zu malen. Aber dazu sind viele Sitzungen nötig“, beschreibt sie ihren Alltag. Tiere hat sie noch nie direkt, das heißt mit dem Original vor der Leinwand, gezeichnet. Und auch ihre eigenen Tiere sind in keinem Bild verewigt.

Schon immer hat Anja Beermann-Zuparic gern und viel gemalt, erinnert sich die 42-Jährige. „Als Kind hatte ich immer Stifte um mich herum.“ Als sie dann Südslawistik studierte, wurde aus der Malerei ein Zuverdienst. Im Hauptbahnhof Münster hat sie mehrere Jahre ihre Kunst in einer Vitrine ausgestellt und sich zudem auf Ausstellungen und Tierschauen präsentiert. Heute läuft die Werbung über die eigene Homepage im Internet fast von allein und es bleibt kaum noch Zeit für Ausstellungen.

„Nach dem Abschluss habe ich meine ganze Kraft in die Selbstständigkeit gesteckt“, erzählt Beermann-Zuparic rückblickend. Zuvor hatte sie einen Kursus bei einem Maler in Kroatien absolviert und sich in die Details der Portraitmalerei eingearbeitet, die bis heute ihr Standbein ist. „In den Semesterferien bin ich in Kroatin gewesen und habe in Istrien Touristen am Strand portraitiert“, sagt die Mutter einer einjährigen Tochter. Dadurch habe sie Erfahrungen gesammelt: „Am Anfang war ich sehr nervös, vor Publikum zu malen, aber es hat mir Spaß gemacht“, so Beermann-Zuparic.

Später habe sie sich aber dazu entschlossen, detailgetreu zu malen. „Dazu braucht man Zeit“, unterstreicht die Malerin, die manchmal Werke schafft, die sie ihren eigenen Aussagen zufolge nur ungern verkauft. „Ich baue eine Beziehung zu dem Motiv auf“, sagt sie und erläutert: „Bevor ich anfange, spreche ich ausführlich mit dem Kunden.“ Für Beermann-Zuparic ist es wichtig, „mehr über den Charakter eines Tieres oder Menschen zu erfahren“. Beim Malen führe sie dann Zwiegespräche – nur so könne sie Gefühl ins Bild legen, das sich am Ende in der Authentizität wiederspiegelt.

Nicht nur das Motiv, sondern auch der Hintergrund für den Auftrag sind teilweise wichtig. So habe sie bereits Anfragen aus einem Kinderhospiz erhalten oder von Eltern, die ihr Baby bei der Geburt verloren haben und ein Bild als Erinnerung wünschen. Je nach Stimmung arbeitet Beermann-Zuparic an mehreren Bildern parallel. „Durch einen Wechsel bekomme ich einen frischen Blick“, sagt die 42-Jährige.

„Von 100 Kunden entscheiden sich 90 für Pastell“, weiß Beermann-Zuparic aus Erfahrung. Sie selbst mag Pastellkreiden, weil sie damit freier arbeiten könne. Zudem sei man schneller, weil die Trocknungszeit, die es bei Ölfarben gibt, entfalle. Bevor Beermann-Zuparic das Bild losschickt, sendet sie dem Kunden einen Fotoabzug per Mail, um mögliche Änderungswünsche zu besprechen. Zudem speichert sie alle Fotos auf ihrem Rechner, um neuen Kunden Beispiele zeigen zu können. „Da ich alle Bilder im Auftrag anfertige, kann ich ja keine Motive behalten“, führt Beermann-Zuparic aus.

Wenn sie an ihre bisherigen Arbeiten zurückdenkt, sind Beermann-Zuparic unter den Tierportraits die Zeichnung eines Wasserflohs für einen Mikrobiologen oder Fische für einen Angler in Erinnerung geblieben. Am häufigsten portraitiert die Rahdenerin aber Pferde, Hunde, Wellensittiche und Kaninchen.

Als sie noch in Münster gelebt hat, hat Beermann-Zuparic auch Malkurse gegeben. Dazu hat sie momentan mit der Hausrenovierung und der kleinen Tochter keine Zeit. Aber sie ermutigt, jeden der Lust am Zeichnen hat, seine Interessen zu verfolgen. Denn an Talent glaubt die Malerin nicht recht: „Man muss einfach bereit sein, Zeit in sein Hobby zu investieren, dann fördert man sich automatisch.“ Durch ihre Fortschritte, die sie im Laufe des Lebens erkannt habe, habe sie sich nach der Starthilfe in Kroation stets weiterentwickelt. „Und ich probiere viel Neues – versuche neue Stifte und andere Papier“, so Beermann-Zuparic.

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