Dorfkongress mit mehr als 300 Teilnehmern

Mutpolitik für die Zukunft des ländlichen Raums

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Hatten Grund zum Strahlen: Christian Aukamp (r.), Vorsitzender der Bürgerstiftung Pr. Ströhen, und seine Stellvertreterin Bianca Winkelmann freuten sich mit Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx über einen gelungenen Kongress.

Rahden - Haben unsere Dörfer noch eine Chance? Diese Frage beantworteten die Akteure beim ersten Dorfkongress „Ländlicher Raum 4.0“ der Bürgerstiftung Pr. Ströhen im Rahdener Gymnasium am Samstag mit einem klaren „Ja“. Die mit mehr als 300 Teilnehmern ausverkaufte Veranstaltung war mit Vorträgen von Zukunftsforscher Matthias Horx und dem Europa-Abgeordneten Elmar Brok (CDU), Foren, Expertenrunden und Kabarett ein Erfolg. Unterm Strich wurde deutlich: Dörfer haben eine Zukunft, wenn sich Menschen engagieren.

„Wird der Kongress zur Stärkung des ländlichen Raums beitragen?“, bangten die Initiatoren bis zuletzt. Mehr als ein Jahr Vorarbeit hatte das Team um Stiftungsvorsitzenden Christian Aukamp, Stellvertreterin und Ortsvorsteherin Bianca Winkelmann sowie Kuratoriumsvorsitzenden Pfarrer Roland Mettenbrink investiert. „Die Arbeit hat sich gelohnt“, war am Ende klar.

Mit Spannung erwartet wurde der Fachvortrag von Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx, der das „Comeback der Dörfer“ im Spannungsfeld von Trends beleuchtete. „Dörfer haben eine sehr alte Geschichte und sind ein Netzwerk mit sozialen Beziehungen aus Familie, Sippe und Beziehungsgeflechten im überschaubaren Umfeld, das einem Harmonie, Idylle und Sicherheit gibt.“

„Unsere Bedürfnisse haben sich verändert und demzufolge auch unsere Lebensformen“, stellte Horx heraus. Von der Groß- über die Kleinfamilie hin zu pluralistischen Lebensformen habe sich ein Wandel vollzogen. „Welche Macht kommt Megatrends wie Gesundheitsideen, Individualisierung, Veränderung der Frauenrolle, Urbanisierung und Mobilität zu?“, fragte Horx und mahnte zu einer konstruktiven Sichtweise. Zu überlegen, was zu tun sei, damit es die Menschen nicht in die Städte zieht, sei ein falscher Denkansatz. Was können Dörfer als Leuchtturm attraktiv herausstellen, fragte er im Gegenzug. Auch „Schwarmstädte“, die junge Menschen für Ausbildung oder Studium bevorzugten, hätten sich qualitativ gewandelt. 2007 lebten 50 Prozent der Weltbevölkerung in Städten in absehbarer Zeit würden es 75 Prozent sein, nannte Horx Zahlen.

„Jeder Trend erzeugt einen Gegentrend“, unterstrich der Forscher und zeigte dies an einem Beispiel. „Veganismus wird den Verzehr von Fleisch nicht ausrotten, jedoch das Bewusstsein für dessen Hochwertigkeit fördern. Dann stehen die Nahrungsmittel aus eigenen Landen hoch im Kurs und Container aus Übersee werden weniger.“ Weiter erklärte er, dass in Mega-Cities wie München bereits Flächen mit dorfähnlichen Strukturen entstünden, die Leben, Wohnen, Arbeiten auf überschaubarem Raum mit begrenztem sozialem Netzwerk möglich machten. „Der Individualisierung folgt eine Wiedervergesellschaftung.“

Dorfkongress in Rahden

Dorf, Klein- und Großstadt – das eine gehe im anderen auf und es bedürfe intelligenter Dörfer mit engagierten Einwohnern, die ihre Ortschaften zu Aushängeschildern machten, um mit Projekten zu werben. „Das Engagement muss von innen kommen und kann nicht von oben verordnet werden“, mahnte Horx zu Eigeninitiative und riet, den Blick auf Nachbarorte zu richten. „Mit einer regionalen Mutpolitik haben Dörfer gute Chancen, attraktiv zu überleben“, resümierte der Zukunftsforscher.

Eine realistische Einschätzung sei unabdingbar. Zur Not müsse ein Dorf aufgeben werden, um ein anderes zu retten. „In Pr. Ströhen gibt es den Willen und die Fähigkeit, als Gemeinschaft miteinander und über den Tellerrand kooperierend hinaus zu arbeiten“, stellte der Referent heraus, dass es die Ortschaft verstanden habe, für sich und die Region zu werben.

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