Simon Obermeier zu Gast an der Schuke-Orgel der Immanuelkirche in Pr. Ströhen

Choralbearbeitungen vom Frühbarock bis zur Romantik

Simon Obermeier vor dem Prospekt der Schuke-Orgel der Immanuelkirche in Pr. Ströhen. An ihr gab er ein klanglich abwechslungsreiches Sonntagskonzert, das zum Orgelsommer des Kirchenkreises Lübbecke gehörte. - Foto: Kapries

Pr. Ströhen - Von Ralf Kapries. In der Konzertreihe „Lübbecker Orgelsommer“ war am Sonntagabend Simon Obermeier zu Gast an der Orgel der Immanuelkirche in Pr. Ströhen. Unter dem Weckmann-Thema „Komm, Heiliger Geist, Herre Gott“ als Titel interpretierte er Choralbearbeitungen vom Frühbarock bis zur Romantik, wobei der Schwerpunkt eindeutig auf Barockwerken lag.

Die Orgel der Immanuelkirche stammt aus der Berliner Orgelbauwerkstatt Schuke, wurde 1957 eingebaut und erfuhr im Jahr 1982 einen grundlegenden Neuaufbau. 2015 wurde sie dann von Mathias Johannmeier aus Levern generalüberholt. Dabei wurde sie gereinigt, nachintoniert und gestimmt. Seitdem gehört das vielseitige Instrument zu den Besten des heimischen Kirchenkreises und zeichnet sich durch ihren klaren, voluminösen Klang aus. Dieser wiederum eignet sich gut für die Wiedergabe von Werken des norddeutschen Orgelbarocks. Die 1 274 Holz- und Metallpfeifen der Orgel, die sich auf 18 Register verteilen, lassen jedoch auch genügend Raum für die Romantik.

Gelungene Eröffnung mit Georg Muffat

Obermeiers Konzertprogramm passte daher gut zu dem Kircheninstrument. Zum Auftakt ertönte die 1690 veröffentlichte „Toccata secunda“ des im italienisch-französischen Stil komponierenden Georg Muffat, dessen Beginn – von Obermeier mit vollem Prinzipal und zahlreichen Lichtern registriert – sich gut zur Eröffnung des Konzertabends eignete.

Das Hauptthema ist reich verziert und leitet in einen Flötenpart über. Im dritten Teil umschwirrten die Verzierungen das im Prinzipal registrierte Hauptthema mit zahlreichen Trillern, so dass ein geradezu flirrendes Klangbild entstand. Dem folgten drei Verse aus Matthias Weckmans sehr phantasiereichen „Komm, heilger Geist, Herre Gott“.

Daran schlossen sich Johann Sebastian Bachs „Gelobet seist du, Jesu Christ“ (BWV 604), gefolgt von „O Mensch, bewein dein Sünde groß“ (BWV 62), „Christ ist erstanden“ (BWV 627) und „Wenn wir in höchsten Nöten sein“ (BWV 641) an – allesamt Kompositionen, die geeignet sind, abwechselnd höchst unterschiedliche Gefühle beim Zuhörer anzuregen und entsprechend abwechslungsreich registriert werden konnten.

Obermeier legte den „Cantus firmus“ in den Tremulanten und begleitete mit verschiedenen Flöten. Dies ist eine typische Technik der barocken Orgelbearbeitung, bei der eine feststehende Melodie von anderen Stimmen umspielt wird. Dabei gelangen Obermeier sehr meditative Momente bis hin zu den düster flehenden Eindrücken im letzten Teil, die durch den Kontrast zwischen hohen Flöten und tiefem Subbass verstärkt wurden.

Altmeister Dietrich Buxtehude, Lehrer Bachs und Muffats, weckte mit seinem „Praeludium, Fuga et Clacona in C“ (BuxWV 137) die Lebensgeister. Obermeier ließ glänzendes Prinzipal ertönen, wechselte zu kontrastiven hohen und tiefen Registern, dann zu schmetternden Trompetenklängen, gestützt durch wechselnde Linguale, und endete mit einem imposanten Finale.

Der Wechsel zur Romantik wurde mit Johannes Brahms „Oh wie selig seid ihr doch, ihr Frommen“ (op. 122,6) eingeleitet. Dabei erstrahlte wieder das Prinzipal als Einleitung zu einem „Cantus firmus“ in hohem Tremulant, der mit hohen Gedackten mit ihrem charakteristischen „Düt“-Anblasgeräusch umspielt wurde. Doch mit „Herzlich tut mich verlangen“ (op. 122,10) erstrahlte wieder das Prinzipal und setzte damit auch für dieses höhrenswerte Konzert einen strahlenden Schlusspunkt.

Als Dank für den reich gespendeten Applaus spielte Obermeier noch eine weitere Komposition aus der Feder Johann Sebastian Bachs.

Nur noch zwei weitere Konzerte gehören zum diesjährigen Orgelsommer: Der Endspurt wird am 14. August ab 15 Uhr mit der traditionellen Orgeltour eingeleitet. Am 21. August wird dann der musikalische Schlusspunkt ab 18 Uhr in der St.-Andreas-Kirche in Lübbecke gesetzt.

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