Brok kritisiert Landesentwicklungsplan

Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit

Europa-Abgeordneter Elmar Brok brach eine Lanze für den ländlichen Raum.
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Europa-Abgeordneter Elmar Brok brach eine Lanze für den ländlichen Raum.

Rahden - „Ich empfehle es allen Dörfern so zu machen, wie die Bürgerstiftung. Nicht die Politiker haben das zu Stande gebracht, sondern das ist eine private Leistung“, nahm Europa-Abgeordneter Elmar Brok (CDU) ein großes Lob für die Veranstaltung in der Rahdener Gymnasiumsaula vorweg. Er brach in seiner Rede, die die „Dörfer im Blickpunkt globaler Entwicklungen“ stellte, eine Lanze für den ländlichen Raum.

„Die großen Krisen dieser Erde haben damit zu tun, dass man Dörfern ihre wirtschaftliche Basis und somit ihre Zukunft weggenommen hat“, zeigte Brok an den Entwicklungen auf dem afrikanischen Kontinent auf – nicht ohne auf Parallelen im hiesigen Raum hinzu-weisen. Es seien ungeheuere Entwicklungen, die man in den Küstenstädten Afrikas sehe, wo sich Menschen als Tagelöhner ohne Krankenversicherung zu Billigstlöhnen verdingten.

Doch was seien der Beruf und das Leben ohne soziale Bindungen wert? „Wenn Kirche im Dorf und Jugendarbeit nicht mehr stattfindet, keine Schule, kein kulturelles Leben mehr da ist, ist auch keine Sozialisierung, die Entstehung stabiler Freundschaften nicht mehr möglich.“ Werde diese Bindung zerstört, gehe vieles kaputt, Selbstmordraten und Kriminalität würden steigen.

Die Versiegelung von Landschaft, mehr Klärwerke und Industriegebiete seien Gründe, den Naturschutz voranzutreiben, nahm Brok den viel kritisierten Landesentwicklungsplan (LEP) ins Visier. „Umweltschutz ist wichtig, aber so nicht akzeptabel, wenn der Mensch dadurch keine Heimat und keine Zukunft mehr hat“, ging er scharf mit dem Thema ins Gericht. Man müsse Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit verbinden. „Es kann nicht sein, dass ein Arbeitgeber auf dem Land wegen des Landesplanes das Nachbargrundstück nicht mehr für eine Erweiterung kaufen kann. So zerstöre ich das Dorf.“

Dessen sozialen Vorteile müssten immer damit verbunden werden, eine wirtschaftliche Grundlage zu bieten. Ansonsten habe alles Bemühen keinen Sinn. Bei jungen Leuten bestehe die emotionale Bindung an die Heimat und der Wunsch nach Rückkehr. „Doch was sollen sie machen, wenn es für sie keine Stellen gibt?“, gab Brok zu bedenken: „Wir brauchen Infrastrukturmaßnahmen – nicht nur den Bus zur Schule, sondern auch Verkehrsmittel, die die Teilhabe am kulturellen Leben in größeren Städten ermöglichen.“

15 Millionen Euro habe der Bund im vergangenen Jahr zur Unterstützung der Kommunen beschlossen. Dazu sieben Millionen Euro, die in 2016 und 2018 fließen sollen. Davon müsse einiges in den ländlichen Raum investiert werden. „Nicht nur die Mega-Cities an Rhein und Ruhr dürfen in NRW profitieren, denn dort hört Westfalen noch lange nicht auf.“ Für die Förderung des ländlichen Raumes stünden aus EU-Töpfen bis 2020 rund 100 Milliarden Euro zur Verfügung. „Auch davon muss hier etwas ankommen.“ Denn mit Ostwestfalen-Lippe als viertstärkster Kammer-Region in Deutschland und Unternehmen, die sich für ihre Region stark machten, habe man gute Chancen. „Hier spielt die wirtschaftliche Zukunft, nicht in Dortmund oder Essen.“

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