Landwirte aus dem gesamten Kreis tauschen sich beim „Tag des Wassers“ aus

Offensiv gegen Pflanzenschutz in Gewässern

Anhand der Bodenprofile im Acker von Axel Grundmann führte Albrecht Deppe aus, welche Abschwemmungen es gibt und wie sich der Eintrag von Pflanzenschutzmitteln auswirken. - Fotos: Landwirtschaftskammer

Bad  Oeynhausen - Rotebeetesaft und ein tiefes Loch im Boden lautete die einfache, aber äußerst effektive Lösung auf die Frage, wie der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln weniger Auswirkungen auf den Boden und somit am Ende auf das Wasser hat. Das erfuhren die Teilnehmer einer Vortragsreihe und Demonstration, zu der Experten der Landwirtschaftskammer NRW und des Industrieverbands Agrar (IVA) eingeladen hatten.

Die abgeerntete Ackerfläche von Landwirt Axel Grundmann in Bad Oeynhausen dient zur Demonstration, berichtet die Landwirtschaftskammer jetzt in einer Mitteilung. Etwa 110 Landwirte und Experten aus den Kreisen Minden-Lübbecke, Herford und Bielefeld versammelten sich demnach, um sich rund um das Thema Vermeidung von Pflanzenschutzmitteleinträgen in Gewässer auszutauschen.

Der „Tag des Wassers“ trifft laut Kreislandwirt Wilhelm Brüggemeier (Kreis Herford-Bielefeld) „genau ins Schwarze“. „Der Schutz von sensiblen Oberflächengewässern ist uns allen sehr wichtig. Ein Eintrag von Pflanzenschutzmitteln darf nicht passieren. Deshalb setzen wir uns mit der Thematik auseinander und gehen offensiv damit um“, so Brüggemeier.

Dem stimmt Dr. Marco Reitz vom IVA zu, der aus Frankfurt angereist ist, um das Fachpublikum im Namen des Verbandes zu begrüßen. Im theoretischen Teil der Veranstaltung stellt Theo Telgen von der Landwirtschaftskammer die Ergebnisse von Wasserproben in OWLs Gewässern vor. Die Umweltqualitätsnorm der meisten Pflanzenschutzmittel in Gewässern liegt bei 0,1 Mikrogramm pro Liter, führte der Experte aus. „Das ist ein sehr kleiner Wert“, machte Telgen mit einem Rechenbeispiel deutlich: Um 1 Gramm eines Stoffes auf 0,1 Mikrogramm zu verdünnen, brauche man 10 000 000Liter Wasser.

Telgen betont weiter: „Es gibt sicherlich Wirkstoffe, welche in der Landwirtschaft keine Anwendung mehr finden, die aus anderen Bereiche wie privaten Haushalten und Industrie oder aus Kläranlagen stammen. Dennoch lässt sich zu bestimmten Funden ein Zusammenhang zur Landwirtschaft feststellen.“

Wie die Wirkstoffe aus der Landwirtschaft überhaupt in Gewässer gelangen können, stellte Dr. Manfred Röttele von „Better Decisions“, einem Unternehmen im Berater-Netzwerk der Landwirtschaft, dar. Er unterscheidet drei mögliche Eintragspfade: Punktquellen wie sie auf Höfen vorkommen, Run-Off – das Abspülen der Pflanzenschutzmittel durch Niederschläge – und die Abdrift als unbeabsichtigtes Verwehen von Pflanzenschutzmittel-Tröpfchen. Dies kann durch die Witterung und Geräteeinstellung beeinflusst werden.

„Das höchste Gefährdungspotential liegt in dem Befüllen und Reinigen von Pflanzenschutzspritze sowie in dem Umgang mit Restmengen. Hier sollten Landwirte sehr achtsam sein“, so der Experte.

Um Einträge zu vermeiden, stehen dem Landwirt viele technische Lösungen zur Verfügung, erklärte Harald Kramer von der Landwirtschaftskammer. Es gibt ihm zufolge geschlossene Befüllsysteme, verbesserte Düsen- und spezielle Reinigungstechniken. Diese stellt der Fachmann im Feld vor. Am Ende half Rotebeetesaft, um seine Erkenntnisse zu verdeutlichen. „Ich habe das Wasser in der Spritze mit Rotebeetesaft eingefärbt, um so die Reinigungstechnik besser zu verdeutlichen“, so Kramer.

Im Feld präsentierte Albrecht Deppe vom Geologischen Dienst seine Erkenntnisse. Er stand dabei in einem tiefen Bodenprofil und erläuterte, welche Abschwemmungsgefahr der Boden in der Region hat. Letztlich kamen die Veranstalter des Aktionstags der Mitteilung zufolge zu dem Schluss: „Wie man an der Teilnahme erkennt, ist das Interesse an umweltschonendem Umgang mit Pflanzenschutzmitteln groß. Das ist gut so und uns ein großer Ansporn zur weiteren Verbesserung des Zustands der Gewässer!“

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