47-Jähriger beleidigt und bedroht seine Familie

Streit unter Geschwistern eskaliert

+
Er hat seine Familie beleidigt und bedroht. Dafür muss ein 47-Jähriger nun 250 Arbeitsstunden leisten.  

Rahden / Espelkamp - Wenn sein Mandant Alkohol getrunken habe, zeige er ein verändertes Verhalten, erklärte der Verteidiger der Staatsanwältin und Richter Schnasse im Rahdener Amtsgericht. Dort musste sich der 47-Jährige wegen zweier Vorfälle, Beleidigung und Bedrohung, verantworten. Vermehrt soll der Lackierer seine Geschwister am Telefon verbal attackiert und dadurch eingeschüchtert haben. Dafür bekam er nun fünf Monate auf Bewährung sowie 250 Arbeitsstunden.

Da die Zeugen für die Beleidigung, die sich laut Anklage im November in einer Pizzeria in Espelkamp ereignet haben soll, nicht erschienen waren, wurden die Vernehmungen voneinander getrennt und zunächst nur über den Familienstreit entschieden. Ende Januar war dieser eskaliert und der Bruder und eine Schwester des Angeklagten, die nun als Zeugen vor Gericht aussagten, hatten die Polizei eingeschaltet. Dort gaben sie an, dass der 47-Jährige die Familien bedroht habe – unter anderem soll der Mann, der bei der gemeinsamen Mutter der Geschwister lebt, dem Bruder auf vulgäre Art und Weise den Tod sowie der eigenen Nichte einen Sexualdelikt angekündigt haben.

„Der Kontakt zu den Geschwistern ist nicht gut“, gab der Verteidiger an, da sich der Angeklagte selbst nicht äußerte. Er gebe zu, dass er zu Beleidigungen neige, hieß es weiter. Aber das Ausmaß der verbalen Angriffe bestritt der Verteidiger. Nachdem der Angeklagte vor einigen Jahren bereits die Anwältin seiner Ex-Frau am Telefon belästigt hatte, war der Espelkamper zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden. Bis 2017 wurde ihm aufgrund dieses Delikts ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt. Der Mann, der von Hartz-IV lebt, pflegt zudem seine Mutter, in dessen Wohnung er wohnt.

Seit seinem Einzug bei der Mutter vor knapp zwei Jahren sollen sich den Zeugenaussagen zufolge die Drohungen gegenüber den Geschwistern gehäuft haben. „Ich kann nicht verstehen, warum er das tut“, sagte die 61-jährige Schwester. Sie erinnerte sich an das Telefonat im Januar, in dem ihr Bruder seinen Hass der Familie gegenüber zum Ausdruck gebracht hatte. „Zwei bis drei Mal die Woche ruft er an“, so die Schwester des Angeklagten. Stets werde er sofort zornig, beschrieb sie. Zudem gab die 61-Jährige an, dass sie Angst habe, wenn ihr Bruder bei der Mutter sei. „Er hat mich schonmal rausgeschmissen“, gab die Zeugin zu Protokoll.

„Als es zu schlimm wurde, haben wir Strafanzeige bei der Polizei erstattet“, berichtete die Frau. Gleiches führte auch der 54-jährige Bruder aus, doch der Verteidiger zweifelte an der Glaubwürdigkeit der Zeugen. Dabei legte er das Polizeiprotokoll zugrunde, dass lediglich Auskunft über die Vernehmung des 54-jährigen Bruders gebe. „Die Daten passen nicht. Ich habe das Gefühl, dass der Fall von den Geschwistern konstruiert wird“, kritisierte der Jurist und beantragte Freispruch für den 47-Jährigen.

Die Staatsanwältin erklärte: „Es ist erwiesen, dass es das Telefonat gegeben hat. Die Zeugen haben die Situation schlüssig dargelegt.“ Die Einwände des Verteidigers, dessen Antrag auf eine Vernehmung des Polizeibeamten von Richter Schnasse abgelehnt wurde, bezeichnete die Staatsanwältin als „Nebenkriegsschauplatz“.

Ferner unterstellte der Verteidiger den Geschwistern das Motiv, dass sie den Bruder von der Mutter wegbringen wollten. „Die Situation stützt sich lediglich auf Aussagen der Zeugen“, unterstrich er.

Aufgrund des langen Zeitraums der Bedrohungen und einer ungünstigen Sozialprognose durch die Alkoholprobleme plädierte die Staatsanwältin schließlich für eine fünfmonatige Freiheitsstrafe. Diese setzte Richter Schnasse auf drei Jahre zur Bewährung aus und schlug noch 250 Stunden Arbeit in einer gemeinnützigen Einrichtung drauf. Zudem wies er den 47-Jährigen an, für ein Jahr eine Selbsthilfegruppe zu besuchen, und gab ihm mit auf den Weg: „Unterlassen Sie künftig die Drohanrufe.“ Der Espelkamper solle nun die Chance nutzen, abstinent zu werden. - abo

Mehr zum Thema:

Späte Tore lassen Werder jubeln

Späte Tore lassen Werder jubeln

Eindrücke vom Oktoberfest: Blauer Himmel und gute Laune

Eindrücke vom Oktoberfest: Blauer Himmel und gute Laune

Illuminierte Nacht in Scheeßel

Illuminierte Nacht in Scheeßel

Welt-Artenschutzkonferenz entscheidet über 500 Tierarten

Welt-Artenschutzkonferenz entscheidet über 500 Tierarten

Meistgelesene Artikel

Feilschen um jeden Cent beim Trödelmarkt

Feilschen um jeden Cent beim Trödelmarkt

Heike Krüger ist neue Gleichstellungs- und Familienbeauftragte in Rahden

Heike Krüger ist neue Gleichstellungs- und Familienbeauftragte in Rahden

Ein Markt für das wohl beliebteste Lebensmittel

Ein Markt für das wohl beliebteste Lebensmittel

Für die Betriebe und die Ortschaft

Für die Betriebe und die Ortschaft

Kommentare