Heimatpfleger beschäftigen sich mit Großer Aue

Richtstätte mit Galgen stand einst an Großer Aue

Dieses Foto aus dem Jahr 1935 (Stadtarchiv Pr. Oldendorf) zeigt die Große Aue mit Straßenbrücke und Wassermühlengebäude in Fiestel.    - Repro: Friedrich Klanke

Rahden/Fiestel/Bad Holzhausen - Heimatpfleger aus Orten an der Großen Aue und angrenzenden Gemeinden befassten sich kürzlich näher mit dem Hauptgewässer im Altkreis Lübbecke. Ortsheimatpfleger Karl Friedrich Hüsemann (Gestringen) wies bei dem Treffen auf interessante Fakten zur historischen Bedeutung des Wasserlaufes hin.

So war in zurückliegenden Jahrhunderten und Jahrtausenden wegen des sumpfigen Geländes eine Durchquerung der Aue nur an bestimmten Stellen ohne übermäßige Mühen oder überhaupt für die Menschen möglich. Zu den besonders wichtigen Über-gängen gehörten die über langen Zeitraum genutzten Heerwege in Holzhausen und Fiestel sowie der heutige Arminusweg in Hedem. In Fiestel brach eine tektonische Verwerfung in der Vorzeit den Untergrund auf, wodurch das Gelände soweit angehoben wurde, dass eine schlammfreie Über- und Durchquerung der Großen Aue möglich wurde.

Um insbesondere den Verkehr an der Stelle des Zusammenflusses der Flöthe mit der Großen Aue in Fiestel überwachen zu können, wurde dort die Ellerburg errichtet. Die über einen langen Zeitraum bis ins vorige Jahrhundert betriebene Wassermühle in unmittelbarer Nähe der Ellerburg habe dabei auch zur Höhenregulierung des Wasserstandes in den Gräften der Ellerburg gedient, erläuterte Hüsemann.

In gleicher Weise wurde so übrigens auch der Wasserstand der Gräfte des Hedemer Adelshauses Hollwinkel reguliert. Mit der Anlage von Stauteichen, Mühlenstege genannt, dienten diese dort als Übergänge und Überfahrmöglichkeiten. Über Jahrhunderte hinweg nutzten die Menschen diese Mühlenstege auch als Kirchwege und Leichenzugswege in den den eingegepfarrten Dörfern an der Großen Aue.

Mit dem 1256 geschlossenen Vertrag zwischen den Bistümern Minden und Osnabrück sowie der Grafschaft Diepholz bildete die Große Aue die Grenzlinie. Der Vertrag wurde anno 1306 verlängert. Auf speziellen Luftbildern des Verlaufs der Großen Aue von Holzhausen bis zur heutigen Landesgrenze in Pr. Ströhen sind Verfärbungen zu erkennen, die nach Meinung von Fachleuten auch auf diese Grenzziehung im 13. und 14. Jahrhundert hinweisen. 

Die Auswertung vorläufiger Grabungsergebnisse weist auf eine Reihe von früheren Gräbern im Bereich des Wasserlaufes hin. Diese dürften insbesondere auch zur langfristigen Sicherung und Achtung dieser Grenzziehung im Nahbereich der Großen Aue angelegt worden sein.

Ortsheimatpfleger Karl Friedrich Hüsemann hob hervor, dass bis in die heutige Zeit Erzählungen über frühere Verhältnisse an der Großen Aue lebendig geblieben sind. Modernste Forschungs- und Untersuchungsmethoden hätten dabei Inhalte dieser Berichte, vor allem durch die Auswertung von Bodenfunden, wissenschaftlich untermauert.

So habe der frühere Müller der Wassermühle in Fiestel sich daran erinnert, dass er als kleiner Junge etwa um 1910 seinen Vater beim Setzen von Weidepfählen begleitet habe. Dabei habe ihm der Vater erzählt, dass etwa an der Stelle, wo man den Zaun in der „Bet- und Predigerwiese“ an der Großen Aue errichtete, sich vor langer Zeit ein Galgen befunden habe. Während des Setzens der Weidepfähle sei, so der Müller, der Baron von der Horst über den Hollwinkler Damm angeritten gekommen und habe Vater und Sohn zugerufen: „Grabt die Löcher für die Holzpfähle nicht zu tief, sonst werdet ihr noch auf die verurteilten Deliquenten stoßen. Die hat man früher dort verscharrt!“

In einer weiteren Erzählung wird berichtet, dass an dieser Stelle auch das Todesurteil an einer Frau wegen Untreue vollstreckt wurde. Die Frau soll keine Reue gezeigt und selbst, als der Strick um ihren Hals gelegt wurde, noch mit Furcht erregender Stimme gelacht haben.

fkl

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